Harmoniesüchtig und voller Selbstzweifel: Die elf Zeichen der Co-Abhängigkeit

  • Wenn Co-Abhängige und narzisstischen Menschen eine Beziehungen eingehen, ist Streit meist vorprogrammiert.
  • Denn sie sind nahezu süchtig nach Harmonie und lassen lange Zeit alles mit sich machen - bis die Bombe platzt.
  • Paartherapeut Christian Hemschemeier erklärt, an welchen Mustern sich eine Co-Abhängigkeit erkennen lässt.
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Hannover. Beziehungen sind geprägt von Dynamiken. Es gibt Paare mit einer gleichschwingenden Dynamik, die sich eher selten streiten, da sie in den meisten Belangen übereinstimmen. Die Paare hingegen, die eine weniger harmonische dafür umso impulsivere Dynamik in ihrer Beziehung leben, streiten sich öfter. Handelt es sich dann noch um die Dynamik zwischen Narzissten und Co-Abhängigen, werde oft ich als Paartherapeut zu Rate gezogen. Generell bin ich kein Fan von Kategorisierungen und noch weniger vom „schlecht machen“ einer der beiden Ausprägungen. Denn zum einen nützt es niemandem und zum anderen kann und darf jeder immer nur bei sich selbst etwas verändern.

Heute möchte ich die Tendenzen von Co-Abhängigen grob skizzieren. Es gibt elf markante Merkmale, die oft stark ausgeprägt sind. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass keiner dieser Punkte gut oder schlecht ist. Und dennoch -ganz losgelöst von jeglicher Bewertung - können sie das (Beziehungs-) Leben oft erschweren. Deshalb ist es wichtig, ein solches Muster zu erkennen. Denn nur dann kann es durchbrochen und neue, gesündere Verhaltensweisen erlernt werden.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan
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Co-Abhängige und ihr starkes Bedürfnis nach Harmonie

  1. Co-Abhängige versuchen immer, es allen recht zu machen. Sie haben ein enorm großes Harmoniebedürfnis, können zwischenmenschliche Konflikte kaum ertragen.
  2. Sie zweifeln ständig an sich selbst und stellen sich immer wieder infrage. Der Anspruch, den sie an sich haben, ist meist viel zu hoch. Zudem verlangen sie von sich selbst immer viel mehr als von anderen.
  3. In Beziehungen geraten sie meist an egoistische Menschen, die nur sich selbst im Blick haben. Ihren Partner sehen sie oft nicht.
  4. Wenn Co-Abhängige dann doch einmal eine Grenze setzen, kommen sie sich zu egoistisch vor und fühlen sich richtig schlecht damit.
  5. Sie fragen immer wieder Andere, was sie tun oder welche Entscheidung sie treffen sollen. Sie benötigen sehr viel Bestätigung von außen.
  6. Co-Abhängige ziehen zwar sehr lange keine Grenze, haben jedoch welche. Wenn diese dann irgendwann überschritten wird, rasten sie völlig aus. Das kann dann auch wegen einer Kleinigkeit sein. Oft haben sie keinen Zugang zu ihrer Wut. Gelangen sie jedoch durch diesen Grenzübertritt an diese verdeckte Emotion, sind sie kaum zu bremsen.
  7. Sie geben viel lieber als zu nehmen, das fühlt sich für sie besser an, da sie ungern in jemandes „Schuld“ stehen.
  8. Was zunächst durchaus positiv klingt, kann für Beziehungen schwierig werden. Co-Abhängige sehen in allen Menschen immer das Gute und haben für alle Verständnis. Oft auch dann, wenn deren Verhalten nicht mehr zu rechtfertigen ist. Sie sind häufig überempathisch, was gleichzeitig bedeutet, dass es ihnen schwerfällt, sich abzugrenzen.
  9. Sie können sehr schnell verzeihen, vordergründig zumindest. Denn Co-Abhängige führen häufig ein gedankliches Konto nach dem Motto „wer hat wieviel gegeben“. Ist dies unausgeglichen, kommt es oft zu dem bereits erwähnten Wutausbruch.
  10. Sie sind ungern alleine, fühlen sich meist nur in Gesellschaft wohl.
  11. Co-Abhängige versuchen fast schon chronisch, andere Menschen zu verändern. Dies liegt ganz oft in der Kindheit begründet, was es aber nicht besser macht. Jemand anderen verändern zu wollen, ist reine Energieverschwendung.

Wenn sich das eigene Muster im Inneren ändert, hat das auch Auswirkungen im Außen. Entweder, die bestehende Beziehung verliert ihren „Reiz“ und endet. Oder aber das Gegenüber verändert etwas im Verhalten, sodass sich eine neue und hoffentlich gesündere Dynamik entwickeln kann.

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Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ ist 2019 im Handel erschienen.

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