Warum es so wichtig ist, sich selbst zu lieben

  • Liebe ist ein schönes Gefühl, keine Frage.
  • Doch sie kann noch so viel mehr: Krankheiten lindern und Zellen beeinflussen etwa, sagt Paartherapeutin und "Liebe kann alles"-Autorin Eva-Maria Zurhorst.
  • Allerdings steckt die Heilkraft nicht nur in der Liebe zu anderen Menschen, sondern vor allem auch in der Liebe zu sich selbst, sagt die Expertin. Ein Interview.
Ben Kendal
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Frau Zurhorst, in ihrem Buch „Liebe kann alles“ schreiben Sie unter anderem über die Heilkraft der Liebe. Wie stark beeinflusst die Liebe denn die Gesundheit?

Als ich mich für mein Buch – wohlgemerkt als Nicht-Wissenschaftlerin – mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Einfluss von Liebe auseinandergesetzt habe, dachte ich mir nur: Es ist verrückt, dass wir in der Schule den Satz des Pythagoras lernen, aber nicht, wie wir selbst funktionieren. Auch wenn wir es nicht merken, wir fühlen, was wir denken. Gedanken senden elektrische Wellen voller Energie und Informationen in unsere Nervenzellen, sorgen dafür, dass Biochemie und Hormone im ganzen Körper ausgeschüttet und Moleküle gebildet werden. Diese verdichten sich – sehr vereinfacht ausgedrückt – in unserem Körper zu Gefühlen. Je nachdem, was wir denken, erzeugen all diese Impulse und Stoffe Grummeln oder Schmetterlinge im Bauch.

Aber wie kann es sein, dass der Körper so auf Gefühle und Gedanken reagiert?

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Um das zu verstehen, müssen wir erstmal unsere Einstellung zum eigenen Körper ändern. Denn: Wir haben keinen Körper, wir sind der Körper. Es spiegelt sich die ganze Zeit in uns wider, was wir denken und deshalb fühlen. Deshalb möchte ich mit dem Buch motivieren, dass wir uns viel bewusster entscheiden, wie wir über die Dinge denken wollen. Nicht auf die Liebe von anderen zu hoffen, sondern zu lieben, weil wir uns gut fühlen wollen. Jeder liebevolle Gedanke ist wie Medizin für uns und unseren Körper. Es geht darum, sich selbst und dem Leben mit Liebe zu begegnen, denn niemand hat ein perfektes Leben oder eine perfekte Vergangenheit. Aber was wir für uns daraus ableiten, das kann einen gewaltigen Unterschied machen.

Zur Person: Eva-Maria Zurhorst ist Autorin, Vortragsrednerin und Beziehungsberaterin. Zusammen mit ihrem Mann Wolfram Zurhorst bietet sie in mehreren Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Coachings und Seminare für Paare an. In ihren Büchern geht es um Beziehungen, Sex und Selbstliebe. © Quelle: Boris Breuer

Eva-Maria Zurhorst leitet zu ihrem neuen Buch "Liebe kann alles - Wie du mit deiner weiblichen Kraft zur Schöpferin deines Lebens wirst" auch ein Web-Seminar, in dem sie unter anderem die Heilkraft der Liebe thematisiert.

Also ist nicht nur die Liebe zu anderen, sondern auch die Selbstliebe gemeint.

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Genau. Die Liebe zu anderen kommt erst, wenn man sich selbst liebt. Die meisten von uns haben gelernt, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, sich bloß nicht zu groß zu machen, sich für andere aufzuopfern. Aber so schwächen wir uns und helfen auch den anderen nicht wirklich. Wenn wir nicht gut für uns sorgen, haben wir auf Dauer auch nicht wirklich etwas zu geben. Und wenn wir mit uns selbst nicht im Einklang sind, dann brauchen wir unterschwellig Liebe, Nähe und Bestätigung von anderen. So machen wir unser Glück von anderen abhängig. Viel wichtiger ist es aber, sich um sich selbst zu kümmern. Und das geht am besten, wenn wir vom Alltagstrubel loslassen und lernen, uns selbst in einen entspannten Zustand zu versetzen.

