Offene Beziehung: Wenn der Partner sich nach Neuem sehnt

  • Nach vielen Ehejahren kann die Leidenschaft im Schlafzimmer schon einmal abebben.
  • Daniels Frau wollte mit einer offenen Beziehung frischen Wind in die Beziehung bringen.
  • Dabei würde sie ihren Mann noch immer lieben, sich aber körperlich nach anderen Männern sehnen.
Gitta Schröder
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Aus allen Wolken fallen – das sagt sich so leicht. Doch Daniel hatte dieses Gefühl vor Kurzem tatsächlich: Da nämlich eröffnete ihm seine Frau, dass sie gern eine offene Beziehung führen würde. Er solle sie nicht missverstehen: Sie wolle weiter mit ihm und den Kindern zusammenleben, aber er solle ihr doch die Freiheit erlauben, ab und zu auch mit anderen Männern Sex zu haben.

Schläft nach vielen Ehejahren die Lust ein?

Daniel – 45 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Familienvater – fühlte sich wie vor den Kopf gestoßen. Der Projektmanager glaubte, seine Frau plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. War das noch die Frau, mit der er schon lange verheiratet war? Die Frau, mit der er zwei Kinder hatte?

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Sicherlich, das Familienleben war, wie bei den meisten Paaren mit Kindern, ziemlich anstrengend. Wie sehr seine Frau aber das Bedürfnis hatte, aus der Routine ausbrechen zu wollen, hatte Daniel nicht einmal geahnt. Sie redete nicht lange um den heißen Brei herum, sondern sagte deutlich: Sie vermisse dieses Prickeln, von jemand Fremdem berührt zu werden und einen neuen Körper kennenzulernen. Mit ihnen sei es zwar ganz schön, aber irgendwie immer das Gleiche. Und es sei schließlich normal, dass der Sex nach vielen Ehejahren und nach zwei Kindern langweilig werde oder völlig einschlafe. Tatsächlich haben die beiden nur noch alle paar Monate Sex, weil sie – laut Daniel – oft viel zu müde sind oder auch die Lust fehlt.

Die Angst, verlassen zu werden ist groß

Nachdem seine Frau mit ihm geredet hatte, dachte er sofort, dass sie sich in einen anderen verliebt hatte. Sie schwor, dass das nicht stimme: „Nein, Daniel“, erklärte sie, „ich möchte nur mal wieder frische Luft in unserem Schlafzimmer. Ich glaube, dass es auch für uns gut wäre, wenn wir neue Sexpartner ausprobieren. Da könnten wir uns für unser lahmes Liebesleben etwas Neues abgucken.“ Und überhaupt: „Wer weiß, vielleicht bekämen wir dann auch wieder diese Schmetterlinge im Bauch wie früher.“

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Schmetterlinge? An so etwas kann Daniel gar nicht denken. Seit dem Gespräch fühlt er sich verunsichert, verletzt – und vor allem unter Druck: Der 45-Jährige hat Angst, dass seine Frau sich von ihm trennen könnte, wenn er ihren Wunsch ablehnt. Sie beteuerte zwar, dass sie bei ihm und den Kindern bleiben wolle, dass sie das Leben mit ihm schätze, die Stabilität mit ihm brauche. Daniel sei ihr Fels in der Brandung. Das jedoch war nur die eine Seite, denn sie sagte auch: Diese freundschaftlichen Gefühle befriedigten sie nicht sexuell. Sie wolle ab und zu jemanden treffen. Das habe mit Liebe nichts zu tun, nur mit Lust.

Eine offene Beziehung funktioniert nur zweiseitig

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Daniel kann und mag sich nicht vorstellen, dass er zu Hause bei den Kindern sitzt, während seine Frau sich gerade mit einem anderen Mann trifft. Zumal er selbst, wie er erklärt, ganz anders gepolt sei. Er habe selten Lust auf eine Frau, in die er nicht verliebt sei.

Ob er vielleicht zu spießig und zu engstirnig sei, fragt sich Daniel. Mit einem guten Freund hat er über die verzwickte Situation gesprochen, und der hat ihm vorgeschlagen, mit seiner Frau vielleicht in einen Swingerclub zu gehen, um mit ihr gemeinsam neue sexuelle Erfahrungen zu machen. Aber das möchte Daniel nicht. Bei dem bloßen Gedanken, sagt er, schüttele es ihn. „Ich bin ganz offensichtlich nicht der Typ für eine offene Beziehung. Und für eine einseitig offene schon gar nicht.“


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