Enttäuschte Gefühle: Der bittere Geschmack der ersten Liebe

  • Sebastian schwärmt seit der fünften Klasse für Christina. Endlich kommt es zum ersten Kinodate, das ein schöner Abend wird.
  • Doch danach reagiert Christina abweisend. Wie kann Sebastian seine enttäuschte Liebe verarbeiten?
  • Eine neue Geschichte aus unserer Rubrik “Alles Liebe”.
Andrea Mayer-Halm
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Leise verliebt war Sebastian schon jahrelang. Vielleicht schon, seitdem er Christina in der fünften Klasse zum ersten Mal bewusst wahrgenommen hat. Sie war definitiv das schönste Mädchen – mit ihren langen Haaren, dem feinen Gesicht und den tollen Lippen. Für Sebastian war sie vollkommen. Und sie war obendrein schlau. Davon konnte er sich in all den Jahren gemeinsamer Schullaufbahn nur zu genau überzeugen. Natürlich hat er sich nie getraut, sie anzusprechen. Nicht mit 11, nicht mit 14, nicht mit 16. Stattdessen jahrelanges Sehnen und Träumen.

Jugendliebe: Das lang ersehnte erste Date

Zwischendurch hat Sebastian versucht, sich in andere Mädchen zu verlieben. Christina war in ihrer Vollkommenheit so unerreichbar. Andere Mädchen waren da weitaus irdischer an Erscheinung und Wesen. Aber wer will schon das Irdische, wenn er einen Engel vor sich hat. Und deshalb hat sich Sebastian tatsächlich im Alter von 18 Jahren ein Herz gefasst. Es war die Zeit von Abiturstress, dem Geschmack der Freiheit nach der Schule, neuen Möglichkeiten. Und da hat Sebastian Christina auf dem Gang vor den Bioräumen abgepasst. Er hat sie gefragt, ob er sie nach Hause begleiten darf. Und auf dem gemeinsamen Heimweg hat er Christina für den Abend ins Kino eingeladen. Nach ihrem “Ja” fühlte auch Sebastian sich dem Himmel ein Stück weit näher. Es schien ihm fast so, als hätte sie schon längst auf seine Einladung gewartet.

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In unserer Rubrik "Alles Liebe" erzählen wir regelmäßig wahre Geschichten von Liebe und Beziehungen. © Quelle: Gina Patan/RND

Nach jahrelangem Sehnen können die letzten Stunden bis zum ersten Date Höllenqualen verursachen. Sebastian ist so aufgeregt, dass er keinen Augenblick still sitzen kann. Wie überflüssig langsam bewegen sich die Zeiger der Wohnzimmeruhr. Dann endlich der Moment los zu gehen, zum Kino, wo er Christina sehen wird. Werden sie sich umarmen, küssen? Sebastian dreht fast durch vor Aufregung und Vorfreude. Dann sieht er sie, wie sie schon vor dem Kino auf ihn wartet. Die Begrüßung ist ein scheues Lächeln – von beiden Seiten. Er kauft Karten, Getränke und Süßes und nimmt neben ihr auf einem Sessel Platz. Gleich startet der Actionfilm, den die beiden ausgesucht haben. Viel Verlegenheit liegt in der Luft, herrlich, knisternd und furchtbar zugleich.

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In der Schule tut Christina so, als ob sie Sebastian nicht kennt

Die Verlegenheit weicht der Verwunderung, als sich Christina ruckartig hinter ihrem Kinosessel versteckt. Sie habe einen Klassenkameraden gesehen, flüstert sie Sebastian zu. Aber Sebastian versteht nicht. Muss ja nicht jeder wissen, antwortet Christina knapp. – Als das Licht im Saal ausgeht, ist Sebastian noch ziemlich verunsichert. Action sei Dank vergisst er bald die drückenden Gefühle und genießt die verbleibende Zeit, Seite an Seite mit Christina. Auf dem Heimweg sind beide ganz gelöst. Christina wirkt richtig glücklich und Sebastian lebt endlich seinen Traum. Ob er ihre Hand fassen und halten soll? Nein, dafür fehlt ihm doch das letzte Quäntchen Mut. Beim nächsten Mal, denkt er sich noch vor dem Einschlafen. Und ist so unbeschreiblich glücklich.

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Als er nach dem Wochenende in die Schule geht und Christina schon von weitem erspäht, fällt ihre Reaktion frostig aus. Kein Hallo, kein Lächeln, nichts. Hat Sebastian nur geträumt? Mit Frauen hat er noch keine großen Erfahrungen gesammelt. Gehört das so? Er ruft am Nachmittag bei ihr zu Hause an und tatsächlich verabreden sie sich wieder fürs Kino. Alles ist gut. Sie halten sogar Händchen während des Films. Doch am nächsten Tag in der Schule tut Christina wieder so, als habe sie mit Sebastian nichts zu schaffen. Er stellt sie am Telefon zur Rede. Wieder antwortet sie: Muss ja nicht jeder wissen. Sebastian fügt sich traurig dem Versteckspiel und ist umso überraschter, als eines Abends Christina mit ihm auf einen einsamen Parkplatz fährt, sich an ihn kuschelt – und ihn küsst. Es ist Sebastians erster richtiger Kuss. Mit einem Engel. Sebastian schwebt.

Christina hat sich nicht geändert

Nein, sie seien kein Paar, stellt Christina beim nächsten Telefonat gleich klar. Ohnehin kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass Sebastian nur der Mann auf Abruf ist. Will sie ihn sehen, gut! Wie sie ihn küssen, gut! Will er sie sehen, geht sie auf Abstand. Zum Eklat kommt es, als Sebastian sie eines Abends nach Hause fährt. Er will sie küssen, aber Christina dreht den Kopf weg. Sebastian beginnt bitterlich zu weinen. Er kann sich gar nicht mehr fangen. Und dann sagt er, dass das für ihn keinen Sinn mehr macht. Christina scheint Angst zu bekommen, steigt aus dem Auto und rennt davon. Zurück bleibt ein verstörter 18-jähriger junger Mann, der die Welt und die Liebe nicht versteht. Er hat doch gar nichts getan. Er hat sie doch einfach nur geliebt. Eine Woche lang weint Sebastian seine Verzweiflung aus dem Körper. Dann schließt er innerlich ab. Und redet kein Wort mehr mit Christina.

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Als die beiden sich nach fünf Jahren wiedersehen, verabreden sie sich für ein Abendessen. Ganz zwanglos. Es ist nett und zum Abschied umarmen sie sich. Dann signalisiert Christina, dass sie jetzt genug hat. Und Sebastian begreift, dass Christina noch genau dieselbe ist. Gut, dass er gleich weg gehen kann.

“Staat, Sex, Amen”
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