Emotionale Intelligenz: Wie sie unsere Beziehung stärken kann

  • Neben dem IQ wird auch der EQ (Emotionale Intelligenzquotient) in unserem Alltag immer wichtiger.
  • Mit emotionaler Intelligenz wird eine breite Palette an Fähigkeiten beschrieben, die auch für eine gelingende Beziehung sehr wichtig sind.
  • Emotional intelligente Menschen sind in der Lage, die Gefühle von anderen zu erkennen, zu verstehen und darauf zu reagieren.
Michèle Förster
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Mit dem Partner gemeinsame Zeit zu verbringen, zu lachen und zu kuscheln gehört zu den schönen Momenten einer Beziehung. Auch körperliche Anziehungskraft und Sex sind wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Partnerschaft. Aber die Fähigkeit, die über das Gelingen oder Scheitern einer Beziehung entscheidet, heißt emotionale Intelligenz.

Psychologen fanden nämlich heraus, dass wir über verschiedene Arten von Intelligenz verfügen. Neben dem IQ wird auch der EQ (Emotionaler Intelligenzquotient) in unserem Alltag immer wichtiger. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die emotionale Intelligenz eines Menschen sehr viel ausschlaggebender für seinen beruflichen – aber auch privaten – Erfolg.

Diese Fähigkeiten bestimmen die emotionale Intelligenz

Ursprünglich stammt das Konzept einer Gefühlsintelligenz von den Psychologen John D. Mayer und Peter Salovey. Doch erst durch den Erfolg des Buchs "Emotional Intelligence" des Psychologen Daniel Goleman war der Begriff in aller Munde. Laut dem Amerikaner ist die Gefühlskompetenz eines Menschen neben der klassischen Intelligenz nämlich entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg in seinem Leben.

Mit emotionaler Intelligenz wird eine breite Palette an Fähigkeiten beschrieben: Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz sind sensibler, können ihre eigenen Gefühle wahrnehmen und diese auch regulieren. Wut, Trauer oder übertriebene Freude sind nicht in jeder Situation angemessen. Manchmal ist es notwendig, die eigenen Emotionen zurückzuhalten. Darüber hinaus können emotional intelligente Menschen ihre Emotionen auch zum Erreichen persönlicher Ziele einsetzen.

„Personen, die eine hohe emotionale Intelligenz haben, sind beruflich erfolgreicher, wenn sie gleichzeitig ein starkes Aufstiegsmotiv haben“, wird Professor Gerhard Blickle von der Universität Bonn in der "Welt" zitiert. Außerdem sind diese Menschen in der Lage, die Gefühle von anderen zu erkennen, zu verstehen und darauf zu reagieren. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass man sich in seinen Partner hineinversetzen kann, sich für ihn und seine Gefühle interessiert und auch in schweren Situationen für ihn da ist.

Lässt sich der EQ messen?

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In der Wissenschaft wird heute vor allem mit dem Begriff der emotionalen Kompetenz gearbeitet. Darunter fällt die Fähigkeit der Wahrnehmung, Identifikation und Regulierung von Gefühlen. Aber auch weitere Persönlichkeitsmerkmale wie Geselligkeit, Erlebnishunger, Durchsetzungsfähigkeit, gute Laune und die soziale Verträglichkeit.

Aber lässt sich emotionale Intelligenz nun eigentlich messen? So einfach, wie beim klassischen Intelligenztest, ist das leider nicht. Aber es gibt einige Anhaltspunkte. Man sollte sich zum Beispiel fragen, wer einen geprägt hat, was die eigene Persönlichkeit ausmacht, welche Stärken und Schwächen man besitzt und welche Ziele man verfolgt. Solche und ähnliche Fragen beinhalten auch die vielen Selbsttests für emotionale Intelligenz.

In ihrem Buch "Emotionale Intelligenz" fasst Anja von Kanitz einige selbstreflektierende Aussagen über Gefühlskompetenz in einer übersichtlichen Checkliste zusammen. "Steigert sich nicht in negative Gefühle hinein", "Weiß, wie er/sie sich selbst motivieren kann", "Fällt nicht auf gezielte Provokationen herein" oder "Kann Ärger/Wut gut kontrollieren" sind nur ein paar Beispiele. Kann man den Aussagen vollständig oder überwiegend zustimmen, ist die eigene emotionale Kompetenz höchst wahrscheinlich hoch entwickelt.

Emotionale Kompetenz lässt sich trainieren

Die gute Nachricht: Auch wenn die eigenen emotionalen Kompetenzen nicht allzu gut ausgeprägt sind, lassen sie sich verbessern. Denn genau wie man kognitive Fähigkeiten trainieren kann, ist das auch im Reich der Emotionen möglich. Zum Beispiel, indem man in Situationen der Angst, Negativität oder Wut versucht, anders zu handeln, als man es sonst getan hätte, um alte Muster zu durchbrechen.

Dieser Überzeugung ist auch Professor Blickle. Gegenüber der "Welt" empfiehlt er zum Beispiel einer Theatergruppe beizutreten, um sich besser in andere Rollen hineinversetzen zu können. Auch das Lesen von Büchern, deren Handlung nichts mit dem eigenen Alltag oder der Lebenssituation zu tun hat, könne hilfreich sein.

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Stimmungen des Partners wahrzunehmen und richtig damit umzugehen, ist für manche Menschen eine hohe Kunst. © Quelle: Sasin Tipchai/Pixabay

Kommunikation ist der Schlüssel

Die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen, beeinflusst auch die Haltbarkeit einer Beziehung. Oft unterschätzt wird nämlich auch die Kommunikation mit dem Partner: Wenn eisige Stimmung herrscht und einem offensichtlich etwas Wichtiges entgangen ist, hilft nachfragen.

Entscheidend ist nicht einmal, den anderen wie ein offenes Buch lesen zu können, sondern die Bereitschaft, ihm Aufmerksamkeit zu schenken und bei Problemen zuzuhören. Achtsamkeit ist in Beziehungen oft schon die halbe Miete.

Kommunikation spielt dabei eine sehr große Rolle. Verfügen beide Partner über einen ähnlich hohen EQ, können sie nicht nur ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse, sondern auch die des Partners wahrnehmen. Das bedeutet laut Experten auch, dass sie in der Lage sind, ihre Gefühle auszudrücken und besser miteinander zu kommunizieren. Und geht es am Ende nicht genau darum?