Brettspiel im Test: Können Paare mit Play-Emotion Konflikte lösen?

  • Die Paaredition des Brettspiels Play-Emotion verspricht, Paaren bei Konflikten zu helfen.
  • Unsere Autorin Juliane Moghimi hat das Spiel mit ihrem Ehemann getestet.
  • Das Brettspiel hat beiden dabei geholfen, ihre Gefühle zu äußern und sich gegenseitig zu verstehen.
Juliane Moghimi
|
Anzeige
Anzeige

Ein bekanntes Problem bei Paaren, die sich oft streiten: Die Kommunikation läuft nicht optimal, weil beide Partner irgendwie in festgefahrenen Mustern verhaftet sind. Man meint das eine, sagt aber das andere, der Partner versteht das falsch, und es kommt zum Streit. Abhilfe verspricht nun die Paaredition des Selbstcoaching-Brettspiels Play-Emotion. Spielerisch Konflikte bewältigen? Das klingt gut, also habe ich es mit meinem Lieblingsstreitpartner ausprobiert: meinem Ehemann.

Eines vorweg: Die Brettspiele von Play-Emotion sind für Menschen gedacht, die keine Schwierigkeiten damit haben, in sich hineinzuspüren und ihre Emotionen und Körperwahrnehmungen klar zu benennen. Wem das gelingt, dem können sie dabei helfen, sich wiederkehrende Gedanken- und Verhaltensmuster bewusst zu machen und dadurch möglicherweise Veränderungen zu erzielen. Die Spiele werden auch im Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit oder eines professionellen Coachings verwendet, können aber auch „einfach so“ gespielt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Konstruktiven Dialog ermöglichen: Darum geht es bei dem Spiel

Bei der Paaredition handelt es sich um eine Erweiterung des klassischen Selbstcoaching-Brettspiels Play-Emotion, bei der die beiden Spieler während des Spiels in einen strukturierten und konstruktiven Dialog geführt werden. Selbstverständlich können neben Liebespaaren auch Geschwister- und Eltern-Kind-Paare oder Freunde zusammen spielen. Das Brettspiel kann immer dann zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, sich über ein konfliktbeladenes Thema auszutauschen. Das können sowohl Streitigkeiten zwischen den beiden Spielern als auch Konflikte außerhalb der Zweierkonstellation sein, in die einer oder beide Mitspieler involviert sind.

Indem beide Seiten genügend Zeit und Raum erhalten, um ihre Gefühle, Körperwahrnehmungen, Gedanken und Verhaltensmuster zu dem gewählten Thema zu äußern, soll das Verständnis füreinander wachsen und im besten Falle eine gemeinsame Basis gefunden werden. Zudem werden mithilfe verschiedener Ressourcenkarten mögliche neue Wege aus der Situation aufgezeigt.

So wird Play-Emotion gespielt

Anzeige

Das kreisrunde Spielbrett ist in vier größere Abschnitte unterteilt: Gefühle, Körper, Verhalten und Gedanken. Von diesen Abschnitten gibt es jeweils eine hellere oder dunklere Hälfte, die beiden Spielern jeweils zugewiesen werden. Zu jedem der vier größeren Abschnitte gibt es außerdem farblich passende Begriffskarten, die analog zur Wahl der hellen oder dunklen Hälfte an die beiden Spieler ausgegeben werden. Zu Beginn einigen sich beide Spieler auf das Thema, das es zu bearbeiten gilt. Dieses wird auf einen Klebezettel geschrieben und in der Mitte des Spielbretts fixiert.

Das Spiel beginnt im Gefühleabschnitt, gewürfelt wird immer abwechselnd. Im ersten Durchgang des Spiels wählen die Spieler für jedes ihrer vier Felder so viele Karten aus dem Stapel aus, wie sie Augen gewürfelt haben. Sie suchen sich die Karten bewusst und in Ruhe aus und erhalten nach dem Ablegen die Gelegenheit, darüber zu sprechen, ohne von ihrem Mitspieler unterbrochen zu werden. Am Ende der ersten Runde liegen folglich auf jedem der insgesamt acht Abschnitte (die vier großen Abschnitte sind in zwei Hälften unterteilt) des Kreises eine bis sechs Begriffskarten.

Anzeige

Beim zweiten Durchgang würfelt wieder jeder Spieler bei jedem seiner Abschnitte einmal. Diesmal zieht er aus dem verdeckt vor ihm liegenden Stapel mit den Ressourcenkarten blind so viele, wie er Augen gewürfelt hat, und liegt diese zunächst auf dem Außenring ab. Wenn beide ihre vier Abschnitte auf diese Weise durchgegangen sind, folgt die letzte Runde ohne Würfel. Nun schauen sich die Spieler ihre Ressourcenkarten an und denken darüber nach, welche ihnen bei der Lösung des Konfliktes nützlich sein können. Anschließend entfernen sie die Ressourcenkarten, die sie nicht gebrauchen können. Wenn sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, kennzeichnen sie das, indem sie einen ihrer vier Spielsteine ablegen.

In einem abschließenden Gespräch versuchen die Spielpartner, eine Quintessenz aus dem zu ziehen, was sie während des Spiels erfahren haben, und schreiben diese auf einen zweiten Klebezettel. Dieser wird ebenfalls in der Mitte des Spielfeldes platziert.

Der Selbstversuch: So haben wir Play-Emotion erlebt

Anzeige

Wir haben das Spiel ganz entspannt beim zweiten Kaffee an einem freien Samstagvormittag getestet. Das Thema, das wir uns ausgesucht haben, liegt schon seit einigen Tagen unterschwellig im Raum: Mein Mann, der vor acht Jahren aus dem Iran nach Deutschland geflohen ist, ist Ende September eingebürgert worden. Sobald er seinen deutschen Pass hat, könnte er – theoretisch – in sein Heimatland reisen. Keine Frage: Das ist nach wie vor sehr gefährlich, denn als Christ und Regimegegner steht er auf der schwarzen Liste des Mullah-Regimes. Aber die Sehnsucht nach seiner Familie, vor allem den mittlerweile sehr alten Großeltern, wird mit jedem Jahr der Trennung größer, und mit ihr die Sorge, dass das islamische Regime diese Generation überdauern könnte. Das Thema ist deshalb aus mehreren Gründen stark emotional besetzt – und der Austausch darüber dementsprechend heikel.

Mithilfe der Karten fällt es mir allerdings erstaunlich leicht, auch widersprüchliche Gefühle auf den Punkt zu bringen. Ich würfele eine Drei und entscheide mich für: Dankbarkeit (dafür, dass mein Mann nun die Gewissheit hat, im Notfall zu seiner Familie fliegen zu können), Angst (davor, dass ihm etwas zustößt) und Hilflosigkeit (sowohl hier als auch dort). Mein Mann würfelt nur eine Eins und wählt: Zweifel. Er ist sich also keinesfalls sicher, dass er hinüberfliegen wird. Das ist für mich die erste Überraschung. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass er sich eine solche Reise schönreden und die Risiken in den Wind schlagen würde, aber da habe ich mich geirrt. Weitere Aha-Momente folgen: So entdecke ich, dass wir beide dem Thema angespannt gegenüberstehen (Körper) und die Gefahren gleich hoch einschätzen (Gedanken).

Fazit: Spiel hilft dabei, sich gegenseitig zu verstehen

Auf der Verhaltensebene bin ich schonungslos ehrlich: Bisher habe ich meine Sorgen über eine mögliche Reise meines Mannes verdrängt oder in mich hineingefressen. Das war vermutlich auch für die Anspannung mitverantwortlich, die das Thema bei mir ausgelöst hat. Mein Mann beantwortet die Verhaltensfrage mit „Misstrauen“, was er auf die Zustände in seiner alten Heimat bezieht. Unter den Ressourcen, die wir blind ziehen, finden sich mehrere, die uns nützlich erscheinen: Kooperation statt meiner inneren Resignation, Ehrlichkeit statt der Anspannung – und der Austausch mit dem hier in Deutschland lebenden Teil seiner Familie statt negativer Gedanken. Am Ende steht für uns fest: Mein Mann wird nur dann fliegen, wenn es einen Notfall gibt. Auf diese Situation werden wir uns gemeinsam vorbereiten.

Die Quintessenz des Spiels ist deshalb: Wir verstehen uns. Und zwar so richtig, auf mehreren Ebenen des besprochenen Problems. Ob das bei einem spontanen Gespräch auch so gewesen wäre? Wer weiß. Spaß hat uns die Paaredition von Play-Emotion auf jeden Fall gemacht, und wir wollen es weiterhin ausprobieren.