Ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten? Den kann nur eine Person bieten

  • Bei all dem Chaos, das das Jahr 2020 mit sich brachte, sehnen sich viele nach Sicherheit.
  • Diese wird oft in Beziehungen oder anderen Menschen gesucht.
  • Laut Paartherapeut Christian Hemschemeier birgt diese Überzeugung allerdings viele Gefahren in sich.
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Was gibt uns Halt, wenn sich alles verändert und nichts mehr so ist, wie es war? Wo finden wir Ruhe, wenn uns die Wellen des Lebens wie ein kleines Boot auf dem großen Meer umherwirbeln? Wie gelangen wir zu einer inneren Sicherheit, wenn die äußere zu zerbrechen scheint?

2020 ist ein verrücktes Jahr. Verrückt ist für mich das passendste Wort. Kaum etwas lief in diesem Jahr wie geplant. Kaum jemand wurde nicht vor neue Herausforderungen gestellt. Doch es wäre falsch, alles auf das Virus zu schieben. Die Welt verändert sich stetig, und wie der Philosoph Heraklit schon sagte: “Nichts ist so beständig wie der Wandel.” Allerdings scheint es, als ob wir diesen in 2020 stärker wahrnehmen als bisher.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan
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Diese Einschätzung basiert auf unzähligen Gesprächen und Sitzungen mit meinen Klienten. Noch nie war so viel im Umbruch wie momentan, selten fühlten sich die Menschen den Stürmen des Lebens so ausgesetzt. Vielleicht sind auch deshalb die Nervenkostüme einiger Mitmenschen viel dünner als normalerweise, vielleicht leben deshalb viele derzeit nach der Prämisse “Me first”, um es mit den Worten eines obskuren Präsidenten auszudrücken.

Stürmische Zeiten bieten auch viel Potenzial

So ungewöhnlich und anstrengend diese Zeiten auch sein mögen, bieten sie doch unwahrscheinlich viel Potenzial. Potenzial für Wachstum, für Veränderung, für Neuanfänge, für das Auflösen ungesunder Beziehungen oder das Aufbrechen alter Muster. Doch wo finden wir nun den sicheren Hafen, den Ort, an dem zumindest unsere eigene Welt noch in Ordnung zu sein scheint?

Nur wir selbst sind unser sicherer Hafen

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Die Antwort ist einfach, der Weg dorthin leider nicht. Dieser Hafen können nur wir selbst sein. Kein Mensch, kein Job, keine Beziehung kann uns diesen sicheren Ort schenken. Sie alle können eine positive Auswirkung darauf haben, ersetzen können sie ihn aber nicht. Ja es ist sogar gefährlich, diesen Ort im Außen zu suchen.

Zum einen bauen wir dadurch einen enormen Druck auf den Menschen oder die Sache auf, da wir sie in diesem Moment unbewusst für unser eigenes Glück verantwortlich machen. Zum anderen stellt sich die Frage, wohin wir fallen und wo wir landen, wenn dieser vermeintlich sichere, aber im Außen liegende Ort wegbrechen sollte.

Unsere Häfen sind Orte der Ängste – das lässt sich ändern

Oft machen wir uns erst sehr spät auf die Suche nach diesem Ort. Zeiten wie diese, Schicksalsschläge oder Sinnkrisen können der Anstoß dafür sein. Dort angekommen, finden wir jedoch meist einen Hafen vor, der voller alter Schiffe liegt, auf denen all unsere Ängste und Glaubenssätze lagern. Vorwiegend sind sie so alt, dass sie nur schwer zu manövrieren sind.

Doch sie lassen sich bewegen, allerdings braucht man dafür Geduld und die notwendige Motivation für die Umgestaltung des eigenen Hafens. Denn er war einst der Ort, aus dem unser innerer Frieden entsprang. Nur haben wir irgendwann aufgehört, unser Augenmerk darauf zu richten, und so wurde er zum Ablageplatz für alle dunklen Erinnerungen und Erfahrungen.

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Vertauen in uns aufbauen und Trigger erörtern

Ein bewährtes Mittel, um Ordnung zu schaffen, ist beispielsweise die Meditation. Hilfreich ist auch die Reflexion oder das Betrachten unserer Trigger. Egal für welchen Weg wir uns entscheiden, ohne eine gewisse Investition unsererseits wird es nicht funktionieren. Doch dieser wird sich lohnen. Denn mit diesem gesunden Vertrauen in uns und unseren Zufluchtsort leben wir ruhiger, erfüllter und selbstbestimmter. Wie ein Boot, das im Hafen liegt und für alle anstehenden Abenteuer gewappnet ist.

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch “Der Liebescode” ist 2019 im Handel erschienen.

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