So übersteht die Beziehung das vermeintliche Fest der Liebe

  • Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) streitet sich einer Studie zufolge in der Weihnachtszeit mit dem Partner.
  • Dadurch gelten die Tage um das Fest der Liebe als jährlicher Trennungshöhepunkt.
  • Das lässt sich vermeiden. Diplom-Psychologin und Paartherapeutin Christine Geschke gibt Tipps.
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Hannover. Der Duft von Nelken und Zimt liegt in der Luft, selbst gestrickte Socken wärmen die Füße und eine dampfende Tasse Glühwein trägt zur Entspannung bei. Die Vorweihnachtszeit gilt als ausgelassen und besinnlich. Leider sehen die Tage um das Fest der Liebe in der Realität oft anders aus. Die freie Zeit beschert uns nicht zwingend Feierlaune und der Stress sorgt für Streit mit der Familie oder dem Partner.

In puncto Streit zur Weihnachtszeit sitzen wir alle in einem Boot. Das zeigt eine 2018 aufgestellte Studie der Online-Partnervermittlung Parship in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG. Hierfür wurden 1031 Probanden zwischen 18 und 65 Jahren befragt, von denen 678 in einer Beziehung lebten. Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) streitet sich demnach in der Weihnachtszeit mit dem Partner. Besonders bei den 18- bis 29-Jährigen fliegen die Fetzen. Von ihnen beklagen sich 40 Prozent über zu wenig Zeit mit dem Partner. Und das wiederum führt zu Trennungen. Dem Paarberatungsteam von beraterteam.info zufolge liegt der jährliche Trennungshöhepunkt etwa zwei Wochen vor Weihnachten.

Wenn im Winter Vitamine und Endorphine fehlen

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Sonnenstrahlen wirken sich durch die angeregte Vitamin-D-Produktion unseres Körpers positiv auf unser Wohlbefinden und unsere Stimmung aus. Dieser Effekt bleibt im Winter aus – und es werden weniger Endorphine freigesetzt. „Durch den Mangel an Glückshormonen streiten Paare im Winter grundsätzlich häufiger“, erklärt Christine Geschke, Diplom-Psychologin und Paartherapeutin aus Hamburg, dem RND. Zudem seien die Möglichkeiten, Wut zu kompensieren, im Sommer vielfältiger. Wir könnten uns ablenken, indem wir rausgehen und etwas unternehmen oder an den See fahren.

Wieso wir in der Vorweihnachtszeit dazu neigen zu streiten

Die Vorweihnachtszeit bietet weitere Tücken. Viele Menschen sind durch die Liste an Dingen, die vor dem Fest erledigt werden müssen, ohnehin gestresst. „Dadurch reißt auch der Geduldsfaden schneller“, erläutert Geschke. „Das Augenmerk liegt dann auf allem, was Glückseligkeit mit sich bringen sollte – und die Partnerschaft wird streng begutachtet.“

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Hinzu kommt dem Paarberatungsteam von beraterteam.info zufolge, dass häufig Bilanz gezogen wird, wenn sich das Jahr dem Ende neigt. Dabei würden Fragen wie „Ist der Mensch an meiner Seite der, mit dem ich mein Leben verbringen will?“ aufkommen.

Paare haben oft unterschiedliche Erwartungshaltungen an die Feiertage

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Während sowohl die Vorweihnachtszeit als auch das Fest der Liebe dem einen viel bedeuten, hat der andere die Feiertage bislang stets dafür genutzt, für sich zu sein und zu entspannen. „Die unterschiedlichen Erwartungshaltungen kollidieren oft“, meint die Beziehungsexpertin. Es entstehe der Eindruck, man sei absolut verschieden. Dadurch werde die gesamte Beziehung hinterfragt.

Des Weiteren tragen viele Erwartungen zu zahlreichen Enttäuschungen bei. 40 Prozent der 18- bis 29-jährigen Probanden der 2018 aufgestellten Studie beschwerten sich beispielsweise über zu wenig Zeit mit dem Partner während der Weihnachtszeit. Unpassende Geschenke hingegen stellten nur für 7 Prozent aller Befragten ein Problem dar.

Auch die Erwartungen Außenstehender spielen eine Rolle

Ob eine überfürsorgliche Mutter, ein gesprächsbedürftiger Vater oder die verrückte Tante: Verantwortlich für den vorweihnachtlichen Streit mit dem Partner ist für 32 Prozent der Probanden das Verhalten von Verwandten. Auch sie hegen Erwartungen. „Sich vor der gesamten Familie als liebendes Paar zu präsentieren sorgt für Druck“, stimmt die Expertin zu. Dann könne es sein, dass eine Seite für sich realisiert: „Eigentlich geben wir das gar nicht her.“ Um sich also vor größeren Enttäuschungen zu schützen, werde die Reißleine vor dem Fest gezogen.

Streit zur Weihnachtszeit vermeiden: So geht’s

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Stress wird Geschke nach am besten mithilfe der Psychoedukation bekämpft. Was kompliziert klingt, ist eigentlich simpel: „Es geht darum zu verstehen, dass die Vorweihnachtszeit für alle Beteiligten belastend sein kann. Darum, dass das ganz normal ist.“

Bezüglich der unterschiedlichen Erwartungshaltungen könnte bereits weit vor dem Fest das Gespräch gesucht werden. Dass klar ist, wie sich das Gegenüber gelungene Feiertage vorstellt, sei bereits die halbe Miete. Danach müsse geprüft werden, inwiefern sich beide Parteien entgegenkommen können. „Vielleicht feiert man in einem Jahr üppig und fährt im nächsten weg, um sich zu entspannen“, schlägt Geschke vor.

Wichtig sei außerdem, Stressanteile vor Weihnachten abzubauen, zum Beispiel durch einen Kurzurlaub. Doch auch regelmäßige Spaziergänge könnten der Expertin zufolge eine Lösung sein. Dadurch, dass Paare hierbei nebeneinander hergehen, anstatt sich konfrontativ gegenüberzusitzen, seien ausgiebige Gespräche gut möglich.

Was tun, wenn es zu spät ist und bereits gestritten wird?

Kommen zur Vorweihnachtszeit dennoch Probleme auf, sollten sie keineswegs totgeschwiegen werden. Sonst könnte ein Wutanfall die Folge sein. „Wer etwas Dringendes zu sagen hat, sollte nicht im Affekt handeln, sondern einen Termin für ein ruhiges Gespräch ausmachen“, rät Geschke. „Und wenn das erst im Januar stattfindet, ist das auch in Ordnung. Dann haben beide Parteien bis dahin Zeit zu überprüfen, ob die Streitpunkte stressbedingt waren oder nicht.“

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