Die Braut, die sich nicht traut: Wann Sie kalte Füße vor der Hochzeit ernst nehmen sollten

  • Wenn der schönste Tag des Lebens ansteht, soll alles perfekt sein. Zweifel passen da so gar nicht rein.
  • Doch gerade vor der Eheschließung fragen sich einige Menschen ganz plötzlich, ob sie wirklich das Richtige tun.
  • Liebeskummer-Coach Heike Klopsch erklärt, wie Sie mit diesen Zweifeln umgehen und wann sie ernst zu nehmen sind.
Heidi Becker
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Die Location ist gebucht, das Essen ausgesucht, der DJ kennt alle Lieblingssongs und das Brautkleid hängt schon seit Monaten im Schrank. Alles ist fertig für den großen Tag. Aber irgendwo im Hinterkopf nagen leise Zweifel an der Eheschließung.

Frau Klopsch, sind Zweifel vor der Hochzeit normal?

Grundsätzlich halte ich es für normal und völlig in Ordnung, wenn Bräute vor der Hochzeit Zweifel verspüren - schließlich handelt es sich um einen wichtigen Schritt im Leben. Die meisten Bräute heiraten doch mit der Erwartung und dem festen Willen, dass ihre Ehe für immer halten soll.

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Wie sollte ich also reagieren, wenn ich Zweifel vor der Hochzeit verspüre?

Ganz wichtig: Verfallen Sie nicht in Panik! Sehen Sie Ihre plötzlich aufkommende Unsicherheit erst einmal als Chance und überlegen Sie sich ganz genau, wovor Sie Angst haben. Vielleicht ist es einfach nur Lampenfieber. Aufgeregt vor solch einem besonderen Tag zu sein, ist ganz normal. Alles soll perfekt sein - da ist ein gewisser Druck schon vorprogrammiert. Daran ist aber nichts Ungewöhnliches und das Gefühl wird sich hoffentlich am Tag der Hochzeit legen.

Aber wenn das Zweifelgefühl immer stärker wird, sollten Sie Ihre Ängste unbedingt ernst nehmen. Denn: Angst ist ein gutes Frühwarnsystem. Oft verdrängen wir unsere Sorgen - damit sind diese aber nicht aus der Welt und irgendwann kommen sie mit geballter Kraft wieder zurück. Manchmal versucht uns unser Körper also mit Zweifeln darauf aufmerksam zu machen, dass wir etwas nicht ignorieren sollten - vielleicht die Unzufriedenheit mit der Beziehung. Dann kann nur helfen, sich ernsthaft mit den Zweifeln auseinanderzusetzen.

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Heike Klopsch berät Menschen, wenn diese Liebeskummer haben. © Quelle: privat

Warum nehmen wir Zweifel manchmal ganz plötzlich wahr?

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Am Anfang einer Partnerschaft geht es viel um die Themen Sexualität und Begehren - was aber natürlich nicht für immer so bleibt. Nach einiger Zeit wird der Wunsch nach Autonomie größer und damit sehen wir unseren Partner zwangsläufig mit mehr Distanz. Dann kann es passieren, dass wir plötzlich Dinge wahrnehmen, die uns vorher nicht aufgefallen sind. Der herrlich spontane Partner wirkt auf einmal nur noch chaotisch, Großzügigkeit wandelt sich in Verschwendung und sein ständiger Wunsch nach Nähe wirkt auf einmal einengend oder kontrollierend.

Was kann ich also tun?

An dieser Stelle ist es wichtig, die Partnerschaft auf eine neue Basis zu stellen. Vertrauen, Konfliktfähigkeit und Wertschätzung werden jetzt immer wichtiger. Schauen Sie sich die eigene Beziehung einmal genauer an. Wie wohlwollend und kompromissbereit sind Sie selbst? Eine hohe Konfliktkompetenz ist ein wichtiger Grundpfeiler für eine gelingende Partnerschaft.

Fragen Sie sich noch einmal genau, warum Sie eigentlich heiraten wollen. Ist es wirklich der innerste Wunsch oder geschieht die Eheschließung etwa auf Druck von außen? Manchmal kann es sich auch lohnen, die eigenen Werte und Erwartungen noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Fragen Sie sich auch, was Ihnen wichtig im Leben ist und wie Sie sich die gemeinsame Zukunft vorstellen. Manchmal sind genau hier offene Punkte, die dann zu Druck oder Zweifeln führen können.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Zweifel spüre?

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Manchmal kann es schon reichen, einer engen Freundin oder jemandem aus der Familie, mit dem man offen und vertrauensvoll reden kann, von seinen Sorgen zu erzählen. Oft hilft es schon, die Sorgen und Bedenken in Worte zu fassen und auf diese Weise innerlich zu ordnen.

Wenn das aber nicht der Fall ist oder Ihre Zweifel sehr groß sind, würde ich mir tatsächlich einen objektiven Sparringspartner und einen geschützten Raum suchen, in dem Sie sich in Ruhe sortieren können. Ein Coach oder ein Therapeut kann in dieser Situation sehr unterstützend sein.

Sollte ich meinem Partner nicht direkt von den Zweifeln erzählen?

Nein, ich rate von einer direkten Konfrontation dringend ab. Auch Affekthandlungen sind jetzt kontraproduktiv. Im schlimmsten Fall stehen Sie sonst vor einem großen Scherbenhaufen und den gilt es, unbedingt zu vermeiden. Jetzt ist Ruhe und Klarheit wichtig.

Grundsätzlich kommen Sie aber natürlich nicht drum herum, mit Ihrem Partner über das zu sprechen, was Ihnen wichtig ist oder wovor Sie Angst haben. Auch wenn es schwer ist: Die Situation birgt eine große Chance für Ihre Beziehung und kann im besten Falle Ihre Partnerschaft festigen. Und das wäre das Beste, was Ihnen passieren kann!

Heike Klopsch ist systematischer Coach für Liebeskummer und berät in ihrer Herzkümmerei in Hamburg Menschen zu Herzensfragen.

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