Alles Liebe: Für die zweite Chance auf die große Liebe ist man nie zu alt

  • Nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes will Bela nicht aufgeben.
  • Die Rentnerin beschließt, sich ehrenamtlich zu engagieren.
  • Dass Amors Pfeil sie noch einmal treffen sollte, hätte sie nie gedacht – doch dann begegnet sie Harry.
David Sander
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Hannover. Mit über 70 Jahren blickt Bela auf reichlich Lebenserfahrung zurück. Sie weiß, was es heißt, wenn vom Auf und Ab des Lebens die Rede ist. Eine Reihe an Berufen wie Zahnmedizinische Assistentin, Kosmetikerin sowie Podologin verhalf ihr zu viel Menschenkenntnis und Selbstständigkeit. Lange führte sie eine Ehe mit einem Musikprofessor, bis dieser starb. Vor einigen Jahren musste die Rentnerin einen weiteren Schicksalsschlag hinnehmen: Sie verlor ihren einzigen Sohn. Er starb an einer schweren Lungenentzündung. Trotz allem ließ sich Bela ihre Lebensfreude nicht nehmen. Ihr war es wichtig, nicht aufzugeben, sondern nach vorne zu schauen. Dass Amors Pfeil sie noch einmal treffen sollte, hätte sie nie gedacht und überhaupt, einen neuen Partner wollte sie eigentlich auch nicht mehr.

Um sich ehrenamtlich zu engagieren, entschied sich Bela, dem Freundeskreis Hannover beizutreten. „Ich wollte etwas für Menschen tun“, sagt Bela. Der offenherzigen Dame gelang es in kürzester Zeit, im Verein viele neue Freunde zu finden. Jeden Monat gab es ein gemeinsames Frühstück. Dabei fiel Bela des Öfteren ein charmanter Herr am Büfett auf. Etwa zehn Jahre jünger. „Ich fand den unheimlich witzig“, erinnert sie sich. Jedoch erwähnte jener Herr ab und an beiläufig seine Frau und eigentlich wollte Bela ja auch keinen neuen Partner. Aber interessant fand sie den gut aussehenden Unbekannten schon. „Keiner wusste, wer das ist oder wo die angebliche Frau ist.“

Mysteriöse Wiedersehen: „Der verfolgt mich doch“

Die Wege der beiden begannen sich auf beinahe mysteriöse Weise immer öfter zu kreuzen. Als Bela mit einer Freundin über einen Flohmarkt schlenderte, tauchte Harry wieder auf. So hieß er, wusste Bela mittlerweile. Harry erzählte, dass er in einem Shanty-Chor singt. „Das fand ich interessant, weil mein Mann ja Musikprofessor war“, sagt Bela. So wurden Visitenkarten ausgetauscht und Bela verriet, dass sie am Abend noch das Konzert ihrer Lieblingssängerin Alix Dudel besuchen wollte. Später erspähte sie dort ein bekanntes Gesicht in den Reihen: Harry. „Der verfolgt mich doch, sagte ich zu meiner Freundin“, erinnert sich Bela. Kurz darauf organisierte der Freundeskreis Hannover eine Fahrt nach Walsrode. „Harry hatte aber keine Zeit, sagte er mir.“

Verliebtsein wie mit 18 Jahren

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Doch als Bela an jenem Tag am Bahnhof ankam, stand er da in voller Pracht: Harry. „Ich bin nur deinetwegen gekommen, meinte er“, sagt die lebensfrohe Rentnerin. Harry nahm ihre Hand, drückte sie und Bela spürte eine Wärme in sich aufsteigen, spürte, wie Amors Pfeil sie schonungslos traf. „Den Moment vergesse ich nie.“ Auf der Fahrt saß Bela die ganze Zeit neben Harry. Hand in Hand. „Es durchzuckte uns. Wir waren einfach verliebt, so als wären wir wieder 18“, erzählt Bela. Es stellte sich heraus, dass er gar keine Frau hat – er war bereits seit einigen Jahren geschieden. Damit er nicht immer von den Frauen angesprochen wird, spielte Harry aber weiterhin den Verheirateten. „Er ist halt ein attraktiver Mann“, lacht Bela, „da brauchte er ein Alibi.“

Noch am selben Abend küssten sich die Frischverliebten inniglich. Bela fragte, ob er nicht bei ihr bleiben wolle. Ja, wolle er sehr gern, antwortete Harry. Der große Altersunterschied war ihm egal, den sehe man eh nicht. Das ist nun vier Jahre her. „Noch immer gehen wir jeden Abend Arm in Arm ins Bett“, sagt Bela. „In meiner Ehe habe ich dieses Verliebtsein nie gehabt.“


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