Hand in Hand seit 50 Jahren – ein Paar über sein Geheimnis einer langen, glücklichen Ehe

  • In der Tanzschule hat es gefunkt – das ist 50 Jahre her, und Elke und Wolfgang sind seitdem ein Paar.
  • Das Leben der beiden war nicht immer von Glück gesegnet: familiäre Probleme und ein langer Weg bis zum Wunschkind.
  • Wie die Eheleute es trotzdem schafften, sich nicht aufzugeben.
Andrea Mayer-Halm
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Bald sind es 50 Jahre, dass Elke und Wolfgang ein Paar sind. Ein halbes Jahrhundert nebeneinander, Hand in Hand durch ein Leben, das durchaus seine Schattenseiten hatte. Sie sind zu einer Einheit geworden, zur wichtigsten Stütze für den anderen. Elke und Wolfgang haben nicht viel an materiellen Gütern. Sie brauchen auch nicht viel. Was sie brauchen, ist die Liebe des anderen. Und hier ist ihre Geschichte:

Kennengelernt haben sich die beiden 1969 bei der angesagtesten Tanzschule der Stadt. Im Saal gab es zwei Stuhlreihen, die sich gegenüber standen. Auf der einen Seite saßen die Jungs und vis-a-vis die Mädchen. Wolfgang hat Elke aufgefordert und damit war das Ganze besiegelt. Jeden Samstag lernten sie Rumba, Walzer oder Cha Cha Cha und am Sonntag ging es zum Tanztee.

Es war eine wundervolle Zeit, in der die Werktage einzig dafür existierten, dem Wochenende entgegenzufiebern. Denn Elke hatte strenge Eltern und durfte nur selten aus dem Haus. Wen wundert es da, dass die beiden Verliebten nach dem Grundkurs noch weitere Kurse anhängten. Dann, beim Abschlussball, kam es zum großen Kennenlernen beider Familien. Von da ab war die Beziehung zwischen Elke und Wolfgang offiziell. Treffen durften sie sich dennoch nur am Wochenende.

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Erstes Weihnachtsgeschenk rührt Wolfgang noch immer

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Das erste Weihnachtsgeschenk, das Elke ihrem Wolfgang gemacht hat, ist bis heute für ihn die schönste Liebesgeste. Es war ein Sportbuch mit einem eingeklebten Foto von Elke. Und Wolfgang hält es hoch in Ehren. Beim Gedanken an dieses Buch wird seine Liebe und Rührung sofort spürbar. Die beiden haben nach zwei Jahren Beziehung an Wolfgangs 19. Geburtstag beschlossen, sich zu verloben. Viel Tamtam haben sie darum nicht gemacht: zwei nüchterne Menschen mit der Gewissheit, dass der jeweils andere perfekt ist. „Ich mochte Elkes ruhige Art von Anfang an. Sie war verständnisvoll und liebenswert“, erzählt Wolfgang. Und Elke ist froh, dass sie in Wolfgang so einen herzlichen Mann gefunden hat. Ganz anders als ihr Elternhaus, das ihr nie viel Sicherheit, Liebe und Mitgefühl geschenkt hatte.

Elke erhielt endlich Liebe und ein Zuhause

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Elkes Vater sollte die Ehe seiner Tochter nicht mehr miterleben. Er starb überraschend an Herzversagen. Elkes Mutter brach total zusammen. Für sie war ihr Mann wie ein Gott gewesen. Fortan sprach sie nur noch von Selbstmord, erholte sich bis zu ihrem Lebensende nicht von dem Schicksalsschlag – und lastete damit Elke eine schier untragbare Bürde auf. An dieser Stelle muss betont werden, dass Elke schon im Vorfeld von ihren Eltern nur ein Minimum an Liebe bekommen hatte. Die Zuneigung von Wolfgang war ein ganz neuer Wert in ihrem Leben, ein Gefühl von Geborgenheit, das sie nicht kannte. Auch wenn die Hochzeit selbst schlicht ausfiel – es gab Kartoffelsalat und Brathähnchen – und die übrigen Familienmitglieder wenig Anteil an der Verbindung des Brautpaares nahmen: Es war der Beginn einer neuen Zeitrechnung für Wolfgang und Elke. Ihre Zweisamkeit wurde zum höchsten Gut, die gemeinsame Wohnung zum liebevollen Schutzraum gegen den Rest der Welt.

Das erste Kind war wie „das Paradies“

Der erste gemeinsame Urlaub sollte in St. Wolfgang am Wolfgangsee sein. Für die Frischvermählten purer Luxus! Tagsüber gingen sie Wandern und genossen abends das Leben auf Volksfesten. Es war eine unbeschwerte Zeit. Und dadurch so kostbar. Nach einigen Jahren der Zweisamkeit wünschten sich Elke und Wolfgang ein Baby. Was folgte, waren viele Arztbesuche, Hormonbehandlungen, eine Scheinschwangerschaft, eine Fehlgeburt – und dann endlich das ersehnte Kind. Ein gesunder Junge mit blauen Augen und blondem Haar.

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Als Wolfgang ihn zum ersten Mal sah, war es das größte Glücksgefühl seines Lebens. Und Elke wird nie den Moment vergessen, als sie begriffen hat, dass aus ihrer Liebe zu Wolfgang eine eigene kleine Familie gewachsen ist: „Für mich war es das Paradies!“ Der kleine Junge war inmitten des belasteten Familienkarmas ein richtiger Glücksquell. Selbst die sonst so freudlose Verwandtschaft bekam neuen Aufwind und zeigte Interesse.

In schweren Zeiten füreinander da sein

Der kleine Bastian wurde zum Mittelpunkt in Elkes und Wolfgangs Leben. Und für einige Jahre erlebte die Familie mitsamt den Großeltern einen fast schon harmonischen Lebenszustand. Dann verlor Elkes Mutter wieder jeden Lebensmut, distanzierte sich von den dreien, drohte Elke immer und immer wieder mit Selbstmord und lebte die kommenden 25 Jahre ein Leben in selbstauferlegter Isolation. Schwer vorstellbar, was Elke ohne Wolfgang gemacht hätte. Aber er war da, stärkte ihr den Rücken, liebte sie unerschütterlich. Liebt sie bis heute.

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Und Elkes Lebensinhalt ist es, Wolfgang glücklich zu machen. Bastian ist längst aus dem Haus und hat eine eigene Familie. Was bleibt, ist die beständige Liebe und Solidarität eines Paares, das Hand in Hand durchs Leben geht. „Mindestens noch 20 gemeinsame Jahre!“ - und das werden sie bestimmt erreichen.

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