Die große Experimentierfreude: So verändert sich das Sexleben in der Corona-Zeit

  • Abstandsregeln und Isolation erschweren das Dating und stellen Beziehungen auf die Probe.
  • Das amerikanische Kinsey Institut erforscht derzeit, ob sich das Virus auch positiv auf unser Sex- und Liebesleben auswirkt.
  • Auch Ergebnisse aus dem deutschsprachigen Raum werden bald erwartet.
Michèle Förster
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Beziehungen sind schon unter normalen Umständen nicht gerade einfach. Jetzt, in Zeiten von Social Distancing und der ständigen Infektionsgefahr durch das Coronavirus, ist Dating fast unmöglich geworden. Doch nicht nur Singles leiden unter den geltenden Kontaktverboten, auch Paare werden durch den veränderten Alltag auf die Probe gestellt.

Wie daten wir jetzt? Wie viel Nähe kann eine Beziehung vertragen? Und wie wirkt sich die Pandemie auf unser sexuelles Verlangen aus? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit Forscher des amerikanischen Kinsey Institute. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Sigmund-Freud-Universität in Wien versuchen sie herauszufinden, wie sich Covid-19 auf unser Liebesleben auswirkt.

Kontaktverbote schränken das Sexleben ein

Bisher haben mehr als 3000 Menschen weltweit an der ersten Befragungswelle teilgenommen, die am 20. März startete. Während die Studie im deutschsprachigen Raum noch bis zum 30. April läuft, gibt es aus den Vereinigten Staaten bereits erste Zwischenergebnisse. Das Forschungsteam der Indiana University analysierte eine Stichprobe, in der etwa 1200 Teilnehmer zum Thema Sex als Zeitvertreib befragt wurden.

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Auch wenn aussagekräftige Ergebnisse erst nach weiteren Erhebungsintervallen im April und Mai feststehen werden, zeigt sich hier bereits eine deutliche Tendenz: “Physische Distanz und die geltenden Regeln in der Isolation haben unserer Fähigkeit, Sex zu haben, eine Reihe von Grenzen gesetzt", so Studienleiter Justin Garcia. Fast die Hälfte der Befragten gab demnach an, ihre sexuelle Aktivität hätte durch die Isolation abgenommen.

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Neue Umstände lassen Menschen kreativ werden

Auch wenn das sexuelle Verlangen vieler Befragter durch den Stresszustand einen Dämpfer verpasst bekommen hat, gibt es laut den Forschern auch positive Entwicklungen. “Viele Menschen betrachten die momentanen Umstände als Gelegenheit, ihr sexuelles Repertoire zu erweitern und Neues auszuprobieren”, sagt der an der Studie beteiligte Justin Lehmiller in einer Mitteilung der Universität.

So hätte ein Sechstel der Befragten seit dem Ausbruch der Pandemie mindestens eine neue sexuelle Aktivität ausprobiert. Zu den beliebtesten gehören Sexting und das Verschicken von Nacktfotos - aber auch das Ausprobieren neuer Stellungen und der Austausch über sexuelle Fantasien mit dem Partner zählen dazu.

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Außerdem ergab die Umfrage, dass einige Personengruppen eher dazu neigen, neue Dinge ausprobieren. Am experimentierfreudigsten sind laut den amerikanischen Forschern junge Erwachsene, allein lebende Personen – und Menschen, die sich einsam fühlen.

Bald Ergebnisse aus Deutschland erwartet

Mit der globalen Verbreitung des Coronavirus und den vielerorts strengen Ausgangsbeschränkungen hat sich der Alltag etlicher Menschen verändert. Das internationale Forscherteam des Kinsey Institute und der Sigmund Freud Universität Wien erhofft sich, neben Erkenntnissen über das veränderte Sexleben auch Hinweise auf langfristige Auswirkungen der Pandemie zu gewinnen.

"Wir haben hier eine einmalige Chance zu verstehen, welche Arten von Beziehungen diese chaotischen Zeiten überstehen und welche Beziehungen an der Situation scheitern werden”, sagt Garcia. Dazu zählen beispielsweise die Entwicklung von Heirats- und Scheidungsraten, Geburtenzahlen und das Verständnis intimer Verbindungen.

Auch wenn es für eine vollständige Analyse noch zu früh ist, weisen die bisherigen Ergebnisse des Kinsey Institute laut Garcia auf eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit der Menschen hin. “Selbst angesichts solch drastischer Veränderungen im täglichen Leben finden wir alle kreative Wege, um damit umzugehen”, kommentiert der Studienleiter. Ob diese Eigenschaften auch auf die Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zutreffen, wird sich in weinigen Wochen zeigen, wenn die Ergebnisse der Sigmund Freud Universität in Wien vorliegen.

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