Opferrolle vs. Selbstverantwortung: Wer anpackt, kann die Beziehung retten

  • Viele Paare sitzen im Alltagstrott fest und finden nicht so recht heraus.
  • Strukturen schleichen sich ein, mit denen keiner so recht zufrieden ist.
  • Doch Paare können aktiv an ihrer Beziehung arbeiten und so ihr Glück wiederfinden.
Christian Hemschemeier
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Gerade bei Paaren, die viele Jahre zusammen sind, lässt sich beobachten, wie ihr Leben von einer gewissen Starre durchzogen ist und sie ihr Dasein im Opferstatus fristen. Fristen deshalb, weil es weder Freude noch Spaß noch andere Emotionen zu geben scheint.

Strukturen müssen Paare aktiv mitgestalten

Warum das so ist? In einer langjährigen Beziehung schleicht sich irgendwann meist ein gewisses Selbstverständnis ein. Strukturen, die sich gebildet haben, sind fest verankert und bestimmen größtenteils das Leben. Haben wir von Beginn an aktiv an diesen Strukturen mitgewirkt und sind innerhalb der Beziehung für unsere Wünsche und Bedürfnisse eingestanden, sind diese Strukturen angenehm für uns. Da wir dies jedoch meist nicht getan haben, befördern uns eben diese Strukturen in eine gewissen Starre, mit der man sich mit den Jahren arrangiert. „Es ist eben so.“

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Genau diesen Satz höre ich immer wieder in meinen Paarberatungen. Jegliches Glänzen in den Augen fehlt. Die schwere dieses Satzes scheint als dicke, schwarze Wolke über dem Leben zu schweben. Doch so unglücklich viele Paare auch sind, bei einem sind sie sich einig. Änderungsvorschläge und Lösungsansätze werden mit zig Argumenten weggeschoben. Variante A geht nicht, weil das schon immer so war. Variante B geht nicht, weil die beiden gegenüber X eine Verpflichtung haben und alle anderen Varianten werden auch nicht funktionieren.

Opferrolle aus Bequemlichkeit?

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Oft ist es für Außenstehende nicht nachvollziehbar, warum solche Paare in ihrem beschwerlichen Trott bleiben und sich nicht um ein leichteres Miteinander bemühen. Dazu zwei Gedanken. Der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier, er verharrt lieber in unangenehmen, für ihn aber bekannten Situationen, als sich etwas Neuem, Unbekannten zu öffnen. Von außen betrachtet ist das oft kaum verständlich, schauen wir jedoch einmal bei uns selbst, gibt es sicherlich einige Situationen, in denen wir das bekannte Unangenehme dem neuen Vielversprechendem vorgezogen haben.

Der zweite Gedanke bezieht sich auf die Opferrolle, in die sich die Menschen aus Bequemlichkeit zurückziehen. Oft verbringen sie schon Jahre darin und wie wir aus eigener Erfahrung wissen, fühlt sich nichts so angenehm an wie unsere eigene Komfortzone. Denn es benötigt deutlich weniger Energie immer wieder zu sagen, dass man nichts ändern kann, dass der Partner das eben so möchte, dass man selbst ja gar nichts für die Situation kann etc. Raus zu gehen, sich etwas Neuem zu stellen, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen ist hingegen mit einem deutlich größeren Kraftakt verbunden. Zumindest am Anfang.

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Nur Mut!

Ja es stimmt, oft ist die Situation eben wie sie ist. Aber wir haben in der Hand, was wir daraus machen! Diese Macht haben wir alle, wir sind die Schöpfer unseres eigenen Lebens. Dass wir diese Freiheit, dieses Geschenk besitzen, vergessen wir oft. Wie schnell fallen uns tausend Gründe ein, warum dies und jenes nicht geht. Doch wenn wir es wirklich wollen, schaffen wir es.

Auch das kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Es gibt mindestens eine Sache, von der wir zunächst dachten, dass sie nicht zu realisieren sei. Und dann haben wir es doch gemacht und waren danach stolz wie Oskar. Und genau darum geht es. Oft hindern uns Ängste und Sorgen daran, etwas anzugehen und wirklich zu verändern. Oder es fehlt uns schlichtweg der Mut. Doch eben genau diesen brauchen wir am Anfang, um am Ende glücklich zu sein - ob alleine oder als Paar.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ ist 2019 im Handel erschienen.

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Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan
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