Das sagt Ihr Beziehungstyp über Sie aus – und so finden Sie endlich den richtigen Partner

  • Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie sich immer in den Falschen verlieben?
  • Liebeskummercoach Heike Klopsch erklärt, dass das daran liegen kann, dass Sie immer nach demselben Typ suchen.
  • Unser Bindungsverhalten könnte durch unsere frühe Kindheit geprägt sein.
Heidi Becker
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Gerade in der kalten Jahreszeit wird Singles oft bewusst, dass sie sich einen Partner wünschen – die Corona-Pandemie verstärkt dies. Videoabende mit Freunden, Weihnachtsmarktbesuche und die eine oder andere Kneipentour fallen aus. Und selbst das klassische Onlinedating ist nicht mehr so reizvoll wie sonst. Wer aber immer wieder Pech bei der Partnersuche hat und nach kurzer Zeit merkt, dass es einfach nicht sein soll, sucht vielleicht gezielt nach dem falschen Partner. Liebeskummercoach und Singleberaterin Heike Klopsch aus Hamburg erklärt, was unser Bindungsverhalten und unsere Beziehungsgeschichten damit zu tun haben.

Bindungsverhalten wird in der frühen Kindheit geprägt

Heike Klopsch wird in ihrer Hamburger Praxis Herzkümmerei häufig mit der Frage konfrontiert, warum man sich immer in den Falschen verliebt. Alles Zufall oder steckt da vielleicht noch etwas ganz anderes dahinter? „Manchmal muss man bei sich anfangen, und sich fragen, ob man unbewusst einem bestimmten Beziehungsmuster folgt“, sagt Klopsch.

Heike Klopsch hat sich bei der Suche nach Beziehungsmustern an dem US-Psychiater und Neurowissenschaftler Amir Levine und der US-Psychologin Rachel Heller orientiert. Die Wissenschaftler haben sich genau mit diesem Thema beschäftigt und festgestellt, dass die meisten Menschen sich einem von drei Beziehungstypen zuordnen lassen: Dem ängstlichen Beziehungstyp, dem vermeidenden Beziehungstyp und dem sicheren Beziehungstyp. Heike Klopsch kann diese Typen aus der Erfahrung in ihrer Praxis bestätigen und geht noch weiter: Die Beraterin ist sich sicher, dass diese Muster oft in unserer Kindheit verankert sind. „Fakt ist, dass unser Bindungsverhalten in der frühen Kindheit geprägt wird. Die Erfahrungen, die wir in dieser Zeit machen, wirken sich durchaus auf unsere Partnerwahl aus. Ein Blick zurück in die ersten Lebensjahre ist deshalb oft lohnend.“

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Liebeskummercoach und Singleberaterin: die Hamburgerin Heike Klopsch. © Quelle: privat

Eigene Bedürfnisse offen kommunizieren

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Mit einer Klientin ist Heike Klopsch deshalb in die Kindheit zurückgereist. Julia (Name geändert) verliebte sich immer wieder in einen bestimmten Typ Mann – die Beziehungen hielten aber jedes Mal nicht lange. Die Enttäuschung wuchs von Mal zu Mal. Äußerlich waren Julias Partner alle auffallend attraktiv, beruflich erfolgreich und sehr autonom, was für sie im ersten Moment sehr reizvoll war. Gleichzeitig litt sie aber auch unter diesem distanzierten Verhalten. Wenn Julia zu viel Nähe wollte, gingen ihre Partner auf Abstand. Julia fühlte sich oft abgewiesen und ungeliebt.

Nach intensiven Gesprächsstunden zu ihrer Kindheit wurde klar, dass Julia von ihrer Mutter häufig mit Liebesentzug bestraft worden war, wenn sie nicht so „funktionierte“, wie es gewünscht war. Sie sollte das perfekte kleine Mädchen sein.

Die kleine Julia lernte sehr schnell, dass die Liebe ihrer Mutter an Bedingungen geknüpft war. Sie hatte das Gefühl, dass sie um die Zuneigung ihrer Mutter kämpfen musste, und hatte ständig Angst, etwas verkehrt zu machen. So eine frühkindliche Erfahrung kann wie bei Julia dazu führen, dass sich ein „ängstlich-unsicherer Beziehungstyp entwickelt. Solche Menschen sind in Partnerbeziehungen häufig nicht autonom, passen sich sehr stark an und neigen im Extremfall sogar zur Aufgabe Ihres Ichs. Dieser Beziehungstyp braucht aber gleichzeitig sehr viel Nähe und hat ständig Angst, dass ihr Partner sie nicht genug liebt. Dabei handelt es sich um Muster, die uns überhaupt nicht bewusst sind“, sagt Heike Klopsch. „Wenn wir sie aber einmal erkannt haben und akzeptieren, welcher Beziehungstyp wir sind, können wir auch daran arbeiten.“

„Grundsätzlich müssen wir uns klarmachen, dass unsere Bedürfnisse in Ordnung sind – wir sind richtig, wie wir sind“, sagt die Beraterin. „Wer nun einmal ein ängstlicher Typ ist, braucht einfach mehr Nähe – und sollte das auch offen kommunizieren.“

