Studie identifiziert acht Gründe, warum Menschen fremdgehen – um Sex geht es eher selten

  • Gibt es etwas Zerstörerisches (für Beziehung und Seelenheil), als betrogen zu werden?
  • Ein wichtiger Punkt, um abschließen zu können, ist das Verständnis für etwas.
  • Eine US-Studie, die acht Motive des Fremdgehens entschlüsselt haben will, kann dabei helfen.
Alice Mecke
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Hannover. Fremdgehen ist der ultimative Vertrauensbruch und eine Beziehung mit dem „Betrüger oder der Betrügerin“ ist danach nur schwer vorstellbar, wenn auch nicht immer. Doch nach dem Geständnis des Partners fallen viele Betroffene erst mal in ein Loch und das Gedankenkarussell überschlägt sich nahezu. Warum hat er/sie das getan? Ziemlich oft wird der Sex als Hauptgrund ausgemacht, doch eine Studie aus dem Jahr 2020 widerlegt die Annahme.

Drei US-Forscher von den University of Maryland, der Indiana University und der Stony Brook University haben sich zusammengetan, um in einer Onlineumfrage herauszufinden, was Menschen dazu bewegt, untreu zu sein. Sie befragten knapp 500 Menschen, die ihren Partner schon mal betrogen haben, zu ihren Motiven. In 77 Fragen ging es nur darum, die Frage nach dem „Warum“ herauszufinden – und interessanterweise hatten die wenigsten Seitensprünge etwas mit Sex zu tun. In der Vielzahl der Antworten konnten die Forscher acht Schlüsselbeweggründe identifizieren.

1. Wut

Ein typisches Motiv fürs Fremdgehen ist unterdrückte Wut auf den Partner, oder auf einen Streit und einen schwelenden Konflikt. Viele Befragte gaben an, dass sie nach dem „Wie du mir, so ich dir“-Prinzip handelten: Sie wurden also selbst von ihrem Partner betrogen. Ebenfalls eine Affäre oder einen Seitensprung einzugehen war also ein reiner Akt der Rache. Diesen Ärger hätten sie dem Partner heimzahlen wollen.

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2. Selbstwert

Wenn es Menschen im Beziehungsalltag an Wertschätzung und Bestätigung des Partners fehlt, kann das fatale Folgen haben. Denn der zweithäufigste Grund, warum Menschen fremdgehen, ist laut Studie ein mangelndes Selbstwertgefühl. „Ich wollte mich besser fühlen“, „Es gab mir ein Gefühl von Unabhängigkeit“, sind einige der Antworten, die Menschen im Rahmen dieser Studie gaben.

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3. Mangelnde Liebe

Ein weiterer häufiger Grund, ein Verhältnis mit einer anderen Person einzugehen, ist laut Studie Unsicherheit über die eigenen Gefühle für den Menschen, mit dem man zusammen ist. Ein Schlüsselsatz der sich aus den Antworten ergab, war beispielsweise: „Ich wusste nicht, ob mein Schatz wirklich der Eine für mich ist.“ Dieser Grund geht auch mit Unsicherheit einher.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass diejenigen, die wegen mangelnder Liebe betrügen, häufiger die Öffentlichkeit mit ihrer Affäre suchten, zum Beispiel zum Abendessen gingen oder ins Kino. „Küsse in der Öffentlichkeit und andere öffentliche Zuneigungsbekundungen waren häufiger bei Menschen zu beobachten, die durch mangelnde Liebe motiviert waren und ihr eigenes Selbstwertgefühl stärken wollten“, hieß es von den US-Psychologen weiter.

Warum diese Menschen nicht sonderlich vorsichtig vorgehen? „Offensichtlich waren diese Personen nicht so besorgt darüber, erwischt zu werden, und wollten vielleicht sogar erwischt werden, das heißt, die Affäre war eine Ausstiegsstrategie“, so die Begründung.

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4. Was sind „wir“ eigentlich?

Unklarheit als Freifahrtschein? Wenn in einer Beziehung nicht klar kommuniziert und definiert ist, wie ernst es beide Beteiligten mit der Partnerschaft meinen, erhöht das laut der Studie offenbar die Wahrscheinlichkeit, dass einer zweigleisig fährt.

