Neue Beziehung, neues Glück? Deshalb bleibt doch alles beim Alten

  • Forscher haben in einer Langzeitstudie untersucht, wie sich Verhaltensmuster von einer Beziehung zur nächsten verändern.
  • Das Ergebnis: Unsere Partnerschaften unterscheiden sich kaum von vorangegangenen.
  • Es kommt vor allem auf einen selbst an und nicht auf die neue Liebe.
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Alberta. Der Anfang einer neuen Beziehung ist wundervoll: Herzklopfen, das Kribbeln im Bauch und all die Endorphine. Wie schön es doch wäre, wenn diese Phase der Verliebtheit ewig anhielte. Doch leider ist da diese blöde Sache namens Realität, die uns irgendwann einholt und uns die rosarote Brille von der Nase schlägt. Denn wenn der Alltag erst Einzug in unsere funkelnagelneue Beziehung hält, offenbaren sich mit der Zeit all die Fehler und unakzeptablen Verhaltensweisen. Dann verfallen wir wieder in alte Muster: Streit mit dem Partner ist an der Tagesordnung und eine generelle Unzufriedenheit stellt sich ein.

Aber sind wir wirklich dazu verdammt, die Fehler aus früheren Beziehungen zu wiederholen? Wenn es nach einer kürzlich veröffentlichten Studie geht, dann ja. Matthew Johnson von der University of Alberta und Franz Neyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena forschen seit mehr als zehn Jahren an der Stabilität von Beziehungsdynamiken. Ihr Ergebnis: Im Grunde ändert sich mit einer neuen Beziehung nichts.

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Neue Beziehung mit alten Mustern

Für ihre Langzeitstudie, die in der Fachzeitschrift "Journal of Family Psychology" veröffentlicht wurde, untersuchten Johnson und Neyer die Daten einer seit 2008 jährlich in Deutschland durchgeführten Umfrage. Dafür analysierte das Team die Antworten von 554 Teilnehmern, die jeweils zwei enge Beziehungen hatten. Diese mussten lange genug dauern, um in zwei Umfragen erfasst zu werden. Bewertet wurden dabei zum Beispiel die sexuelle Zufriedenheit, Stabilität der Beziehung, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs sowie Wertschätzung durch den Partner.

Das Fazit der Studie: Unsere Partnerschaften unterscheiden sich kaum von vorangegangenen. Die einzige Auffälligkeit: In der zweiten Beziehung hatten die Teilnehmer häufiger Sex und fühlten sich auch mehr wertgeschätzt. Eine neue Partnerschaft könne sich zwar anders oder besser anfühlen, erklären die Autoren, aber nur weil die negativen Gefühle vom Ende der letzten Beziehung eher im Gedächtnis bleiben.

Wenn sich die Umstände ändern, aber die neue Beziehung in alte Muster verfällt, muss es an der einzigen Konstante liegen: Einem selbst. "Obwohl sich einige Beziehungsdynamiken ändern können, sind Sie immer noch dieselbe Person, sodass Sie wahrscheinlich viele der Muster mit dem nächsten Partner wiederholen", sagt der Hauptautor der Studie, Matthew Johnson.

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Erst, wenn man die eigenen Schwächen kennt, klappt's auch mit der Liebe

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Wir Menschen versuchen stets, Dinge, die wir verloren haben, so gut wie möglich zu ersetzen. Dieses Muster zeichnet sich auch in unserem Beziehungsleben ab. Die Eigenschaft, unsere Erfahrungen in eine neue Beziehung einzubringen, sei laut dem Autor prinzipiell etwas Gutes. Doch sagt es nicht gleichzeitig aus, dass wir nicht fähig sind, aus unseren Fehlern zu lernen?

Erst, wenn man sich selbst und seine Schwächen kennt, klappt es auch mit der Liebe. Deshalb sei es laut Johnson wichtig, mit schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit abzuschließen und mit sich ins Reine zu kommen. Die Studie zeige nämlich auch, dass Menschen, die häufig negative Emotionen verspüren, in ihren zweiten Beziehungen schlechter abschnitten: Sie hatten weniger Sex, erhielten weniger Anerkennung vom Partner und es kam häufiger zu Konflikten.

"Das Ansprechen persönlicher Probleme wird sich sehr darauf auswirken, ob Sie in Ihrer Beziehung erfolgreich sind oder nicht", fasst der Wissenschaftler zusammen. Oder anders formuliert: Es ist wahrscheinlicher, in einer neuen Liebe Erfüllung zu finden, wenn man sich selbst akzeptiert.

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Michèle Förster/RND