Aber wie gelingt es uns, solche Momente zu schaffen?

Die Meditation ist für mich der beste Weg, um runterzufahren und wieder zu sich selbst zu finden. Damit meine ich nicht unbedingt, entrückt im Schneidersitz eine spirituelle Praxis durchzuführen. Ich bringe den Menschen sehr einfache, alltagstaugliche Übungen bei, die jeder in sein Leben integrieren kann. So eine moderne Form der Meditation geht im Sessel, auf dem Bürostuhl oder im Auto auf dem Rastplatz. Mit etwas Übung lernt man, sich selbst in der Entspannung wieder mit mehr Liebe und Dankbarkeit zu begegnen und so für innere Ordnung zu sorgen und alte Wunden zu heilen. Dabei kann man beispielsweise auch lernen, Menschen zu vergeben, mit denen man sich gestritten hat. Denn es macht uns krank, wenn wir alte Konflikte mit uns herumtragen. Es ist längst unbestritten und umfänglich erforscht, dass Meditation Stress abbaut, unseren Schlaf vertieft und eine unterstützende Wirkung auf unsere Gesundheit hat.

Mal andersherum gefragt: Was kann ein Leben ohne Liebe mit uns anrichten?

Stressige Umstände können sich sehr negativ auf den Körper auswirken. Ich denke da an bekannte Ausdrücke wie „Das geht mir auf den Rücken“ oder „Das sitzt mir im Nacken“. Der Körper spiegelt wider, was in unserem Unterbewusstsein passiert. Das gilt erst recht für Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben oder schon in frühen Jahren schwere Schicksale hatten. Sie schleppen unterbewusst oft viele Ängste mit sich herum, die subtil, aber dauerhaft in ihnen wirken und mit der Zeit zu chronischen, körperlichen Symptomen oder Süchten führen können.

Wenn Lieblosigkeit so krank macht, ist dann Sex ohne Liebe überhaupt sinnvoll?

Ganz klar: Nein. Unser Körper ist kein Sportgerät, er ist nicht nur dazu da, irgendwelche Bedürfnisse zu befriedigen. Wir brauchen echte Nähe. Wenn man frisch verliebt ist, merkt man, wie die Körper sich quasi magnetisch aufeinander zu bewegen. Auch die Sexualität braucht diese Anziehung, sonst haben zwei verschlossene Menschen Sex und zehren sich dabei nur aus. Vor allem Frauen fühlen sich nach Sex ohne Liebe oft schlecht, weil ihr Herz dabei nicht aufgegangen ist. Langfristig ist Sex nur dann erfüllend, wenn das Herz mit im Spiel ist.

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In „Liebe kann alles“ sprechen Sie vor allem Frauen an. Sind Frauen besonders gefährdet, sich selbst zu verlieren?

Ja. Viele Frauen sind es so gewöhnt, sich um andere Menschen zu sorgen und mit ihnen mitzufühlen; vergessen aber, sich um sich selbst zu kümmern – gerade in ihren Partnerschaften und bei ihren Kindern. Aber das hilft niemandem. Im Buch zeige ich Frauen einen Weg, in sich selbst ganz neue Kraft und Klarheit zu finden, die eigenen Gaben zu entdecken und freizusetzen und sich und ihr Leben eher so zu verstehen, als ob sie ein Apfelbaum sind und ihr Körper, ihre Beziehungen und ihr Leben die Äpfel. Niemand kann an den Äpfeln allein etwas verändern – ihre Qualität hängt allein von der Qualität des Baumes ab. Darum ist es wichtiger als alles andere, dass Frauen sich um den Baum – also um sich selbst kümmern.

Eva-Maria Zuhorst: „Liebe kann alles. Wie du mit deiner weiblichen Kraft zur Schöpferin deines Lebens wirst“. 350 Seiten, 20 Euro, Arkana Verlag. © Quelle: Arkana Verlag