Paartherapeut: Offene Kommunikation beugt Betrug und Affären am besten vor

  • Erst fremdgehen und den Seiten­sprung danach verschweigen?
  • Das ist keine gute Idee, meint Christian Hemschemeier.
  • In dieser Folge der Kolumne „Auf der Couch“ erklärt der Paar­therapeut, wie offene Kommunikation Beziehungen wachsen lässt.
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Heute beschäftigen wir uns einmal nicht mit toxischen Beziehungen. Denn nicht jede Beziehung, in der es mal Konflikte und auch Krisen gibt, ist gleich toxisch. Gerade nach vielen gemeinsamen Jahren und vielleicht auch noch mit gemeinsamen Kindern kann man sich schon einmal aus den Augen verlieren. Die Beziehung ist nicht mehr so im Fokus, weil wir vielleicht durch Familie oder Beruf stark gefordert sind.

Heutzutage ist unser Anspruch an Beziehungen jedoch so hoch wie nie zuvor. Beziehungen waren früher nicht unbedingt ein Ort inniger Liebe und Leidenschaft. Sie hatten in erster Linie einen funktionalen Charakter.

Heute sollen Partnerin und Partner vielfältige Ansprüche erfüllen und uns glücklich machen. Bei einem Mangel an Aufmerk­samkeit, Liebe und Sex neigen wir schnell dazu, uns all dies im Außen zu suchen. Natürlich muss einmaliges Fremd­gehen nach vielen Jahren Beziehung kein Dealbreaker sein. Es kann durchaus nach ent­sprechender Aufarbeitung von beiden Seiten eine Chance für einen Neuanfang in der Beziehung bedeuten.

Sex und Liebe im Außen suchen

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Wer Aufmerksamkeit, Liebe und Sex im Außen sucht, sollte das mit offenem Visier machen. Wenn ich die Leiden­schaft im Außen leben will, dann sollte ich das vorher klar kommunizieren. Denn meist sind es die Lügen und Geheim­nisse, die eine Beziehung zerstören, und nicht in erster Linie das Fremd­gehen an sich.

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Besser wäre es aber, noch bevor es zum Fremd­gehen kommt, vielleicht sogar noch bevor man jemanden kennen­gelernt hat, den Mangel und etwa den Wunsch nach mehr Abwechslung und Aufmerksamkeit in einer Beziehung klar zu kommunizieren. Auch wenn dazu viel Mut gehört, könnte man die Sehn­sucht nach dem Gefühl der Verliebtheit oder das Verlangen nach einem anderen Körper auch in der bestehenden Beziehung ansprechen. Dies kann einen unangenehmen bis schmerz­haften Prozess in Gang setzen, kann aber auch sensibilisieren und eine Auseinander­setzung mit dem Istzustand der Beziehung fördern.

Kommunizieren und Krise managen

Der Austausch darüber, was in der Beziehung fehlt und was das Fremdgehen im anderen auslösen würde, kann dafür sorgen, dass wir uns dagegen entscheiden. Wir begeben uns auf die Suche, was hinter diesem Bedürfnis steht, und arbeiten an der Beziehung. Schon das Aussprechen allein, und dass Themen eingebracht werden, kann alles verändern und viele Probleme auflösen.

Wenn man eine solche Krise als Paar bewältigt, kann dies die Beziehung unglaublich stärken und zu noch mehr oder wieder mehr Vertrauen und Liebe führen. Das Fremd­gehen ist natürlich ein sehr schwieriges Thema. Ich möchte aber alle ermutigen, auch bei anderen und weniger dramatischen Themen schneller an- und auszu­sprechen, was einen beschäftigt. So sammelt man damit positive Erfahrungen und ist für größere Auseinander­setzungen gewappnet.

Der Autor und seine Kurse sind erreichbar über www.liebeschip.de. Sein aktuelles Buch „Vom Opfer zum Gestalter – Raus aus toxischen Beziehungen, rein ins Leben“ ist online und in allen Buch­handlungen erhältlich.

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