Die Befragten wollten sich außerdem generell nicht festlegen oder meinten, dass sie „theoretisch“ ja gar nicht in einer Beziehung gewesen seien.

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5. Wunsch nach Abwechselung

Wie zu erwarten, motivieren Langeweile, Eintönigkeit, mangelnde Abwechslung dazu, sich in neue Abenteuer zu stürzen. Auch die Befragten gaben diese Gründe an. Eine Antwort, die nicht wirklich kompatibel mit einer festen Beziehung ist, war laut Studie: „Ich will so viele verschiedene Sexualpartner wie nur möglich sammeln.“

6. Ablehnung

Wer einen Eisblock als Partner hat und emotional wie körperlich einfach nicht zu ihm oder ihr durchdringen kann, sucht sich die Nähe bei einem anderen Menschen. So gaben viele der Befragten als Grund für ihren Seitensprung Aussagen an wie: „Mein Partner war emotional distanziert“ oder „ließ mich nicht an sich heran“.

7. Sexuelles Verlangen

Sex war zwar nur eines von mehreren Motiven, aber auch das, was von vielen als der wichtigste Grund für eine Affäre angenommen wurde. Und die Antworten der Menschen, die schon mal fremdgegangen sind, zeigen: Entspricht das Sexleben in der Partnerschaft nicht den Wünschen und Vorstellungen, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass einer fremdgehen wird.

Die Befragten gaben zu den sexuellen Aktivitäten in Affären an, dass Küssen (86 Prozent) und Kuscheln (72 Prozent) ganz oben stand. Zum Geschlechtsverkehr kam es bei 53 Prozent.

8. Gelegenheit

Gelegenheit macht Fremdgeher. Die Psychologen identifizierten als achtes Motiv fürs Fremdgehen eine situative, geistige Situation, etwa durch zu viel Alkohol oder übermäßigen Stress. Laut Psychologen handelt es sich bei dem Gelegenheitsmotiv oft um einen One Night Stand. „Wenn Menschen aufgrund von Wut, mangelnder Liebe oder Abwechslung betrügen, waren ihre Affären länger, während diejenigen, die durch die Situation motiviert waren, kürzere Affären hatten.“

Einfluss auf die Beziehung

Frauen führten laut der Psychologen im Durchschnitt längere Affären als Männer. Sie hielten auch länger und seien emotional befriedigender gewesen, wenn die Teilnehmer sich ihrem Seitensprung näher fühlten. Fast 50 Prozent gestanden ihren Seitensprung, die meisten davon Frauen.

Die Befragten gaben außerdem an, dass aus einer von zehn Affären eine feste Beziehung (11,1 Prozent) wurde. 31,1 Prozent sahen die Person nur gelegentlich, ein weiteres Drittel (29,9 Prozent) blieb mit der Affäre befreundet und die restlichen 25,5 Prozent brachen den Kontakt komplett ab. Aus One Night Stands wurde weniger wahrscheinlich eine ernsthafte Beziehung.

Überraschenderweise endete nur eine von fünf Beziehungen aufgrund des Seitensprungs. Während 28,3 Prozent nichts von der Affäre wussten, verziehen 21,8 Prozent den Seitensprung. Die Affäre war eher ein Beziehungskiller, wenn das Fremdgehen auf Wut, mangelnde Liebe, geringe Loyalität oder Vernachlässigung zurückzuführen war.

Fazit: Fremdgehen ist komplex

Die Antworten, wenngleich sie nur einen Bruchteil der „Betrüger“ ausmachen, zeigen, dass hinter dem Akt des Fremdgehens mehr steckt als das reine Verlangen nach Sex. Unzufriedenheit, mangelndes „Gesehenwerden“ und, natürlich aber auch, ein nicht erfüllendes Sexleben sind nur ein Ausschnitt der Motive der Fremdgeher.

Die Psychologen kommen zu dem Schluss: „Während wir diese Ergebnisse verwenden können, um Warnzeichen in unserer eigenen Beziehung zu identifizieren, gibt es einen besseren Weg. Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, die emotionale Verbindung unserer Beziehung zu stärken.“ Diese emotionale Verbindung würde nicht nur „eine wichtige Motivation für Untreue zunichte machen“, sie würde den Menschen auch helfen, eine Beziehung zu führen, die rundum zufrieden macht.

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