„Die Scheidung war die beste Entscheidung meines Lebens“

  • Maria machte ihre Ehe nicht nur unglücklich, sondern sogar krank.
  • Lange blieb sie aus Rücksicht auf ihre Kinder bei ihrem Mann – bis sie verstand, dass es allen ohne ihn viel besser geht.
  • Hier erzählt sie von der Trennung und dem Start in ein glücklicheres Leben.
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Unser Familienleben verlief jahrelang wie in unterschiedlichen Umlaufbahnen. In einer kreisten ich und meine Kinder, in einer anderen mein früherer Mann. Er beschwerte sich oft darüber, dass er sich wie ein Fremdkörper fühlte, tat aber auch nichts dafür, daran etwas zu ändern. Wenn wir am Wochenende gemütlich zusammen frühstückten, schlief er bis in die Puppen. Auf Familienfeste und in den Urlaub wollte er nicht mit.

Die Stimmung wurde immer schlechter

Mit den Jahren wurde die Stimmung immer gereizter. Ich bekam sogar Herzrhythmusstörungen, weil mich die Situation so belastete. Die Notbremse zog ich vor allem, weil auch die Kinder litten. Wenn mein Ex nach Hause kam, fühlte es sich an, als käme mit ihm eine riesige, schwarze Gewitterwolke hinein. Es wurde still und die Kinder verzogen sich in ihre Zimmer, denn bis zum ersten Donnerwetter dauerte es nie lange. Mal war es ihm zu laut, dann explodierte er, weil ein Schulranzen im Flur stand.

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Immer verzweifelter versuchte ich für Harmonie zu sorgen, tröstete die Kinder und beschwichtigte meinen Ex-Mann. Doch irgendwann hatte ich einfach keine Kraft mehr und wusste, dass sich nichts ändern würde. Als ich den Kindern eines Tages in Ruhe erklärte, dass ich mich von ihrem Vater trennen würde, sagten die beiden nur: „Na endlich!“. Ihre Reaktion erschreckte mich, zeigte jedoch auch, dass es wirklich höchste Zeit wurde zu gehen. Damals war Katja zwölf und Max sieben Jahre alt.

Der Ex-Mann nahm Trennung und Umzug einfach hin

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Den Umzug stemmte ich allein mit den Kindern und Freunden. Während ich Kisten schleppte, fühlte ich mich trotzdem erleichtert. Und ich spürte, dass dieses „Wir-gegen-den-Rest-der-Welt“-Gefühl wuchs, ich und die Kinder noch stärker zu einer eingeschworenen Gemeinschaft wurden. Das ist bis heute so und für mich das schönste Geschenk.

Natürlich war es immer ein Spagat, allen gerecht zu werden. Obwohl ich Unterhalt bekam, musste ich voll arbeiten, um alles finanziell zu wuppen. Nach fünf Jahren zogen wir von Nordrhein-Westfalen nach Norddeutschland, weil ich dort mehr Geld verdienen konnte. Mein Ex-Mann nahm das hin – es fehlte wahrscheinlich einfach eine gewachsene Beziehung, um die Kinder vermissen zu können.

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Ein kaputtes Elternhaus belastet auch die Kinder

Auch wenn wir drei uns erst an unsere neue Heimat gewöhnen mussten, war dieser Neustart ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Entfernung von unserem alten Leben brachte uns noch näher zusammen. Alles, was uns traurig gemacht hatte, ließen wir zurück. Ich bin stolz, dass ich unser Leben in die Hand genommen habe und ihm eine bessere Richtung gegeben habe. Und ich habe meinen Entschluss nie bereut, obwohl mich viele Ängste begleiteten. Zum Beispiel, dass Katja oder Max mal Drogen nehmen oder die Trennung nicht richtig verkraften würden.

Rückblickend glaube ich, dass es für Kinder viel belastender ist, in einem kaputten Elternhaus aufzuwachsen. Dafür haben sie zu feine Antennen und zu sensible Seelen. Und es ist wichtig, sich von dem Gedanken zu befreien, dass Scheidungskinder arm dran sind. Das ist Quatsch. Sie können auch zu glücklichen Menschen heranwachsen.

RND/protokolliert von Stephanie Arndt