Liebe hoch drei: So läuft eine Dreierbeziehung unter Männern – ohne Eifersucht!

  • Eine Beziehung ist manchmal ganz schön anstrengend und bedeutet viel Arbeit – doch da hat man es üblicherweise nur mit einem Partner zu tun.
  • Ist eine Beziehung zu dritt dann doppelt so anstrengend und bringt zweimal so viel Arbeit mit sich?
  • Drei junge Männer aus Köln erzählen von ihrer Dreierbeziehung und lassen durchblicken: Eifersucht ist kein Thema.
Lisa Harmann
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Seit vier Jahren leben Simon, Johannes und Matthias zu dritt in einer 50-Quadratmeter-Wohnung. Sie schlafen zusammen in einem Bett, haben gemeinsame Kalender, und wenn mal einer von ihnen seine Ruhe braucht, ist das auch kein Problem. Sieht so die Beziehung von morgen aus?

Die Antworten haben die drei Jungs per Sprachnachricht gegeben, deshalb war nicht immer klar, wer der drei nun was gesagt hat. Wenn jemand Neues redet, gibt es daher einen neuen Absatz. Wenn der Name zugeordnet werden konnte, steht er davor.

Ihr lebt in einer Partnerschaft zu dritt. Manche sind dagegen schon mit einem Partner überfordert. Wie klappt das bei euch?

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Ja, wie klappt das, wenn wir jeweils gleich zwei Männer an der Backe haben? Manchmal ist das natürlich anstrengend – aber wir glauben, das gehört auch zu einer Beziehung dazu, dass es mal nervig ist oder mal stressiger wird, je nachdem, wie es so im Alltag läuft. Aber ich glaube, wir ziehen eben auch doppelt Energie daraus, dass man doppelt Zuneigung bekommt, doppelt Liebe.

Simon: Wenn Matthias, der jetzt eine Ausbildung als Koch macht, am Wochenende gefühlt durcharbeitet, dann sind Johannes und ich zu Hause. Wenn wir jetzt nur ein Pärchen wären, dann wäre am Wochenende einer allein zu Hause. Und das ist dann auch genau das, wo wir dann die Mehrenergie rausziehen.

Wie können wir uns das denn vorstellen: Habt ihr euch alle drei zusammen kennengelernt, oder waren erst zwei zusammen und dann kam ein Dritter hinzu?

Matthias: Wir haben uns nicht gleichzeitig kennengelernt. Ich habe Simon und Johannes kennengelernt, als die beiden schon vier Jahre zusammen waren.

Habt ihr anderen beiden euch dann gleichzeitig in Matthias verliebt?

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Ob es jetzt exakt der gleiche Zeitpunkt war, lässt sich im Nachhinein nur noch schlecht sagen, aber es war quasi im selben Zeitraum, in dem sich das entwickelt hat. Weil wir sehr viel darüber geredet haben – Simon und Johannes, aber auch wir zwei untereinander und zu dritt –, hat sich dann relativ zügig rauskristallisiert, dass da jetzt doch mehr im Raum steht als nur gute Freundschaft.

Und Matthias redete dann auch relativ offen mit uns darüber, was er denkt. Von daher war das dann doch schon einfach. Nur so konnte es funktionieren – weil wir von Anfang an offen über alles geredet haben.

Nun lesen ja hier viele Mütter mit, die es kennen, ihre Liebe aufteilen zu müssen, weil sie mehrere Kinder haben. Viele sagen: Ich liebe meine Kinder gleich stark, aber eben doch jedes auf unterschiedliche Weise. Ist das auch bei euch so?

Ja, das ist ein ziemlich guter Vergleich. So habe ich da allerdings auch noch nicht drüber nachgedacht, dass es vergleichbar mit der Liebe zu Kindern sein könnte. Aber ich glaube, so ähnlich ist es. Jeder wird auf eine andere Art und Weise geliebt. Man hat andere Gemeinsamkeiten – die vielleicht nicht komplett anders sind –, aber mit dem einen redet und lacht man über Sachen, über die der andere sich vielleicht nicht unbedingt kaputtlachen würde.

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Simon: Wenn Matthias und Johannes etwa übers Kochen und Einkaufen reden, bin ich meistens raus, weil die beiden am liebsten kochen und es auch besser können – dann übernehmen die beiden da die Planung. Dafür haben Matthias und ich dann wieder Gemeinsamkeiten, die Johannes vielleicht nicht unbedingt teilt.

Ist es denn auch bei euch so, dass es da über einen Zeitraum mal einen Favoriten in der Konstellation gibt?

Johannes: Mittlerweile würde ich Nein sagen. Aber gerade am Anfang, als Matthias frisch dazugekommen ist, gab es natürlich Zeiten, wo er spannender oder irgendwie interessanter für mich war.

Simon: Johannes und ich waren da ja schon vier Jahre zusammen. Natürlich ist da jemand, den man neu kennenlernt, erst mal interessanter.

Johannes: Natürlich gab es auch nach der Kennenlernphase immer mal wieder Zeiten, wo der eine sich ein bisschen mehr aus der Beziehung rauszieht, weil er vielleicht gestresst ist. Das hält dann in der Regel aber nie lange und ist daher auch noch nie ein Problem gewesen.

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Ja – oder man streitet sich vielleicht mal mit dem einen und redet dann mit dem anderen darüber. Natürlich versteht man sich dann in dem Moment mit einem besser, aber das hält eigentlich nie lange an.

Was bedeutet euch das Thema Eifersucht – wie definiert ihr das, oder gibt es das bei euch gar nicht?

