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Zum Tod des Schauspielers: Der diskrete Charme des Michel Piccoli

  • Der Schauspieler Michel Piccoli ist im Alter von 94 Jahren gestorben.
  • Er zählte zu den größten Charakterdarstellern Frankreichs.
  • Michel Piccoli drehte allein sechs Filme mit Romy Schneider.
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In einer seiner letzten großen Kinorollen spielte Michel Piccoli den Papst in der kurzen Zeitspanne zwischen Wahl und Amtsantritt. Überfordert von der vor ihm liegenden Aufgabe bricht Gottes depressiver Stellvertreter in Nanni Morettis “Habemus Papam” (2011) auf in die Ewige Stadt, lässt sich durch die Straßen treiben und kommt unerkannt mit den Leuten ins Gespräch. So etwas wäre Piccoli wohl nie passiert – weder das Überfordertsein im Beruf noch das Unerkanntbleiben auf der Straße.

Der Franzose mit italienischen Musikerwurzeln – sein Vater war Geiger, seine Mutter Pianistin – mehrte bis ins hohe Alter seinen Ruf als einer der größten französischen Charakterdarsteller, auch auf der Theaterbühne. Kaum ein Gesicht steht mehr für Filmkunst als das des Schauspielers mit den buschigen Augenbrauen und der eleganten Halbglatze. Gern versteckte der Charismatiker sein Können hinter minimalistischen Gesten – was nicht heißt, dass er in seinen weit mehr als 220 Filmen nicht auch für Skandale zu haben gewesen wäre.

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In den Siebzigerjahren wartete er gleich mit mindestens drei Aufregerwerken auf: In der anarchischen Komödie “Themroc” (1973) verwandelte er sich in einen kannibalistischen Höhlenmenschen mitten in Paris, der Polizisten am Spieß grillt. In “Das große Fressen” (1973) ergab er sich als Lebensüberdrüssiger mit seinen Freunden sexuellen und kulinarischen Gelüsten mit dem festen Willen, sich zu Tode zu amüsieren – Blähungen und Rülpsen inklusive. Und in “Trio Infernal” (1974) verkörperte er einen eiskalten Mörder, der seine Opfer im Salzsäurebad auflöst.

An der Seite von Brigitte Bardot

“Kunst ist nicht immer schön, sie muss auch stören dürfen”: So lautete Piccolis Credo, sich auf provokative Stoffe einzulassen. Schön anzuschauen war diese Kunst aber ebenso, siehe die Zusammenarbeit mit seinem Lieblingsregisseur Luis Buñuel (“Tagebuch einer Kammerzofe”, “Belle de Jour – Schöne des Tages”, “Der diskrete Charme der Bourgeoisie”).

Berühmt wurde der 1925 in Paris geborene Piccoli an der Seite einer damals schon berühmten Kollegin: In “Die Verachtung” (1963), Jean-Luc Godards böse-bitterer Abrechnung mit dem Kino zwischen Kunst und Kommerz, spielte er einen Drehbuchautor, Brigitte Bardot seine Ehefrau. Sie liegt nackt auf dem zerwühlten Bett und fragt ihren Mann, ob er ihre Brüste, ihre Schultern, ihren Hintern liebe. Er sagt jedes Mal “Ja” – und ist schon damit beschäftigt zu überlegen, wie er die Gattin für seinen Erfolg einsetzen könnte.

Mit intellektueller Note

Ein Frauentyp war Piccoli, aber kein Schönling wie Alain Delon, eher ein Liebhaber mit intellektueller Note und Hang zum Großbürgerlichen. Allein sechs Filme drehte er mit Romy Schneider, darunter “Die Dinge des Lebens” (1970), “Das Mädchen und der Kommissar” (1971) und Schneiders letzten Film “Die Spaziergängerin von Sans-Souci” (1982). Die beiden verband eine enge Freundschaft.

Im wirklichen Leben war Piccoli dreimal verheiratet, in zweiter Ehe mit der Chansonsängerin Juliette Gréco. Nun ist Michel Piccoli im Alter von 94 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Er sei, so heißt es in einer Mitteilung der Familie, in den Armen seiner Ehefrau Ludivine Clerc gestorben.

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