Die eigene Haltung sollte nicht fordernd sein

Eine offene, klare und wertschätzende Kommunikation kann also ein Schlüssel zu einer gelingenden Beziehung sein. So sollte Julia auch von Anfang an deutlich kommunizieren, dass sie viel Nähe und Versicherung braucht. „Wichtig ist aber dabei, nicht in eine vorwurfsvolle oder fordernde Haltung zu kommen, denn auch der andere ist umgekehrt genau richtig, wie er ist“, erklärt Heike Klopsch. Julia musste lernen, ihre Bedürfnisse authentisch zu formulieren. Natürlich kann genau dieses Verhalten auch zu einer Zurückweisung führen, denn nicht jeder – vor allem der vermeidende Beziehungstyp – kann mit so viel Nähe umgehen. Das kann zu schnellen Rückzugsgefechten beim potenziellen Partner führen.

„Vielleicht bekommt man mit dieser Vorgehensweise nicht die Antwort, die man will“, erklärt Klopsch, „aber man bekommt eine Antwort – und weiß dann, ob es passt oder nicht.“

Vermeidender Beziehungstyp braucht mehr Autonomie

Anders war es bei Patrick (Name geändert). Patrick kam mit dem gleichen Problem wie Julia zu Heike Klopsch: die Suche nach einer Partnerin gestaltete sich schwierig. In den Gesprächen mit der Singleberaterin kam heraus, dass er einen anderen Beziehungstypen verkörperte. Die US-Wissenschaftler Levine und Heller nennen ihn den vermeidenden Beziehungstypen. Liebe auf Distanz kennzeichnet diesen Beziehungstyp. Der vermeidende Beziehungstyp setzt Intimität schnell mit dem Verlust von Unabhängigkeit gleich. Im Beziehungsalltag bedeutet das: Wenn seine Partnerin zu viel Nähe und Verbindlichkeit will, zieht er sich schnell zurück.

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Auch hier brachte die Reise in die Kindheit eine Erklärung. Patrick war mit einer Mutter aufgewachsen, die immer unbedingte Liebe brauchte und den Jungen so emotional sehr stark an sich gebunden hatte. Der kleine Patrick hat sich dem nicht entzogen, fühlte sich aber auch nicht wohl. Die Mutter forderte zu viel Nähe von ihrem Sohn. Für den erwachsenen Patrick war daher das Gefühl, eng gebunden zu werden, mit einem Gefühl der Selbstaufgabe verbunden.

Wenn sich also später eine Partnerin sehr viel Verbindlichkeit wünschte, hatte Patrick wieder unbewusst Angst, sich emotional nicht genug abgrenzen zu können. Auch Patrick musste lernen, sich selbst so anzunehmen, wie er ist, und offen zu kommunizieren, dass er in einer Beziehung mehr Autonomie und Eigenständigkeit braucht.

Seine Partnerinnen müssen umgekehrt verstehen lernen, dass das nicht bedeutet, dass er sie nicht liebt. Er braucht lediglich emotionalen Freiraum, um sich in der Beziehung wohlzufühlen.

Sicherer Beziehungstyp wird oft nur als Freund gesehen

„In Beziehungen geht es immer um Nähe und Distanz“, erklärt Klopsch. Oft sei es aber so, dass ängstliche Beziehungstypen sich einen vermeidenden Beziehungstypen suchen. Der Partner trägt dann genau die Eigenschaft in sich, die der andere eigentlich bei sich selbst vermisst – nämlich Autonomie. Umgekehrt ist der unsichere Beziehungstyp für den vermeidenden Charakter nahezu perfekt, denn der hält dessen Nähe-und-Distanz-Spiele sehr lange aus.

Aber diese Kombination von Beziehungstypen kann zu Problemen führen, wenn keine Kommunikation über die eigentlichen Bedürfnisse stattfinde. Schafft es dieses Paar aber, gut auf die Bedürfnisse des anderen einzugehen, dann kann auch diese Beziehung gelingen.

Mit dem sicheren Beziehungstyp kann es da einfacher laufen. Dieser Beziehungstyp hatte oftmals eine stabile Beziehung zu seinen Eltern, die gleichfalls gute Vorbilder waren. Diese Menschen ruhen in sich, können mit Nähe umgehen und sind in der Lage, stabile Partnerschaften zu führen. „Leider wird dieser Typ oft nicht als potenzieller Partner in Betracht gezogen“, sagt Klopsch. „Leidenschaft entsteht in einer Beziehung oft durch dieses spannende Hin und Her.“ Solche Spiele spiele der sichere Beziehungstyp aber nicht – er ist ruhig, verlässlich und gibt Akzeptanz. Das führe oft dazu, dass er eher als Freund gesehen wird.

Und Julia? Die junge Frau hat zwar noch etwas weitergesucht – aber ist jetzt glücklich mit einem Mann zusammen, der ein sicherer Beziehungstyp ist. „Ein zweiter Blick lohnt sich also manchmal“, meint Heike Klopsch.

RND




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