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Zum Tod von “Asterix”-Zeichner Uderzo: Genialer Schöpfer der unbeugsamen Gallier

  • Einer der “Väter” von Asterix und Obelix ist tot. Der Zeichner Albert Uderzo, der 1959 gemeinsam mit dem Texter René Goscinny die Comicikonen erfand, ist am Dienstag bei Paris gestorben.
  • Er erlitt im Schlaf einen Herzinfarkt und wurde 92 Jahre alt.
  • Mit weltweit mehr als 390 Millionen verkauften Alben ist “Asterix” die erfolgreichste Comicserie der Welt.
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Wer hätte erwartet, dass ausgerechnet ein Junge, der farbenblind und mit zwölf Fingern zur Welt kam, später zu einem der größten Comiczeichner überhaupt werden würde? Wer konnte ahnen, dass der Sohn italienischer Einwanderer gemeinsam mit dem in Buenos Aires aufgewachsenen Sohn eines Polen und einer Ukrainerin die wohl französischste aller Comicserien schaffen sollte? Die Abenteuer von Asterix und Obelix, den unbeugsamen Galliern, könnten in keinem anderen Land als Frankreich spielen.

Auf eine Weise sind die beiden Helden im Kampf gegen die Invasion der Römer nun Vollwaisen. Nach dem überraschenden Tod von Texter René Goscinny vor mehr als 40 Jahren ist auch ihr zweiter “Vater”, der Comiczeichner Albert Uderzo, am Dienstag bei Paris im Schlaf an einem Herzinfarkt gestorben, wie sein Schwiegersohn mitteilte. Mit dem Coronavirus habe sein Tod nichts zu tun. Seit mehreren Wochen sei er sehr müde gewesen. 92 Jahre wurde Uderzo alt, der Obelix einmal als seine Lieblingsfigur bezeichnet hat – vielleicht, weil er als ähnlich reizbar und empfindlich, zugleich liebenswert und großzügig galt wie der beleibte Hinkelsteinträger. Alberto hieß er ursprünglich, doch er strich später das “o” in seinem Vornamen, “damit er französischer klingt”, wie Uderzo einmal sagte. Denn als Kind habe er unter dem schlechten Bild gelitten, das die Franzosen von den Italienern als angeblich “schmutzigen Macaronis” hatten.

Uderzo wollte immer Clown werden

Sein Vater, ein Schreiner, und seine Mutter, die als Putzfrau arbeitete, waren aus Italien nach Frankreich gekommen, zunächst in die Nähe von Reims, wo Albert Uderzo geboren wurde, um dann in die Pariser Vorstadt Clichy-sous-Bois zu ziehen, wo er aufwuchs. Er war sieben, als die Familie die französische Staatsbürgerschaft erhielt. Damals, so erzählte er später, wollte er nicht Zeichner werden, sondern Clown, um die anderen zum Lachen zu bringen. Auf eine gewisse Weise gelang ihm dies trotzdem. Auch wenn das Lachen manchmal mehr ein Schmunzeln war.

Früh machte sich seine Zeichenbegabung bemerkbar. So schenkte ihm der Leiter seiner Schule Farbstifte, um ihn zu motivieren: Auf diese Weise entdeckte Uderzo seine Rot-Grün-Sehschwäche, die ihn nicht von seiner Zeichnerkarriere abhalten sollte. Bereits mit 14 fing er als Lehrling in einer französischen Verlagsgesellschaft an, bei der ihn sein älterer Bruder Bruno vorgestellt hatte, und konnte einige erste Illustrationen veröffentlichen. Nach dem Militärdienst arbeitete Uderzo für diverse Agenturen und begegnete so René Goscinny. Der Funken sprang sofort über, menschlich und auch kreativ. Er selbst sei stark im Zeichnen und Goscinny wiederum ein begabter Geschichtenschreiber gewesen und ihr gemeinsames Ziel bestand darin, “frischen Wind” in die Comicwelt zu bringen, schrieb Uderzo in seinen Memoiren: “Mit der ganzen Leichtfertigkeit und Kühnheit unserer Jugend wollten wir die Welt neu erfinden.”

Und so erfanden sie neue Welten und eine Reihe Comicfiguren wie den Kaperkapitän Pitt Pistol, den Indianer Umpah-Pah und vor allem Asterix und Obelix, deren Abenteuer von 1959 bis 1975 in der Zeitschrift “Pilote” abgedruckt wurden. Während Obelix als Bild des kräftigen Galliers Uderzos Idee war, dachte sich Goscinny die pfiffige Figur des schwächlichen Asterix aus, sagte Uderzo später. Ihre unperfekten Ikonen widersprachen dabei dem heutigen Usus, “nach dem man gut gebaute Helden erschafft, damit sich die Kinder mit ihnen identifizieren”.

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Mehr als 390 Millionen Alben wurden verkauft

Nach zwei Jahren erschien ein erster Band “Asterix, der Gallier” und die Auflage wuchs rasant mit jeder weiteren Ausgabe. Bis heute handelt es sich mit weltweit mehr als 390 Millionen verkauften Alben, die in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt wurden, um die erfolgreichste Comicserie der Welt. Auch als Geschäftspartner blieben die beiden Männer enge Freunde. Umso größer war der Schock, als Goscinny 1977 im Alter von 51 Jahren während eines ärztlichen Belastungstests an einem Herzinfarkt starb. Uderzo brach die Arbeit am Album “Asterix bei den Belgiern” ab, so wie für ihn mit seinem Freund auch die gemeinsam geschaffenen Kreaturen gestorben waren.

Erst das Drängen der Leser überzeugte ihn schließlich zum Weitermachen, auch wenn ihn in der Folge die Kritik an der nachlassenden Qualität der Hefte kränkte. 1979 gründete er das Unternehmen “Les Éditions Albert René” als künftiger Herausgeber der Asterix-Abenteuer und veröffentlichte insgesamt neun weitere Bände, bis er 2013 an das Duo Jean-Yves Ferri und Didier Conrad übergab. Schatten auf die beispiellose Erfolgsgeschichte warfen erbitterte Streitigkeiten mit dem früheren Verlag Dargaud sowie Uderzos eigener Tochter Sylvie, die auch in den Medien und vor Gericht ausgetragen wurden. Allerdings kam es 2014 zur familiären Versöhnung. Zuletzt war es ruhig um den Mitbegründer der gallischen Ikonen geworden.

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