Von wegen „pervers“! So rede ich mit dem Partner offen über sexuelle Vorlieben und Wünsche

  • „Let’s talk about Sex, baby!“ Was in Songs so einfach klingt, ist in der Realität oft schwer.
  • Dabei wird Sex besser, wenn man über seine Wünsche spricht.
  • Experten geben Tipps zum richtigen Setting – und raten besonders von einem Wort ab.
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Hamburg. Paare, die über ihren gemeinsamen Sex sprechen und eventuelle Wünsche und Vorlieben artikulieren, sind erfüllter. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Schließlich ist es wie fast überall im Leben: Wer über seine Wünsche spricht, hat größere Chancen darauf, dass sie erfüllt werden. Aber warum fällt den meisten Menschen das vor allem dann schwer, wenn es um Sex geht?

Die Hamburger Psychologin Nele Sehrt sieht hier vor allem das Risiko als Grund, das man mit einem solchen Gespräch eingeht: „Es kann eine ganz schöne Herausforderung sein, mit jemandem über Sex zu sprechen, mit dem ich mich verbunden fühle. Immerhin riskieren wir ja auch viel - beispielsweise Zurückweisung, Ablehnung oder Disharmonie.“

Kommunikation erschafft Sexualität

Auch Carsten Müller, Sexual- und Paartherapeut aus Duisburg, erlebt es oft, wenn Menschen in seine Praxis kommen. Sie gleicht für sie einem Tabu-Thema. „Sexualität ist immer noch etwas, das Scham auslöst. Dabei ist sie, für viele Menschen, ein Grundelement für eine dauerhafte Zufriedenheit in der Partnerschaft.“ Und deswegen muss über sie gesprochen werden, sagt Sexualmediziner Georg Pfau aus Linz: „Tatsächlich beruhen viele sexuelle Störungen auf einem Kommunikationsdefizit“, sagt er und geht sogar noch weiter: „Erst, wenn man darüber reden kann, ist Sexualität möglich.“

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In das Gemeinsame intensivieren – ohne Druck

Für Nele Sehrt geht es bei dem Austausch über Sexualität erstmal gar nicht plakativ um Porno-Fantasien wie einen Dreier oder bestimmte Blowjob-Techniken, sondern darum, was miteinander Freude bereitet und dazu führt, dass das Gemeinsame intensiviert wird. „Das fängt schon bei der Art der Berührung an, bei dem Zauber des ersten Blicks und beim Thema Verführung.“

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Aber wie stellt man das als Paar am besten an, ohne dass das Gespräch komisch, erniedrigend oder gar peinlich wird? Hier setzt Carsten Müller zum Beispiel darauf, Druck rauszunehmen: „Sex muss gar nicht immer etwas Besonderes sein.“ Aber er sei eben besser, wenn man darüber spricht - und das am besten so, wie über andere Dinge auch.

Bei der Wahl des Essens etwa: „Wenn ich zum Beispiel weiß, dass mein Partner Spaghetti Bolognese super findet, dann werde ich das vielleicht auch mal zwischendurch kochen. Auch, wenn ich selbst gar keine Lust darauf habe. Ich koche es aber dennoch, weil ich meinem Partner etwas Gutes tun möchte.“ Und so sei das bei Sexualität im besten Falle auch.

Im Bett besser nicht über Sex sprechen

Und wo spricht man als Paar am besten über Sex? Am Ort des Geschehens, also im Bett? Auf keinen Fall, da sind sich die Experten einig. „Ein solches Gespräch sollte am besten außerhalb der sexuellen Aktion stattfinden“, sagt zum Beispiel Nele Sehrt.

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Laut Georg Pfau sei aber auch der Frühstückstisch schlecht: „Da sind die meisten Leute nicht bereit, über Sex zu reden.“ Und unmittelbar vor dem Sex sei eben auch nicht gut. Das sieht auch Carsten Müller so: „Es ist wichtig, dass ein solches Gespräch an einem neutralen Ort und in einer neutralen Situation stattfindet.“

Dafür könne das Paar vielleicht sogar einen Termin ausmachen. Dann finde ein bewusstes Erleben von Partnerschaft statt. Und das schaffe Nähe. „Dabei geht es aber nicht darum, jede Fantasie rauszuhauen, die man hat. Es darf auch Dinge geben, die ich dem anderen nicht erzähle.“

Drei Fragen gegenseitig beantworten

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Georg Pfau rät, vorher dafür zu sorgen, ungestört zu sein und ein erforderliches Ambiente zu schaffen. Und dann geht es darum, die richtigen Worte zu finden: Eine Idee sei laut Carsten Müller, dem Partner vorzuschlagen, drei Fragen zu entwickeln, die wechselseitig beantwortet werden können. „Zum Beispiel: Wie benennen wir unsere Geschlechtsteile? Welche Orte mögen wir? Oder lassen wir lieber das Licht an oder machen Musik an?“ Ein solches Gespräch sollte nicht nur einmal stattfinden.

„Pervers“ aus dem Wortschatz streichen

„Sexualität ist etwas, womit man nie fertig ist“, sagt Carsten Müller. Und es ist etwas, was immer wertschätzend kommuniziert werden sollte, sagt Sehrt: „Das ist wesentlich, damit man einander auch zuhören kann.“ Georg Pfau warnt vor Killerphrasen bei Gesprächen über Sex: „Das ist ja pervers“ zu sagen, wenn der andere einem über seine Wünsche erzählt, sei mehr als kontraproduktiv. Eine bessere Aussage wäre hier: „Steh ich nicht so drauf.“

RND/dpa

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