Sexuelle Zufriedenheit: Es geht heute nicht mehr ohne Technologie

  • Das Kinsey Institute untersucht, wie Technologien unseren Umgang mit Intimität und Sexualität beeinflussen.
  • Ein Ergebnis: Den Konsumenten von erotischen Web-Inhalten geht es nicht nur um sexuelle Befriedigung.
  • Weltweit gibt es bei der Nutzung von Technik für das Sex- und Liebesleben große Unterschiede.
Michèle Förster
|
Anzeige
Anzeige

Technologische Errungenschaften ermöglichen uns nicht nur, mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren, sondern sie beeinflussen anscheinend zunehmend auch unseren Umgang mit Intimität und Sexualität. Das zeigen jüngste Forschungsergebnisse des renommierten Kinsey Institute der Universität von Indiana.

Nicht nur der Einsatz von Sex-Technologie im Allgemeinen nimmt danach zu, sondern auch die Weise, wie sich die Nutzer mit ihren virtuellen Partnern verbunden fühlen, verändert sich – so das Ergebnis der Ende 2019 durchgeführten Studie. Konkret handelt es sich dabei um den Besuch von Pornografie-Websites, Sexting und Telefonsex, sowie den Konsum von interaktiven Webcam Live-Streams.

Befriedigung ist nicht der einzige Beweggrund

Die Befragung der mehr als 8000 Amerikaner ergab, dass Menschen, die "Sex Tech" nutzen, seltener von Einsamkeit und Depressionen betroffen waren, wenn sie sich ihrem virtuellen Partner in einer persönlichen oder emotionalen Weise verbunden fühlten. Dabei gab die Hälfte der Teilnehmer an, regelmäßig pornographische Clips zu konsumieren, 31 Prozent hatten bereits Telefonsex. Rund ein Drittel der Befragten, die Erfahrungen mit Sexting hatten, verschickten die erotischer Kurznachrichten und Bilder an eine Person, zu der sie bereits eine persönliche Beziehung hatten.

Für 74 Prozent der Webcam-Konsumenten geht es bei ihren Besuchen um die sexuelle Befriedigung. Doch auch der Wunsch nach emotionaler Unterstützung (68 Prozent) und dem Gefühl der emotionalen Verbundenheit mit dem Cam-Modell (66 Prozent) steht für die Befragten im Vordergrund.

Den Konsumenten von erotischen Web-Inhalten geht es nicht ausschließlich um sexuelle Befriedigung.
Anzeige

"Diese Erkenntnisse widerlegen den Mythos, dass Technologie menschliche Verbindungen und Liebe ersetzt und obsolet wird. Die bisher wenig erforschte Praxis des Webcam-Konsums kann emotionale Intimität fördern, auch wenn diese Technologien und Interaktionen im Allgemeinen als primär sexuell angesehen werden", schlussfolgert der geschäftsführende Direktor des Kinsey-Instituts, Justin Garcia.

Globale Befragung: Die Geschmäcker sind verschieden

Die Hauptautorin der Studie, Amanda Gesselman, stellt weiterhin fest, dass "Technologie in unserem romantischen und sexuellen Leben immer allgegenwärtiger wird" und das Potential hat, "zwischenmenschliche Beziehungen zu fördern und zu verbessern." Damit knüpft die Studie an eine frühere Befragung an, bei der das Kinsey Institut mit der Menstruations- und Ovulations-App "Clue" zusammengearbeitet hat.

Der Umfang ist gigantisch: Weltweit nahmen über 140.000 Menschen aus 198 Ländern an der Studie teil, um ihre Erfahrungen mit Technologie im Dating-Verhalten und Sexleben zu schildern. Schon bei der Nutzung von Dating-Apps zeigen sich globale Unterschiede. Während 11 Prozent der Amerikaner Dating-Apps nutzen, um eine Affäre oder einen One Night Stand zu finden, bilden die Russen mit gerade einmal 3 Prozent in dieser Kategorie das Schlusslicht. Mit 23 Prozent der Nutzer, die einen festen Partner suchen, ist Schweden Spitzenreiter in Sachen Romantik.

Auch bei der sexuellen Aufklärung spielt Technologie heute eine entscheidende Rolle: Mit 32 Prozent gehören die Chinesen zu den wissbegierigsten Ländern. In Singapur nutzen hingegen nur 11 Prozent der Menschen Apps, um sich aufklären zu lassen.

Auch das Liebesleben wird digitalisiert

Anzeige

Ein Blick auf die globale Suchmaschinen-Aktivität ist ebenfalls interessant. Mit 52 Prozent haben sich die Philippiner am häufigsten auf die Suche nach Informationen zu Sex gemacht. Aber: Nur ein Prozent der 140.000 Befragten hat sich per Smartphone über sexuell übertragbare Krankheiten informiert.

Auch das Thema Sexting beschäftigt Menschen auf der ganzen Welt. In Südkorea geht es gesittet zu, gerade einmal 30 Prozent der Befragten haben schon einmal eine erotische Kurznachricht verschickt. Italien und Frankreich liegen mit rund 50 Prozent im Mittelfeld. Am aktivsten zeigt sich Südafrika: Dort nutzen 77 Prozent der Befragten ihr Smartphone für die sexuelle Kommunikation. Das Mittel der Wahl heißt bei knapp der Hälfte der unter Zwanzigjährigen übrigens Snapchat.

"Technologie hat heute einen großen Einfluss auf nahezu jeden Bereich unseres Lebens. Es ist möglich seinen Seelenverwandten per Knopfdruck zu treffen oder auf dem Smartphone etwas über Sex zu lernen", fasst Ida Tin, Geschäftsführerin von Clue, zusammen. Vor allem ist Technologie heute aber ein Mittel, um all jene Dinge, die uns wichtig sind, an einem Ort zu verbinden. Und wie die Wissenschaft zeigt, zählen dazu auch Sex und Liebe.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen