Ansteckungsgefahr und Quarantäne: Was die Corona-Krise für die Liebe bedeutet

  • Das Coronavirus kann das Liebesleben vieler Menschen schlagartig verändern.
  • Paare werden getrennt oder müssen über Wochen gemeinsam unter Quarantäne stehen.
  • Auch die Dating-Plattform Tinder ergreift Maßnahmen – und warnt seine Nutzer vor einer Ansteckung mit dem Virus.
Ben Kendal
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Hannover. Das Coronavirus hat einen großen Einfluss auf den Alltag vieler Menschen. Die Angst wird mit steigenden Fallzahlen größer, Menschen stellen sich mit Hamsterkäufen auf eine mögliche Quarantäne ein und waschen sich lieber ein paar Male mehr die Hände. Die Corona-Krise hat aber auch Auswirkungen auf Beziehungen und Dating – leider meist im negativen Sinne.

Gemeinsam unter Quarantäne: Wenn Paare über Wochen aufeinander hocken müssen

Die Corona-Krise könnte, wie bereits in anderen Ländern, auch für einige Paare in Deutschland bedeuten, dass sie über mehrere Wochen zusammen in Quarantäne verbringen müssen. In China ist das bereits der Fall gewesen: “Als Folge der Epidemie hocken viele Paare über einen Monat ununterbrochen zu Hause aufeinander, was viele unterschwellige Konflikte hervorbringt”, zitiert etwa die chinesische, regierungsnahe Zeitung “Global Times” einen örtlichen Beamten in der Metropole Xi’an.

Diese intensive gemeinsame Zeit über einen längeren Zeitraum – ohne die Möglichkeit auszubrechen – könne dazu führen, dass unterschwellige Konflikte zwischen Paaren sichtbarer werden, die sonst im Alltag untergegangen sind, sagt auch Paartherapeutin Nele Sehrt aus Hamburg. Allerdings hänge die Entwicklung des permanenten Aufeinanderhockens auch vom “Nähe-Distanz-Bedürfnis” der einzelnen Partner ab: “Nähe muss nicht immer etwas schlechtes bedeuten. Es kann aber eine Herausforderung für diejenigen werden, die ein größeres Distanzbedürfnis haben", sagt Sehrt.

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Auch unter Quarantäne sei es deshalb wichtig, die Zeit für sich selbst nicht zu vernachlässigen: “Qualitative Zeit mit sich selbst zu verbringen ist gut für die psychische Gesundheit", betont Sehrt. Doch auch gemeinsam lässt sich die Quarantänezeit gut nutzen, ohne zu streiten: “In solchen Ausnahmesituationen bieten sich Paaraktivitäten an, die beide schon immer mal zusammen machen wollten und wofür vorher die Zeit gefehlt hat. Ob Netflix, Spiele oder ein Austausch, was einen gerade im Leben bewegt – das entscheidet jedes Paar für sich selbst", empfiehlt die Paartherapeutin. Bei Konflikten rät Sehrt, die Gemüter zu beruhigen und eine größere Eskalation zu verhindern: “Konflikte müssen nicht sofort gelöst werden. Wenn die Stimmung zu emotional ist, kann es hilfreich sein, sich mindestens eine halbe Stunde in unterschiedlichen Räumen aufzuhalten.”

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Quarantäne: Coronavirus trennt Ehepaar nach 60 Jahren

Gemeinsam unter Quarantäne zu stehen ist jedoch nicht das schwerste Schicksal, dass Paaren in der Corona-Krise droht. Die herzzerreißende Geschichte eines langjährigen Ehepaares zeigt die Kehrseite der Medaille: Im US-Bundesstaat Washington trennt das Virus ein Paar, das bereits seit 60 Jahren verheiratet ist, berichtet RTL. Der 89-jährige Gene Campbell lebt in einem unter Quarantäne stehenden Pflegeheim und damit getrennt von seiner Frau Dorothy und ihrem gemeinsamen Sohn. Per Telefon und durch eine Fensterscheibe versuchte sie, Kontakt zu ihrem Mann aufzunehmen. Gerade für ältere Menschen kann eine Infektion gefährlich sein. Schon sechs Bewohner des Heims seien an den Folgen des Virus gestorben.

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Die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen, um sich gegen das Coronavirus zu schützen.  © Ben Kendal/RND

Tinder warnt Nutzer vor Ansteckung mit dem Coronavirus

Welche Auswirkungen das Virus auf das Dating-Leben vieler Singles hat, zeigt auch die aufsehenerregende Warnung der Dating-Plattform Tinder: “Wir wollen natürlich, dass du weiterhin Spaß beim Matchen & Daten hast. Trotzdem ist es uns wichtig, dass deine Gesundheit dabei an erster Stelle steht", teilt Tinder seinen Usern an prominenter Stelle mit. Unter anderem empfehlt das Dating-Portal nun, sich in der Öffentlichkeit von größeren Menschenmassen fernzuhalten. Das dürfte einige Nutzer in ihrer Entscheidung beeinflussen, wo und ob sie Dates noch ausmachen.

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Kaum Dating-Möglichkeiten: Pubs und Diskotheken in Italien geschlossen

In Italien herrscht ein Ausnahmezustand: Mit mehr als 9000 Infizierten und über 450 Toten gilt das gesamte Land laut Robert-Koch-Institut als Corona-Risikogebiet. Ministerpräsident Giuseppe Conte erklärte ganz Italien zur Sperrzone. Pubs und Diskotheken sind geschlossen, öffentliche Versammlungen dürfen erst einmal nicht stattfinden. Demnach bleiben vor allem jungen Menschen viele Dating- und Flirt-Möglichkeiten vorerst verwehrt - zumindest in der Theorie. In der Praxis lassen sich junge Italiener nicht von diesen Anweisungen beeindrucken und treffen sich trotzdem privat oder auch auf öffentlichen Plätzen in großen Gruppen. Das sehen Virologen und Epidemiologen jedoch als Problem: Denn damit werden die älteren und verwundbareren Bevölkerungsschichten gefährdet, meinen Experten.





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