Ehestatistik: Viel weniger Hochzeiten wegen der Corona-Pandemie

  • Wegen der Corona-Pandemie sind in diesem Jahr weniger Ehen geschlossen worden.
  • Laut Statistischem Bundesamt heirateten fast 30.000 Paare weniger, als noch im Vorjahr.
  • Ein weiteres Absinken der Zahlen wurde durch den 02.02.2020 und den 20.02.2020 verhindert.
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Wiesbaden. Die Corona-Pandemie hat viele Heiratspläne vorerst platzen lassen. Das zeigt sich nun auch in der offiziellen Ehe-Statistik. In den ersten sechs Monaten wurden demnach bundesweit 139.900 Ehen geschlossen, 29.200 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse mitteilte. Mitte März hatten Bund und Länder strenge Auflagen verhängt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Viele Standesämter schlossen vorübergehend ganz, andere schränkten ihre Dienste ein.

Attraktive Termine verhinderten weiteres Absinken

Die Zahl der neu geschlossenen Ehen sank aber nicht ganz auf einen historischen Tiefstand. Einmal wurden seit der Wiedervereinigung in einem ersten Halbjahr noch weniger Ehen geschlossen: 2007, als viele Paare den Juli und damit das Hochzeitsdatum 7.7.2007 ansteuerten. Damals heirateten im ersten Halbjahr nur 138.800 Paare.

Im laufenden Jahr gab es mit dem 02.02.2020 und dem 20.02.2020 gleich zwei attraktive Termine, die auch reichlich genutzt wurden - was ein weiteres Absinken der Zahlen verhinderte, wie das Bundesamt berichtete. Im Februar 2020 heirateten 21.500 Paare, fast 7300 mehr als Vorjahresmonat.

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Der Effekt war in den Bundesländern unterschiedlich stark: In Brandenburg (plus 84 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (plus 82 Prozent) und Thüringen (plus 80 Prozent) sagten im Februar deutlich mehr Paare "Ja" zueinander. In Hamburg fand er dagegen so gut wie keine Beachtung, hier blieb die Zahl der Eheschließungen gleich.

Erkenntnisse über die Auswirkung der Pandemie ließen sich erst langfristig gewinnen, erklärten die Statistiker. Denn langsam wieder steigende Zahlen vom Mai und Juni deuteten daraufhin, dass viele Standesamttermine lediglich verschoben und nicht abgesagt wurden.

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Weniger Hochzeiten, mehr Scheidungen

Während die Corona-Maßnahmen einige Paare dazu bewegten die Hochzeit zu verschieben, bewirkte die Zeit bei anderen einen Bruch. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge wird sich die Zahl der Scheidungen in Deutschland wegen der Corona-Beschränkungen voraussichtlich um ein Fünffaches erhöhen.

Demnach sagten 2,2 Prozent der rund 2500 Befragten, zwischen Ende März und Ende Mai beschlossen zu haben, sich scheiden zu lassen. In einem Zwei-Monats-Zeitraum 2018 seien es nur 0,42 Prozent aller Verheirateten gewesen.

Bei den Gerichten schlägt sich dies aber noch nicht nieder. Denn falls es zu Trennungen in der Corona-Zeit gekommen sein sollte, würden die Scheidungen erst im nächsten Frühjahr eingereicht werden können, weil das Trennungsjahr abgewartet werden müsse, erklärte ein Sprecher des Amtsgerichts Hannover.

RND/dpa

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