Paartherapeut: Das Zeitalter der toxischen Beziehungen geht zu Ende

  • Toxische Beziehungen sind zwar erst seit Kurzem ein Thema, doch es gibt sie schon seit Jahrtausenden.
  • Heute sind Partner besser in der Lage, sie zu erkennen.
  • Paartherapeut Christian Hemschemeier meint, dass man an einer toxischen Beziehung auch wachsen kann.
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Hamburg. Überall liest man von toxischen Beziehungen – natürlich auch hier. Das Thema brennt den Menschen unter den Nägeln. Ich veröffentliche seit 2015 auf meinem Youtube-Kanal Videos über das Thema. Zu der Zeit gab es den Begriff praktisch noch nicht in Deutschland. Das Phänomen dagegen gab es natürlich schon, und nicht erst seit ein paar Jahren.

Seien wir mal ehrlich: Toxische Beziehungen gibt es wohl seit Jahrtausenden. Und wenn wir uns die Geschichten unserer Eltern und Großeltern anhören, dann gab es früher noch viel mehr davon. Wenn man ganz ehrlich ist (und das war für mich auch eine harte Erkenntnis), dann muss man wohl sagen, dass toxische oder zumindest unglückliche Beziehungen zumindest im weiteren Sinne fast die Norm waren.

Toxische Beziehungen sind ein klares Signal

Toxische Beziehungen sind jedoch, richtig genutzt, ein Beschleuniger für persönliches Wachstum. Sie sind ein ganz klares Signal, dass es etwas aufzuräumen gibt. Selbst wenn man nicht der Manipulator war, war man doch auch Teil der Beziehung und hat eine eigene Verantwortung.

Ganz klar muss man sagen: Wenn die Pluspole, wie ich sie nenne, wirklich so authentisch gewesen wären, dann hätten sie bestimmt viel früher die Beziehung verlassen. Und die manipulativen Partner einer Beziehung haben ganz offensichtlich Schwierigkeiten, ehrlich zu bleiben. Keiner kann Verantwortung an den anderen abgeben und keiner kann sie übernehmen. Viele Pluspole würden ja gerne den anderen „retten“, der sieht aber meist keinerlei Veranlassung dafür, gerettet zu werden.

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Heute gibt es Werkzeuge, um toxische Beziehungen zu erkennen

Das Gute aber heutzutage ist, dass es die Werkzeuge gibt, diese Dynamiken zu erkennen, zu bearbeiten und ganz neue Beziehungen möglich werden zu lassen. Wir erkennen, dass wahre Liebe etwas ganz anderes ist als dieser verrückte Dramacocktail. Schmerz, Angst und Wut kommen in giftigen Beziehungen viel vor, sie sind Zeichen eines sehr aktiven Egos, das uns schützen möchte, aber eben doch auch davon abhält, in die echte Liebe zu kommen.

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Insofern bin ich sehr optimistisch, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Es ist wichtig, gerade nicht den Mut zu verlieren. Es scheint ja derzeit so, als ob alles schlimmer wird. Jeder ist gefrustet. Dauerlockdown, man kann kaum daten und auch bestehende Beziehungen sind teilweise sehr unter Druck. Wir können nicht mehr wegschauen und uns von unseren Problemen ablenken.

Wie man an toxischen Beziehungen auch wachsen kann

In toxischen Beziehungsdynamiken zeigt sich oft, dass es einen absoluten Liebescrash braucht, um einen Menschen wirklich in eine neue Richtung zu stoßen. Wir lernen am persönlichen Schmerz. Insofern können wir davon ausgehen, dass die derzeitigen Dynamiken uns wachsen lassen werden. Mit der Zeit der toxischen Beziehungen wird auch diese ständige Be- und Verurteilung aufhören.

Aber auch das Abgeben von Macht an andere wird weniger werden, weil wir viel mehr in der Selbstliebe sein werden. Wir werden sehen, dass wir alle aus dem gleichen Holz geschnitzt sind. Aber wir werden dafür wohl einen langen Atem brauchen.

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Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein neues Buch „Vom Opfer zum Gestalter – raus aus toxischen Beziehungen“ ist gerade erschienen.

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