Die große Zeit des Zweifelns: Probleme immer mit dem Partner besprechen

  • Die Corona-Pandemie hat das Leben vieler Menschen auf den Kopf gestellt.
  • Nicht nur Jobs, Freundschaften und unser Alltag stehen dabei vor neuen Herausforderungen, sondern auch unser Beziehungsleben.
  • Dabei kann Kreativität helfen, erklärt Paartherapeut Christian Hemschemeier.
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Die alltäglichen Dinge des Lebens werden meist wenig von uns geschätzt. Klar, sind sie eben alltäglich. Doch dieses turbulente und gewöhnungsbedürftige Jahr hat uns allen verdeutlicht, dass nichts selbstverständlich ist. Der dienstägliche Besuch des Fußballtrainings, der allwöchentliche Mädelsabend, der bisher krisensichere Job oder die den Lebensumständen angepasste Beziehung... Die ganze Welt scheint Kopf zu stehen, ohne dabei Halt vor unserer eigenen zu machen. Denn die Einflüsse und Beschlüsse, die uns alle betreffen, haben ganz direkte Auswirkungen auf unseren Alltag.

Jeder spürt Auswirkungen auf andere Art

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Wenn sich schon alles wandelt, warum sollten wir dann nicht auch mal unsere Beziehungskonzepte auf den Prüfstand stellen? Viele Paare kommen mit den neuen, von außen vorgegebenen Rahmenbedingungen nicht zurecht. Für die einen ist es ungewohnt und tatsächlich ein Problem, den Partner so oft zu sehen. Für andere stellt die Tatsache, dass es keinen Alltag mehr gibt und dieser sich auch nicht wirklich einstellen will, eine der größten Herausforderungen dar. Wieder andere fühlen sich in ihrer Freiheit so sehr beschränkt, dass sich keine richtige Lebensfreude mehr einstellen will, was natürlich gravierende Auswirkungen auf die Beziehung hat.

Nun können wir entweder auf der „alles ist schrecklich und ich kann nichts dagegen tun“-Welle mitschwimmen oder wir schnappen uns unser eigenes Surfbrett (im übertragenen Sinn) und nutzen diese Welle, um weiterzukommen – ja, um uns weiterzuentwickeln.

Christian Hemschemeier ist Paartherapeut in Hamburg und Experte in Sachen Dating, Partnerschaft und Liebe. © Quelle: Privat/Patan

Probleme mit dem Partner besprechen

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Was bedarf es, um diese Welle zu reiten? Meiner Ansicht nach sind Mut und Kreativität essentiell. Mut deshalb, weil Neues immer Mut kostet. Manche Schritte mehr, manche weniger. Hinsichtlich einer – durch die aktuelle Situation ausgelösten – Beziehungskrise bedeutet Mut zum Beispiel, ganz offen und ehrlich mit dem Partner über die Probleme zu sprechen. Das klingt banal, doch bei sehr vielen Paaren scheitert es schon an diesem Punkt. Da zieht sich lieber jeder in sein Schneckenhaus zurück und kocht sein eigenes Süppchen. Doch das ist gefährlich. Denn weichen die Geschmacksrichtungen der jeweiligen Süppchen zu sehr voneinander ab, kann auch eine wiederkehrende Normalität nichts mehr bewirken. Der Grundsatz lautet: Je früher wir mit unserem Partner über Probleme sprechen, desto eher können wir sie gemeinsam lösen.

Die zweite Komponente ist Kreativität. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Wenn sich alles im Außen wandelt, ist es eigentlich selbstredend, dass unsere üblichen Strategien und Konzepte nicht mehr ihre gewohnte Wirkung entfalten. Dann brauchen wir neue Ideen und dürfen kreativ sein. Um der Beziehungsmonotonie zu entkommen, können wir beispielsweise zusammen ein neues Hobby oder eine neue Fremdsprache erlernen. Wenn wir mehr Abstand vom Partner benötigen, kann sich jeder in der Wohnung seinen eigenen kleinen Bereich schaffen. Doch zeitgleich dürfen auch Überlegungen angestellt werden, wie man die gemeinsame Zeit schöner, inniger und wertvoller gestalten kann. Auch eine klare räumliche Trennung ist eine Option. Oder etwas ganz Neues. Wir können mit unserem Partner im wahrsten Sinne des Wortes ko-kreieren, etwas gemeinsam erschaffen.

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Mit Veränderungen umgehen lernen

Da gibt es kein richtig oder falsch. Es geht darum, nicht an dem festzuhalten, was bisher üblich war, sondern darum, offen, frei und kreativ zu sein. Ab und zu müssen wir unsere Lebensumstände oder unsere Beziehungskonzepte eben anpassen, um wieder oder weiterhin glücklich sein zu können. Nun liegt es an uns. Lassen wir uns von der Welle der Veränderung verschlucken oder reiten wir sie? Ich halte es da wie mein Kollege Charles Spezzano: „Die Wellen des Lebens hören nie auf. Lasst uns surfen lernen.“

Der Autor und seine Kurse sind zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein Buch „Der Liebescode“ ist 2019 im Handel erschienen.

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