Nein, das gibt es bei uns nicht. Das ist wirklich die klassische Frage. Aber Eifersucht bedeutet uns nichts.

Sie würde uns vermutlich etwas bedeuten, wenn sie denn existent wäre – aber das ist sie nicht.

Es ist natürlich ein wichtiges Thema, und wenn es Eifersucht gibt, muss man auch drüber reden. Da wir allerdings von Anfang an immer sofort über jegliche Befindlichkeiten geredet haben, gibt es da wenige Unklarheiten. Wo andere vielleicht sagen würden, ich schluck ein Thema jetzt mal runter, reden wir von Anfang an miteinander.

Wir sagen halt, wenn uns etwas stört. Und das haben wir von Anfang an so gemacht – daher ist das Gefühl von Eifersucht nie aufgekommen. Ich glaube, dass Eifersucht ein Problem ist oder ein Problem werden kann, wenn man nicht offen genug miteinander redet, sondern Probleme vielleicht eher mit einem Freund als mit dem Partner bespricht – und das kann dann problematisch werden.

Häufig gibt es für vieles ganz einfache Lösungen. Dafür darf man sich aber nicht zurückziehen, etwas für sich verarbeiten oder aus Gehörtem eigene Schlüsse ziehen – es hilft nur, immer offen mit dem Partner zu sprechen.

Nun gelten Dreierkonstellationen ja ohnehin als eher schwierig. Fühlt sich da ab und zu auch mal jemand zurückgesetzt?

Ich denke, bei uns fühlt sich eigentlich nie jemand zurückgesetzt. Wenn überhaupt, dann aufgrund einer freiwilligen und eigenen Entscheidung: Wenn einer von uns zum Beispiel mal für einen Abend oder auch mal für länger seine Ruhe braucht, weil er von der Arbeit oder vom Studium gestresst ist.

Das ist aber etwas, das sich erst einmal einspielen muss.

Matthias: Man kann logischerweise nicht verlangen, dass eine Beziehung, die sich vier Jahre lang eingespielt hat, direkt ganz normal weiterläuft, wenn man plötzlich zu dritt ist – die Beziehung verändert sich natürlich. Am Anfang waren die anderen beiden schon sehr auf mich fokussiert, weil ich eben der Neue war. Ich konnte nicht erwarten, dass das nicht zu Spannungen zwischen den beiden führt.

Deine Mutter hat ja auch gefragt, ob du dich nicht wie das dritte Rad am Wagen fühlst – dabei war ja eher das Gegenteil der Fall. Wir haben dich schon ziemlich in Beschlag genommen, aber mittlerweile ist das eigentlich ziemlich ausgeglichen.

Hat denn jeder von euch ein eigenes Zimmer? Oder schlaft ihr nachts alle in einem riesig großen Bett?

Wir haben ein Wohnzimmer und nur ein Schlafzimmer.

Wir leben auf 50 Quadratmetern.

Das ist hier in Köln in der Innenstadt nicht anders möglich.

Matthias: Die Wohnung war eigentlich mal von Simon und Johannes, und ich bin quasi einfach dazugezogen. Deswegen schlafen wir jetzt zu dritt in einem gewöhnlichen 1,80-Meter-Doppelbett – was völlig in Ordnung ist. Viele Leute fragen uns, ob das nicht zu eng ist, aber wir haben uns daran gewöhnt. Es wäre natürlich schon schön, in einer neuen Wohnung mal ein bisschen mehr Freiraum und Platz zu haben – vielleicht auch mit einem eigenen Zimmer oder einem größeren Bett – aber das steht jetzt gerade noch nicht zur Debatte.

Das kommt dann in der neuen Wohnung, die für Mitte, Ende nächsten Jahres in Planung ist.

Welche Absprachen und Planungen braucht es, damit das bei euch funktioniert?

Wir haben mehrere verschiedene Kalender, entweder für alle drei oder auch nur für zwei von uns. Am Ende kann aber jeder auf alle Kalender zugreifen und sehen, was arbeitstechnisch oder privat ansteht. Nur so kann das funktionieren, sonst kämen wir durcheinander mit all den Terminen – und auch andere Freundschaften wären sonst nicht möglich.

Aber habt ihr regelmäßige Treffen zum Reden oder Dates?

Dates mit jeweils nur einem von uns?

Wie lange sind wir jetzt zu dritt genau zusammen?

Wir sind jetzt zu dritt über vier Jahre zusammen – da haben wir keine Dates mehr.

Also natürlich machen wir Sachen zusammen, aber wir nennen das nicht Dates – egal in welcher Konstellation.

Wir versuchen, uns aber zweimal pro Woche zusammenzusetzen, um abzusprechen, wie es in der nächsten Woche, am Wochenende oder auch im Urlaub aussieht. Da geht es dann auch um ganz banale Sachen wie die Essensplanung.

Bei Instagram sieht es so aus, als ob ihr eine sehr glückliche Beziehung führt. Mögt ihr uns zum Abschluss noch euer Geheimrezept verraten?

Instagram-Bilder sollten immer gut ausgeleuchtet sein – und das effektive Fakelachen muss man natürlich draufhaben. Nein, das war nur Spaß! Sagen wir mal so, wir haben es sicher perfektioniert, dass wir selbst in Situationen, in denen wir vielleicht nicht die allerbeste Stimmung haben, für ein Foto ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, das nach dem Foto dann aber auch wieder weg ist.

Es ist schließlich normal, dass man sich auch mal auf die Nerven geht.

Die meisten Bilder sind aber nicht gestellt, sondern sehr authentisch. So, wie wir eben sind. Und ja, das kann man schon glücklich nennen.

RND

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