Datingklischees: Lässt sich Gleichberechtigung am Türaufhalten messen?

  • Sind traditionelle Datingvorstellungen überholt?
  • Das legt zumindest eine Befragung der Slow-Dating-App Once zum Datingverhalten ihrer Nutzer nahe.
  • Aber es ist fraglich, ob sich traditionelle Vorstellungen und Erwartungen so messen lassen.
Kira von der Brelie
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Er muss den ersten Schritt machen, das Essen zahlen und die Tür aufhalten. Sie lächelt schüchtern und hat sich möglichst hübsch gemacht – so die heterosexuellen Datingklischees deutscher Lifestylemagazine. Aber denken Männer und Frauen tatsächlich noch so? Das hat Slow-Dating-Pionier Once anlässlich des Weltfrauentags am 8. März überprüft.

In einer Umfrage hat das Unternehmen rund 3000 Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland, Frankreich, Italien und England zu ihrer Einstellung gegenüber gängigen Datingklischees befragt.

Lieber bequem, statt schick

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Das Ergebnis spricht eine andere Sprache als die der Klischees: 84 Prozent finden, dass auch die Frau den ersten Schritt machen kann. Knapp drei Viertel ist die Chemie wichtiger als das Alter und fast 65 Prozent der Singles tragen lieber bequeme Lieblingssachen zum Date statt schicke Kleidung. Darüber hinaus, sagt jeder Zweite von sich, dass er oder sie keine festen Regeln für das Zahlen beim Date habe. Lieber werde offen darüber gesprochen.

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Und auch nach der Datingphase wollen fast 80 Prozent der Befragten aus Deutschland, Italien und England eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der beide arbeiten und sich um die Kinder kümmern. In Frankreich sind sogar 90 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer davon überzeugt.

Beziehung auf Augenhöhe

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Once-Nutzerinnen und -Nutzern aus Europa ist also eine Beziehung auf Augenhöhe theoretisch wichtig – zumindest in Bezug auf gleichberechtigte Arbeitsteilung. Außerdem weichen offenbar stark traditionelle Rollenvorstellungen beim Dating einer etwas egalitäreren Haltung. Ob sich aus dieser Umfrage allerdings eine repräsentative Aussage über heterosexuelle Singles schließen lässt, ist fraglich.

Denn das Unternehmen spricht mit seinem Konzept des „Slow-Datings“ eine sehr ausgewählte Zielgruppe an. Lediglich einmal am Tag können Nutzerinnen und Nutzer „gematcht“ werden – damit ist die App ein stark entschleunigter Gegenentwurf zum Swipe-Maniac Tinder.

Progressivere App, progressivere Nutzer

Außerdem positioniert sich Once auch darüber hinaus als progressive Dating-App. Im vergangenen Juni – kurz nach dem Männerwelten-Video von Joko und Klaas, in dem Sexismus angeprangert wurde – launchte Once die „Kätzchen-Funktion“.

Mittels künstlicher Intelligenz werden damit Dick-Pics herausgefiltert – und in niedliche Katzenfotos umgewandelt. Wenn das Bild gewollt ist, kann es freigeschaltet werden. Man könnte also unterstellen, dass Once-Nutzerinnen und -Nutzer, sich grundsätzlich etwas bewusster mit der Partnersuche auseinandersetzen.

Rollenklischees bleiben trotz Offenheit

Auch ist es fraglich, ob sich traditionelle Rollenverteilung und die damit einhergehende Benachteiligung wirklich an Fragen wie „Wer bezahlt?“ messen lassen. Schließlich hat spätestens die #MeToo-Debatte gezeigt, dass Sexismus besonders dann schwierig zu entlarven ist, wenn er subtil und leise daherkommt.

Dass viele Menschen heute offener zu sein scheinen, genderbasierte Datingvorstellungen in Frage zu stellen, ist eine gute Nachricht. Dass damit traditionelle Rollenvorstellungen bei der Partnersuche passé sind, eine zu selbstbewusste Interpretation.

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