„Nie hast du Zeit für mich“: Wie sich Beziehung und Hobbys vereinbaren lassen

  • Jeder Zehnte in Deutschland begegnet seinem Partner beim Sport oder sonstigen gemeinsamen Freizeitaktivitäten.
  • Doch was ist, wenn die Vorstellungen von privaten Hobbys weit auseinander reichen?
  • Paartherapeuten warnen davor, auf Biegen und Brechen alles gemeinsam zu machen.
Juliane Moghimi
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Jeder Zehnte in Deutschland begegnet dem Mann oder der Frau seiner Träume beim Sport oder sonstigen gemeinsamen Freizeitaktivitäten – das hat das Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach herausgefunden. Damit fungieren die Hobbys mit 11 Prozent in etwa gleich häufig als Singlebörse wie der Arbeitsplatz. Nur durch gemeinsame Bekannte (27 Prozent) und beim abendlichen Ausgehen (16 Prozent) lernen sich Paare noch leichter kennen.

Und wenn sie einmal zusammen sind? Wie sieht es dann mit der gemeinsamen Freizeitgestaltung aus?

Die meisten Paare scheinen generell vieles gemeinsam zu machen. Einer Erhebung von Statista zufolge verbringen 25 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sogar zwischen 80 und 100 Prozent ihrer freien Zeit mit dem Partner oder der Partnerin. Diese Tendenz steigt mit dem Alter: Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 28 Prozent, bei den 40- bis 49-Jährigen 30 Prozent und bei den 50- bis 65-Jährigen 38 Prozent, die nahezu jede freie Minute als Paar verbringen. Aber ist das zwingend notwendig?

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Symbiose? Kann, aber muss nicht!

Nein, findet der Hamburger Paartherapeut Michael Mary. In einem Interview mit der Frauenzeitschrift „Freundin“ warnte er sogar davor, auf Biegen und Brechen gemeinsame Hobbys finden zu wollen. Oft würde den Leuten suggeriert, dass es zu einer guten Beziehung gehöre, auch möglichst viel Freizeit miteinander zu verbringen. Und Paare, die sich etwas auseinandergelebt haben, bekommen nicht selten den gut gemeinten Rat, sich doch ein gemeinsames Hobby zu suchen. Aber Mary ist sich sicher: Paare, die nicht dieselben Freizeitinteressen teilen, machen keineswegs etwas falsch. „Machen Sie sich klar, wie schwer es allein für je­den Einzelnen ist, ein Hobby zu finden, das ihm Spaß macht. Es ist nicht garantiert, dass das auch für zwei funktioniert.“ Stattdessen sei der Frust vorprogrammiert, wenn einer der Partner nur dem anderen zuliebe etwas anfängt, wozu er nur mäßig Lust hast. Grundsätzlich spricht natürlich nichts dagegen, eventuelle gemeinsame Interessen auszuloten – aber das ist keine Bedingung und sollte niemals unter Zwang geschehen, so Mary.

Sowieso zählen laut einer Parship-Umfrage nur für etwa jeden Fünften gemeinsame Interessen und Hobbys zu den drei wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass eine Liebesbeziehung hält. Die Frauen voteten dabei mit 22 Prozent etwas häufiger dafür als die Männer (19 Prozent). Wesentlich wichtiger ist jedoch beiden Geschlechtern, dass man miteinander reden kann, sich in der Beziehung genügend Freiräume lässt und dieselben Lebensziele verfolgt.

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„Du und dein Verein!“: Wenn das Hobby zum Streitthema wird

Trotzdem kennen nicht wenige Paare das Streitthema Hobbys. Konflikte entstehen vor allem dann, wenn einer der Partner ein zeitintensives Hobby pflegt, der andere hingegen nicht. Schnell steht dann der Vorwurf im Raum, dass derjenige mit dem Hobby zu viel Zeit damit verbringt und darüber den Partner ohne Hobby vernachlässigt. In extremen Fällen entsteht so etwas wie Eifersucht auf die Freizeitaktivität, was die Beziehung ernsthaft belasten kann.

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In aller Regel geht es dabei natürlich nicht wirklich um den Sportverein, die Musikgruppe oder die Modelleisenbahn im Keller. Vielmehr spielt ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz die entscheidende Rolle im Konflikt um das Ausmaß an gemeinsamer Freizeitgestaltung.

Wie viel Nähe ein Mensch mit seinem Partner möchte – und aushält –, ist individuell sehr verschieden. Es gibt Paare, die nahezu symbiotisch zusammenleben und keinen Schritt ohneeinander machen, und es gibt Paare, die in getrennten Wohnungen wohnen und dabei glücklich sind. Keines dieser beiden Modelle ist richtiger oder falscher als das andere, auch wenn die meisten Paare sich wohl irgendwo zwischen diesen beiden Extremen befinden. Schwierig wird es dann, wenn sich der eine Partner deutlich mehr Nähe wünscht als der andere: Dann kann es passieren, dass das Hobby als Hindernis für die Zweisamkeit gesehen und entsprechend zum Konfliktthema gemacht wird.

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Auch beim Thema Hobbys gilt: Reden hilft!

Wie also konstruktiv mit dem Thema umgehen? Die Mannheimer Psychologin Dr. Doris Wolf gibt Paaren die folgenden Ratschläge:

  1. Mit dem Partner besprechen, warum einem das Hobby so wichtig ist. Und für die Vorteile eines Hobbys werben: Wer selbst zufrieden und ausgeglichen ist, bringt positive Impulse in die Partnerschaft.
  2. Genaue Absprachen treffen, wann Zeit für das Hobby gebraucht wird und wann man als Paar gemeinsam etwas unternimmt. So kann der Partner sich darauf einstellen und sich auf das Gemeinsame freuen.
  3. Toleranz ist wichtig: Weder darf der aktive Partner den anderen zum Ausüben des Hobbys zwingen, noch darf der Partner ohne Hobby dem anderen seine Freizeitvorlieben vermiesen.
  4. Kommunikation ist generell wichtig: Die Bedürfnisse in der Beziehung müssen offen angesprochen werden, gerade dann, wenn sie sich augenscheinlich von denen des Partners unterscheiden.
  5. Hilfreich kann außerdem sein, wenn sich der Partner ohne Hobby ebenfalls eine Freizeitbeschäftigung sucht, die ihn erfüllt.
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Sollte sich jetzt jemand Sorgen machen, weil das Freizeitverhalten sehr von dem des Partners abweicht, so gibt vielleicht diese Statistik von Statista Entwarnung: Auf einer Liste von Gründen, warum frühere Beziehungen auseinandergegangen sind, landete „zu wenig gemeinsame Zeit verbracht“ mit nur 13,6 Prozent auf Rang elf von 13.

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