„Lass’ uns Freunde bleiben“: Zwei Ex-Paare erzählen, wie das gelingen kann

  • Wenn eine Ehe scheitert, fliegen häufig die Fetzen – gerade wenn Kinder im Spiel sind.
  • Doch es geht auch anders – mit viel Arbeit.
  • Zwei Ex-Paare berichten, wie sie es geschafft haben, sich friedlich zu trennen.
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Katrin und Mark

Katrin sagt: „Als ich ihn nicht mehr ändern wollte, wurde es leichter“

„Es dauerte ungefähr ein Jahr, bis ich Mark nach der Trennung endlich zugestand, unsere Söhne so zu behandeln, wie er es für richtig hielt. Bis dahin hatte ich ständig das Gefühl, er würde zu viele Risiken während ihrer sportlichen Aktivitäten eingehen. Außerdem nervte mich sein strammes Freizeitprogramm mit den Jungs. Klar führte das zu Reibungen zwischen uns. Irgendwann sagte ich mir: Er ist der Vater. Und auch er will – so wie ich – nur das Beste für John und Peer. Damit fiel nicht nur eine große Last von meinen Schultern, sondern auch jede Menge Konfliktpotenzial weg.

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Während meiner ersten Trennung war ich zu solchen Einsichten noch nicht in der Lage gewesen. Die Scheidung war damals entsprechend traumatisch und letztlich gab es nur Verlierer. Mark und ich haben immer schnell und offen über Probleme gesprochen, bevor etwas lange schwelte und plötzlich unkontrolliert herausbrach. Und wir sind, selbst bei heftigen Streitereien, nie unter die Gürtellinie gegangen und haben einander respektiert – da gab es so etwas wie eine unsichtbare Linie, die nicht überschritten werden durfte.

Vielleicht haben wir das beide während unserer WG-Zeiten gelernt: andere zu akzeptieren, auch wenn sie ganz anders sind als man selbst. Und mir hat in schwierigen Zeiten geholfen, an glückliche Momente zu denken, etwa an unsere Hochzeitsreise per Fahrrad zu einem Stausee, weil wir nach der Feier kein Geld mehr hatten. Dann fiel es mir wieder leichter zu erkennen: Es gab einen Grund, warum ich diesen Mann geliebt habe, und er ist kein schlechter Mensch geworden, nur weil wir nicht zusammenpassen.“

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Mark sagt: „Manchmal half nur wochenlange Funkstille“

„Zwischen Katrin und mir ist keine Rechnung mehr offen. Wir haben uns schon während unserer Ehe gegenseitig stark gefordert und uns auch nach der Trennung emotional nichts geschenkt. Jede Unstimmigkeit haben wir besprochen, egal wie weh es tat. Denn ich glaube, dass es wichtig ist, offene Rechnungen fair zu begleichen, sonst bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück und Verletzungen, die nicht heilen wollen. Das hatten wir beide in unseren vorherigen Ehen erlebt.

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Während dieser Trennung konnte ich auch Katrins Meinung besser akzeptieren und meine eigenen Bedürfnisse stärker unterordnen. Wir versuchten gemeinsam das zu unterstreichen, was uns verband, nicht was uns trennte. Schließlich waren unsere Söhne erst fünf und sieben Jahre alt und brauchten uns beide friedvoll an ihrer Seite. Wenn das gar nicht möglich war, herrschte auch mal längere Zeit Funkstille. Doch es gab nie einen Zweifel daran, dass wir wieder ins Gespräch kommen würden, sobald sich die Wogen geglättet hätten. Das war zum Beispiel der Fall, wenn wir neue Partner hatten, die eifersüchtig waren oder mit unserer Situation nicht umgehen konnten.

Sowohl für sie als auch für mich war dann klar, dass die Kinder im Vordergrund stehen – daran sind auch Beziehungen zerbrochen. Ein wichtiger Schritt während der Trennung war für mich, wieder das Gefühl zu haben, souverän zu sein, Regisseur meines eigenen Lebensweges zu bleiben und nicht in der Opferrolle zu stecken. Irgendwann wusste ich, dass die Welt nicht untergeht, auch wenn ich bis dahin Rotz und Wasser geheult habe. Obwohl unsere Söhne heute erwachsen sind und es eigentlich keinen Grund mehr für einen intensiven Kontakt gäbe, sehe ich meine Ex-Frau nach wie vor oft und gerne. Wir haben uns Freundschaft erhalten können, auch wenn ich glücklich in meiner neuen Partnerschaft bin.“

Lea und Maik

Lea sagt: „Wir wollten unseren Kindern einen Rosenkrieg ersparen“

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„Als Maik und ich zum Scheidungsanwalt gingen, spürte ich meinem zukünftigen Ex-Mann gegenüber vor allem ein Gefühl: Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir es bis hierher geschafft hatten – ohne Hass und Rachegelüste. Emotionslos war unsere Trennung trotzdem nicht abgelaufen. Rückblickend denke ich, dass wir das, was andere nach der Scheidung erleben, leider während unserer Ehe mitgemacht haben: Abschied voneinander nehmen und getrennte Wege gehen. Wir hatten einfach völlig unterschiedliche Vorstellungen von Partnerschaft und Erziehung, insgesamt vom Leben. Die ständigen Differenzen machten mich mürbe und meine Gefühle zu Maik kaputt.

Irgendwann tat es nicht mehr weh, wenn wir stritten. Es blieb nur noch Resignation übrig. Einig waren wir uns dagegen, dass wir uns der Kinder wegen friedlich arrangieren. Wir konnten ihnen unsere Trennung nicht ersparen. Aber wir wollten nicht, dass sie das mitmachen müssen, was ich selbst erlebt habe: einen Vater und eine Mutter, die kein gutes Wort mehr füreinander übrig hatten und sich nicht mehr begegnen konnten. Das wollten wir für unsere Tochter und unseren Sohn nicht.

Deswegen haben wir beide alles dafür getan, fair miteinander umzugehen, bei der Auflösung unseres Haushaltes nicht geguckt, ob der eine mehr mitnimmt als der andere. Wir sind beide ein Maximum an Kompromissen eingegangen. Das hat das Gefühl verstärkt, uns aufeinander verlassen können. Deswegen haben wir auch nur einen Anwalt beauftragt. Das geht, wenn beide Parteien eine gütliche Trennung wünschen.“

Maik sagt: „Nach der Trennung bin ich neue Wege gegangen“

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„Als Lea mir sagte, dass es vorbei ist, war ich unglaublich traurig. Denn ich hatte bis zuletzt gehofft, dass sich unsere Situation wieder verbessern würde. In einem Punkt waren wir uns zum Glück sofort einig: Wir wollten ohne Streit auseinandergehen. Mir haben dabei Seminare und Bücher sehr geholfen, etwa ‚Ein Kurs in Wundern‘, in dem beispielsweise erklärt wird, dass es keinen Schuldigen gibt, auch nicht bei Scheidungen.

Vorwürfe bringen deswegen nichts, durch sie dreht man sich nur im Kreis, ohne weiterzukommen. Und ich habe viele kritische Situationen aufgearbeitet und mich gefragt, was auch ich damals dazu beigetragen habe. Früher haben wir gestritten und dann geschwiegen, keiner wollte nachgeben, was kräftezehrend war. Mit der Trennung löste sich der Druck. Durch das Aus meiner Ehe lernte ich mich noch mal ganz neu kennen und bin selbstbewusster geworden. Heute lebe ich viel stärker meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche aus.“

Protokolliert von Stephanie Arndt/RND

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