Plötzlich ist er nicht mehr da – Zwei Witwen erzählen vom Tod ihrer Partner

  • Wenn der Partner plötzlich stirbt, können die Hinterbliebenen den Boden unter den Füßen verlieren.
  • Zwei Witwen erzählen davon, wie sie den Verlust ihres jeweiligen Ehemanns erlebt haben.
  • Wie sind sie mit ihrer Trauer umgegangen?
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„Ich habe ein altes und ein neues Leben“

Dorothee Meyer (60), Lehrerin aus Münster, kinderlos

„Ich habe mit Carl mein halbes Leben verbracht und ihn geliebt. Wir planten schon unseren 20. Hochzeitstag. Doch dann erkrankte er plötzlich, mit nur 58 Jahren, an einer Streptokokkenvergiftung. Am 2. Juli 2015 starb mein Mann.

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Ich habe noch genau unseren letzten Abend zu Hause in Erinnerung. Es war ein Mittwoch, ich hatte Lasagne gekocht und wir genossen das Essen, lachten miteinander, es war so harmonisch. Nur 24 Stunden später lag Carl apathisch im Krankenhaus und wachte nicht mehr auf.

Am schlimmsten waren für mich die ersten zwei Monate nach seinem Tod. Mein Schmerz war so heftig, dass ich mich wie in einem Tunnel bewegte. Aber ich musste die Trauerfeier organisieren. Ich frage mich, wie ich das geschafft habe. Und wie ich es aushielt, dass einige die Nase rümpften, weil ich auf einen Pastor und schwarze Kleidung verzichtet hatte. Ich war wohl zu kraftlos, um zu erklären, dass Carl ein humorvoller Mann gewesen war, der Schwarz nie gemocht hatte.

Alles in mir sehnte sich nach Ruhe. Ich wollte nicht mehr reden, wollte auch nicht mehr stark sein, und ich fürchtete mich vor Weihnachten ohne Carl. Die Einladung von Freunden von Mallorca war meine Rettung. Dort konnte ich einfach sein, schlafen, weinen. Sie waren da, wenn ich Trost brauchte. Ich blieb für fünf Wochen, bis ich wieder klar denken konnte und beschloss: Ich möchte mich nicht in der Vergangenheit vergraben, sondern noch Freude am Leben haben. Und das konnte ich nicht in dem Haus, in dem mich alles an Carl erinnerte. Also verkaufte ich es, zog um und schüttete mich regelrecht mit Arbeit zu. Doch irgendwann zog ich die Bremse. Ich wollte doch leben. Und vielleicht mal wieder ausgehen? Etwas Neues erleben.

Meine Freundinnen nahmen mich mit zu Partys und gaben mir Flirttipps. Aber ich war total unsicher. Da fiel es mir wesentlich leichter, übers Internet mit einem Mann ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise fand ich 2017 dann Theo, der ebenfalls Witwer war und mich gut verstehen kann. Seitdem ist Theo mein neues Leben. Er macht mich glücklich. Und wir überlegen sogar, ob wir im kommenden Jahr heiraten sollen. Mal sehen. Ich freue mich auf jeden Fall auf meine Zukunft.“

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„Ich war gezwungen, selbstständig zu sein“

Bettina Weiß, 39, zwei Kinder, MTA aus Goslar

„Ich war 17, als wir uns kennenlernten. Sven schon 30. Aber ich verliebte mich trotzdem Hals über Kopf in ihn. Er war viel spannender und intelligenter als die Jungen in meinem Alter. Nach unserer Heirat wurde ich schnell schwanger und brach die Schule ab. Ich dachte mir damals nichts dabei. Sven hatte als Postbeamter ja genug Geld und sorgte für uns. Er war mein Traummann. Und ich freute mich, als ich unser zweites Kind erwartete. Malte mir schon aus, dass wir bald zu viert sein würden.

Unsere Zukunft zerbrach am 14. April 1998.

Wir hatten gestritten. Leider. Ich warf Sven vor, dass ich unseren Umzug fast allein organisieren musste, obwohl ich schwanger war. Er widersprach mir und verließ wütend die Wohnung. Kurz darauf hörte ich ein schreckliches Krachen. Ein Krachen, das ich lange nicht vergessen konnte.

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Sven war zornig und gedankenverloren auf die Straße gelaufen, und ein Autofahrer konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Sven hatte keine Chance.

Noch in der Nacht starb er im Krankenhaus an seinen Verletzungen und ich stand daneben – komplett unter Schock. Zum Glück konnte ich einige Tage lang mit meinem Jungen zu meiner Mutter ziehen. Sie war auch dabei, als meine Tochter sechs Wochen zu früh zur Welt kam – im August 1998. Die Kleine würde ihren Vater nie kennenlernen – wie unendlich traurig!

Aber ich hatte damals nicht die Zeit, um zu trauern oder zu verzweifeln. Ich musste für die Kinder da sein, stark und selbstständig sein. Und mich mit den Behörden auseinandersetzen. Denn als Witwe ohne Ausbildung und Job war ich zum Sozialfall geworden. Meine zwei besten Freundinnen waren damals für mich da. Sie bestärkten mich auch in meinem Entschluss, mein Abitur nachzumachen und eine Ausbildung zu beginnen. Das war vielleicht das einzig Gute an dem Tod von Sven. Ich wurde dazu gezwungen, endlich selbstständig zu sein. Mit meiner neuen Stelle als medizinisch-technische Assistentin konnte ich dann endlich auch allein meine Familie ernähren. Aber am Wochenende, an den Feiertagen oder frühmorgens vermisste ich meinen Mann so sehr. Und es vergeht kein Tag und keine Stunde, da ich nicht an ihn denke.

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Damals quälte mich aber auch, wenn ich an unseren Streit und an die letzten, hässlichen Worte zwischen uns dachte. Wie sehr ich das alles bereute – aber ich konnte es ihm ja leider nicht mehr sagen.

Es klingt vielleicht sehr merkwürdig, aber tatsächlich löste sich dieses Problem für mich im Schlaf. Denn ich träumte mehrmals so intensiv von Sven, dass ich es in einem Traum schaffte, mich mit meinem Mann zu versöhnen. Als ich danach aufwachte, fühlte ich mich wunderbar erleichtert und gelöst.

Aber nicht alle Probleme lösten sich so einfach. Denn mithilfe meiner Therapeutin habe ich herausgefunden, dass ich seit Svens Tod sehr unter Verlassenheitsangst leide. Was für mich die Beziehung zu einem neuen Mann sehr erschwert. Keine Ahnung, ob ich darüber wegkomme. Aber es tat wirklich gut, mit der Therapeutin noch einmal über den Unfall zu reden und über meinen maßlosen Schock. Und ich denke, es ich wichtig, am Ende der Therapie auch mit meiner Vergangenheit abzuschließen. Damit ich irgendwann wieder in der Lage bin, mein Leben zu genießen und neue Pläne zu schmieden. Ob nun mit oder ohne Mann. Egal. Hauptsache, den Kindern und mir geht es gut.“

Protokolliert von Gitta Schröder/RND

“Staat, Sex, Amen”
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