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Dynamik aus Empathie und Bindungsangst: Oft fehlt das Mitgefühl für sich selbst

„Stopp!“: Eine Partnerin mit Bindungsangst hält die andere Person in der Beziehung immer ein bisschen auf Abstand.

Empathie ist die Fähigkeit, die emotionale Verfassung einer Person zu verstehen. Wer empathisch ist, kann sich gut in das Gegenüber einfühlen oder hineinversetzen. Grundsätzlich ist das also eine durchaus gute Eigenschaft.

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Ich werde in letzter Zeit aber zunehmend hellhörig, wenn sich jemand selbst als besonders empathisch beschreibt. Der Empath sieht sich auch oft als Gegenstück zum Narzissten. In Beziehungen stellt sich für mich immer die Frage, warum jemand so viel Empathie für den Minuspol, bindungsängstliche Personen oder Narzissten hat – aber nicht für sich selbst?! Denn dann würde er oder sie merken, dass man in solchen Beziehungen nicht gut aufgehoben ist und könnte sich leicht(er) aus diesen lösen.

Von der Bindungsangst befreien

Außerdem: Wie empathisch ist jemand denn wirklich in einer Beziehung mit einem bindungsängstlichen Partner oder einer bindungsängstlichen Partnerin? In Plus-minus-Beziehungen ist in der Regel einer bindungsängstlich und einer co-abhängig. Daraus entsteht manchmal die Dynamik, dass der sich als empathisch bezeichnende Part besonderes Mitgefühl mit dem Partner oder der Partnerin hat. Er oder sie meint, die Probleme des Partners oder der Partnerin mit der Beziehung und deren Bindungsängstlichkeit besonders gut zu verstehen. Oft will die sich als besonders empathisch sehende Person den anderen oder die andere sogar „retten“. Das Mitgefühl ist meist so groß, dass er oder sie glaubt, Partnerin oder Partner aus der Bindungsangst befreien zu können.

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Hier handelt es sicher aber nicht nur um Mitgefühl, sondern oft auch um Selbstüberschätzung. Es ist nicht nur gut gemeint, sondern durchaus übergriffig, den anderen unbedingt „therapieren“ zu wollen. Menschen, die extrem bindungsängstlich oder egoistisch sind, leiden in der Regel gar nicht unbedingt und wollen auch meist nicht gerettet werden.

Viele stellen sich unter einer Person mit Bindungsangst jemanden vor, der oder die unbedingt in einer Beziehung sein will. Der oder die Bindungsängstliche habe einfach nur Angst oder leide darunter, dass er oder sie keine glückliche Partnerschaft führt. So ist es aber meistens gar nicht. Bindungsangst zeigt sich eher durch Ambivalenz und Desinteresse. Die Beziehung wird dann so laufen gelassen, obwohl man sich nicht richtig wohlfühlt – aber eben auch nicht genau weiß, was man machen soll.

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Beziehung mit bindungsängstlicher Person beenden

Wenn wir auf einer höheren Ebene tatsächlich Empathie mit der bindungsängstlichen Person hätten, dann würden wir die Beziehung mehr infrage stellen, weil wir das fehlende Interesse sehen. Wir würden verstehen, auch aus Sicht des Bindungsängstlers oder der Bindungsängstlerin, dass die Beziehung einfach nicht funktionieren wird. Wäre das dann nicht echte Empathie? Wäre diese Sichtweise nicht mit einem tieferen Verständnis verbunden und auch respektvoller, statt Mitleid mit dem Bindungsängstler oder der Bindungsängstlerin zu haben? Oder diesen Menschen gar retten, in Therapie schicken zu wollen oder ihm Bücher über Bindungsangst zu schenken?

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Wenn jemand wirklich empathisch ist, sich richtig hineinversetzt, wie ein Mensch mit Bindungsangst wirklich denkt und fühlt, dann würde er oder sie vermutlich auch nicht lange darüber nachdenken, ob er oder sie in dieser Beziehung bleibt. Womöglich würde der empathische Part sie stattdessen noch viel schneller beenden.

Nähe, Schamgefühl und Ärger

Zugegebenermaßen wird es Betroffenen nicht immer so leicht gemacht. Die bindungsängstliche Person kommuniziert nicht immer offen über ihre Themen und Gefühle. Denn eine gewisse Offenheit würde Nähe herstellen, wäre mit Schamgefühlen verbunden oder würde zu Ärger führen. Darauf hat er oder sie aber keine Lust. Unter den nicht ganz korrekten Worten und Verhaltensweisen könnte der Empath oder die Empathin allerdings doch theoretisch erkennen, was der Bindungsängstler wirklich denkt, oder?

Der Autor ist zu erreichen über www.liebeschip.de. Sein neues und drittes Buch „Die neue Dimension der Liebe“ ist bereits vorbestellbar und erscheint am 11. April 2022 – außerdem bietet Christian Hemschemeier ein umfangreiches Kursprogramm.

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In der Kolumne „Auf der Couch“ schreiben wechselnde Expertinnen und Experten zu den Themen Partnerschaft, Achtsamkeit, Karriere und Gesundheit.

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