Wenn es auf Tinder und Co. einfach nicht klappt: Was beim Onlinedating oft schiefläuft

  • Die Corona-Pandemie sorgt für einen Boom beim Onlinedating.
  • Doch das gestiegene Angebot an potenziellen Partnern vereinfacht die Suche nicht zwingend.
  • Paartherapeut Christian Hemschemeier erklärt, woran das liegt – und welche Strategie zum Erfolg führt.
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Corona hat zu einem Boom bei Partnerbörsen geführt. Viele probieren mal eine neue App aus oder haben sich sogar zum ersten Mal angemeldet. Zwar muss man sich gerade vielleicht mit einer Thermoskanne draußen treffen, aber traditionelle Wege des „Offline“-Datings, zum Beispiel in Kneipen oder auf Partys, bleiben gerade außen vor.

Onlinedating hat das Kennenlernen revolutioniert. Selbst jüngere Generationen, die eigentlich noch viel direkten Zugang haben zum gewählten Geschlecht (Studium, Ausbildung etc.), nutzen viel und gerne diesen Weg. Man könnte sagen, die Globalisierung hat auch in diesem Lebensbereich Einzug gehalten. Man könnte theoretisch sogar jemanden in New York kennenlernen.

Das ist alles wunderbar, aber es hat auch seine Tücken. Onlinedating ist nämlich – in weiten Teilen – ein Frauenmarkt.

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Als noch jeder in seinem kleinen Dorf lebte früher und es vielleicht zehn heiratswillige Menschen in einem solchen Dorf gab, da wurden diese Menschen irgendwie mit dem Ehekonstrukt zusammengeführt. Man muss und konnte auch nicht vergleichen, was keineswegs schlecht sein muss. Zu viel Vergleich stresst uns oft und führt nicht immer zu besseren Entscheidungen. Die Ehe hat dazu geführt, dass auch viele ihren Partner bekamen.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan
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Männer sind beim Onlinedating weniger wählerisch

Ich denke, die meisten Menschen auf Onlinebörsen (zumindest in der ersten Lebenshälfte) kennen nun aber das Problem: Die Männer schreiben sich die Finger wund und liken einfach die meisten Profile, welche überhaupt einigermaßen infrage kommen. Die meisten Frauen sind gefrustet von einer gefüllten Inbox mit immer den gleichen kurzen Nachrichten wie „Hi!“. Die Fülle an Angeboten führt dazu, dass manche Frau sehr „picky“, also anspruchsvoll, werden und nur die vermeintlich tollsten Männer haben wollen. Toll heißt dabei physisch attraktiv – mehr hat man ja nicht wirklich zum Auswählen. Viele Frauen brauchen nur ein paar Likes zu vergeben und haben dann mehr als genug Matches.

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Tinder-Studie zeigt: Die Auswahl ist beim Onlinedating groß

In einer kleinen Studie auf Tinder kam heraus, dass Männer bis über 100 Likes vergeben müssen, um ein Match zu haben. Die durchschnittliche Frau hat demnach nur etwa jeden zehnten Mann gelikt und trotzdem viel mehr Matches. Insgesamt führt das dazu, dass rund 80 Prozent der Frauen um die (vermeintlich) 20 Prozent der attraktivsten Männern kämpfen, und umgekehrt 80 Prozent der Männer um 20 Prozent der Frauen.

Diese Fakten könnten auch die sinkende Bindungsbereitschaft erklären: Wenn 20 Prozent der Männer von 80 Prozent der Frauen gewollt werden, ist der Wunsch nach Bindung vielleicht nicht ganz so ausgeprägt. Und andersrum sieht es vielleicht aus Sicht der Frauen ähnlich aus bei den 80 Prozent Männern, die übrig bleiben.

Datingerfolg bei Männern in der zweiten Lebenshälfte besser

Faszinierenderweise zeigt sich das gleiche Bild in einem ganz anderen Bereich: Der moderne Mensch stammt genetisch zu 65 Prozent von Frauen ab und nur zu etwa 35 Prozent von Männern. Was sich erst mal etwas widersinnig anhört, bedeutet nur, dass offenbar in präkulturellen Zeiten sich nur ein Drittel der Männer erfolgreich fortgepflanzt hat.

Das hört sich jetzt für die Männer erst mal nicht so positiv an. Tatsächlich gibt es bereits vor allem in den USA Bewegungen von frustrierten Männern, die ihre eigenen Wege gehen.

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Die gute Nachricht ist aber auch, dass Männern heute viele Informationen zur Verfügung stehen und manchmal schon kleine Veränderungen im Verhalten und im Mindset den Datingerfolg deutlich verbessern können. Außerdem scheinen sich die Verhältnisse in der zweiten Lebenshälfte etwas einfacher für Männer darzustellen.

„Die Frau sucht aus, und der Mann macht die Dates“

Ich sage immer gern: Die Frau sucht aus, und der Mann macht die Dates. Dieses Spiel kann einem gefallen oder auch nicht. Aber ich halte es für schlauer, es einfach mitzuspielen und für sich den besten Weg darin zu finden. Dagegen anzurennen oder diese Dinge zu ignorieren, scheint mir ein Rezept für viel Frustration zu sein.

Es wird spannend sein, zu beobachten, wie es weitergeht mit unserem Liebesleben, wenn sich althergebrachte Beziehungskonstrukte, zum Beispiel die Ehe, immer mehr auflösen.

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Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ ist 2019 im Handel erschienen, sein neues Buch folgt in Kürze.

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