Stealthing: Wenn der Mann heimlich das Kondom abzieht

  • Beim sogenannten Stealthing ziehen sich Männer während des Geschlechtsverkehrs heimlich das Kondom ab.
  • Die Praxis trifft nicht nur Frauen: Auch homosexuelle Männer können Opfer von Stealthing werden.
  • Ein Kammergericht entscheidet jetzt: Bei Stealthing handelt es sich um einen sexuellen Übergriff.
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Stealthing – das Wort kommt vom englischen stealth, was so viel bedeutet wie Heimlichkeit, List oder Verstohlenheit. Mit dem Begriff wird das heimliche Abziehen des Kondoms während des Geschlechtsaktes bezeichnet, zum Beispiel während eines Stellungswechsels: Wenn es die Frau nicht bemerkt, zieht der Mann das Kondom ab und hat weiter Sex mit seiner Partnerin, ohne dass diese weiß, dass sie gerade ungeschützten Sex hat.

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Ende 2018 gab es in einem Stealthing-Fall eine erste Verurteilung in Deutschland. Ein 37-jähriger Bundespolizist hatte einvernehmlichen Sex mit einer 21-Jährigen – bis er das Kondom abzog, erzählte das Opfer. Der Mann bekam vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten sechs Monate auf Bewährung und sollte rund 3000 Euro Strafe an das Opfer zahlen.

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Dieses Urteil wird nun obergerichtlich bestätigt. Ein Kammergericht entscheidet, dass Stealthing als sexueller Übergriff zu sehen ist. Das Gericht weist allerdings darauf hin, dass andere Fälle auch als Vergewaltigung verurteilt werden könnten, da die Zustimmung zum Geschlechtsverkehr sich nur auf den Sex mit Kondom bezieht.

In der Schweiz wurde bereits 2017 ein Mann wegen Stealthings zu zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt – hier wegen Vergewaltigung. Die Richter begründeten das Urteil damit, dass die Frau „unfähig war, Widerstand zu leisten“.

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Übrigens betrifft diese Praxis nicht nur Frauen. Auch homosexuelle Männer können Opfer von Stealthing werden.

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Was sind die Gründe für Stealthing?

Die Folgen des Stealthings sind klar: Es kann zur Übertragung von Krankheiten kommen oder die Frau kann ungewollt schwanger werden. Die betroffenen Frauen empfinden Stealthing darüber hinaus als eine eindeutige Verletzung ihres Körpers und des Vertrauens, „das sie fälschlicherweise in ihren Sexualpartner gesetzt hatten“, wie die Juristin Alexandra Brodsky in einem Aufsatz für das „Columbia Journal of Gender and Law“ schreibt.

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Die Gründe, aus denen Männer Stealthing betreiben, sind weniger offensichtlich. Brodsky hat für ihren Artikel Onlinekonversationen zum Stealthing ausgewertet. Ihr Ergebnis: Während man sich eine Menge möglicher Motivationsgründe vorstellen könne – gesteigertes körperliches Vergnügen, Nervenkitzel durch Erniedrigung –, legten die Onlinediskussionen nahe, dass die Täter ihr Handeln als „natürlichen, männlichen Instinkt – und natürliches, männliches Recht– rechtfertigten, so Brodsky. Jurist und Juradozent Joachim Renzikowski sagte gegenüber der „Zeit“, es gehe bei den meisten Sexualstraftaten um „Macht, Gewalt und Unterwerfung“.

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