Ökosexualität: Warum nicht mal versaut mit Pflanzen sprechen?

  • Die Gruppe der Ökosexuellen begreift die Natur als erotisch und möchte eine Beziehung zu ihr aufbauen.
  • Ins Leben gerufen wurde die Bewegung von den Kalifornierinnen Annie Sprinkle und Elizabeth Stevens.
  • Schätzungsweise definieren sich 15.000 Menschen weltweit als ökosexuell.
Michèle Förster
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Hannover. Naturschutz kann etwas sehr Befriedigendes sein, dieser Überzeugung sind zumindest die Anhänger der Ökosex-Bewegung. Um ihre Zuneigung zu unserer Erde zum Ausdruck zu bringen, liebkosen sie Bäume, lassen sich von Wellen umspülen oder vereinigen sich mit Erdlöchern.

Ins Leben gerufen wurde die Bewegung von Annie Sprinkle und Elizabeth Stevens. Die miteinander verheirateten Kalifornierinnen definieren sich als Performancekünstlerinnen, Aktivistinnen und Filmemacherinnen. Bei ihren Aktionen entstehen auch kurze Dokumentationsfilme mit Titeln wie „Goodbye Gauley Mountain: An Ecosexual Love Story“. Ihr erklärtes Ziel ist es, die Erde mit Respekt und Zuneigung zu behandeln, um eine nachhaltige Beziehung zu ihr aufzubauen. Wie diese spezielle Form der Zuneigung die Umwelt retten soll, bleibt dabei offen.

Ein Manifest der Liebe

"Ökosexualität ist eine neue Form sexueller Identität, eine umweltaktivistische Strategie und ein weiterführendes Konzept darüber, was Sex in unserer Kultur ist und sein kann", so Sprinkle und Stephens. "Ökosexuelle stellen sich die Erde als Liebhaber oder romantischen Partner vor und erleben die Natur als sinnlich, erotisch oder sexy." Interessierte finden auf ihrer Website außerdem ein von den Gründerinnen verfasstes Manifest. Darin wird deutlich, wie sich Ökosexualität genau definiert. „Ich verspreche dich, Erde, zu lieben, zu ehren und zu schätzen, bis dass der Tod uns einander für immer näherbringt", heißt es im Gelübde, bevor die Anwärter mit ihrer Unterschrift die Ernsthaftigkeit ihrer sexuellen Überzeugung darlegen sollen.

Die selbstdefinierte Bewegung hat in den letzten zwei Jahren deutlich an Bekanntheit gewonnen. Die Autorinnen schätzen, dass sich, basierend auf der Zahl ihrer Mitstreiter, weltweit zwischen 12.000 und 15.000 Menschen als ökosexuell bezeichnen. Dass das Interesse an diesem Thema in den vergangenen Jahren gestiegen ist, bestätigt auch die Google-Suchstatistik.

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Wie sie der Zuneigung Ausdruck verleihen

Um ihrer Liebe zur Natur Ausdruck zu verleihen, haben die Künstlerinnen auch gut besuchte Hochzeitszeremonien abgehalten. Sie haben den Schnee in Ottawa, den Mond in Los Angeles und die Berge in West Virginia geheiratet. Aber das reicht Sprinkle und Stephens noch nicht. Sie haben 25 Wege gefunden, sich mit der Erde zu verbinden.

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"Rieche sie", "Schmecke sie", "Tanze nackt für sie" und "Sprich versaut mit Pflanzen" sind nur einige der Vorschläge. Dass sie die Erde tatsächlich mit allen Sinnen lieben, wird recht schnell klar. Trotzdem unterscheidet sich die Ökosex-Bewegung von anderen umweltpolitischen Protestformen. Bei den Demonstrationen von Fridays for Future geht es beispielsweise um ein höheres, kollektives Ziel: Die konkrete Forderung von Klimaschutzmaßnahmen und den Aufruf zu umweltschonendem Verhalten.

Bei der von Sprinkle und Stephens initiierten Bewegung geht es den Ökosexuellen hingegen um persönliches Vergnügen. Trotzdem bestehen die Aktivisten darauf, ein ernsthaftes Ziel zu verfolgen: "Auch wenn wir die Welt nicht retten können, können wir wenigstens die Gruppe potenzieller Umweltaktivisten stärken".