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Erster schwarzer Bond-Schurke und Alien-Opfer: Yaphet Kotto stirbt mit 81 Jahren

  • Als Bösewicht in „007 - Leben und sterben lassen“ und als knurriger Bordingenieur im Sci-Fi-Kultfilm „Alien“ wurde Yaphet Kotto weltbekannt.
  • „Die Faust im Nacken" mit Marlon Brando war der Beginn seiner Leidenschaft für Bühne, Film und Fernsehen.
  • Jetzt starb der Schauspieler aus Harlem mit 81 Jahren auf den Philippinnen, wo er ein Künstlerresort betrieb.
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Nicht jeder konnte mit Parker gut Kirschen essen. Auf dem Raumschiff „Nostromo“ war Yaphet Frederick Kotto, der am Sonntag im Alter von 81 Jahren starb, der Gewerkschafter und Working-Class-Hero Parker, der die lockeren Schrauben anzog und mit breitem Grinsen und dem glühenden Blick der Arbeiterklasse die höheren Dienstgrade abkanzelte. Und dessen bärbeißige Kommentare von seinem ihm nicht von der Pelle weichenden Buddy Brett (Harry Dean Stanton) mit einem stoischen „Genau“ kommentiert wurden.

In Ridley Scotts „Alien“ (1979) war Parkers bodenständig-proletarische Haltung dem Xenomorphen an Bord dennoch ziemlich wurst. Der fremde Organismus – „geschaffen, um zu überleben“ (bewundernder O-Ton von Parkers Mitraumfahrer Ash) – machte auch dem hünenhaften schwarzen Bordingenieur (1,93 Meter) und seinem hageren „Genau“-Sager den Garaus. Und dennoch war der Schrauber Parker die Rolle, mit der der New Yorker Kotto in die Filmgeschichte einging. Mit der er quasi unsterblich wurde.

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„Du hast Schurken in einigen deiner Filme gespielt“, schrieb jetzt seine dritte Ehefrau Tessa Sinahon, die 24 Jahre mit Kotto verheiratet war, zum Abschied auf Facebook, „aber für mich bist du ein echter Held und für viele Menschen auch. Ein guter Mann, ein guter Vater, ein guter Ehemann und ein anständiger Mensch - sehr selten zu finden.“

Kottos Ururgroßvater war in Vorkolonialzeiten König in der Douala-Region des heutigen Kamerun gewesen, sein Vater Njoki Manga Bell, quasi Kronprinz, floh in den Zwanzigerjahren vor den deutschen Kolonialisten in die USA, nannte sich dort Abraham Kotto und wurde Bauarbeiter. Mobbing gehörte von kleinauf zum Alltag des kleinen Yaphet, der als jüdischer Schwarzer das Angriffsziel vieler Rassisten war.

Marlon Brandos Spiel holte Kotto von der Straße

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Kottos Jugend verlief eher ziellos, bis seine Schauspielkarriere dann zufällig begann. Er trieb sich nach zahlreichen Gelegenheitsjobs an der 42nd Street in New York zwischen Porno- und B-Movie-Kinos herum. „Ich ging in eins der Kinos“, erinnerte er sich später, „setzte mich und sah ‚Die Faust im Nacken‘. Danach war ich wie benommen – es war Marlon Brandos Spiel, das mich an jenem Tag von der Straße holte, um Schauspieler zu werden.“

Die erste Bühnenrolle von Yaphet Kotto war 1958 – fast ohne schauspielerische Vorkenntnisse – Shakespeares Othello gewesen, den er 1980 noch einmal auf der Leinwand gab. Zunächst spielte er jedoch winzige Rollen in Serien wie „Bonanza“, „Big Valley“, „High Chaparral“ und „Mannix“. Eindruck machte er dann in eher kleinen Kinorollen: Er spielte einen Barkeeper in Henry Hathaways Western „Todfeinde“ (1968) und einen Dieb in Norman Jewisons elegantem Krimi „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (im selben Jahr). Mit seiner tiefen, ehrfurchtsgebietenden Stimme war er Hollywoods Mann für schwarze Polizisten und Offiziere. Es war eine Zeit, in der – mit Ausnahme von Sidney Poitier – Schwarze keine Hauptrollen bekamen.

Der jüngste Bond-Bösewicht aller Zeiten

Alle Welt aber kannte Yaphet Kotto nach seinem Part des Mr. Kananga alias Mr. Big in „Leben und sterben lassen“ (1973), in dem auch Roger Moore seinen ersten Auftritt als James Bond hatte. Mit 33 Jahren war Kotto der jüngste Bond-Bösewicht aller Zeiten und der erste Schwarze in der Rolle eines Antipoden in 007-Filmen.

Kananga war seine Chance, obgleich ihm die Rolle zutiefst missfiel: „Ich musste tief in meiner Seele und in meinem Kopf graben, um mit einer realistischen Vorstellung herauszukommen. Damit ich diesem stereotypen Müll, den (Drehbuchautor) Tom Mankiewicz geschrieben hatte und der nichts mit ‚schwarzer Erfahrung‘ oder ,Kultur‘ zu tun hatte, etwas entgegenzusetzen hatte.“

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Die Figur Kananga starb – aufgeblasen und zerplatzend wie ein Luftballon – an einer Gaspatrone, die ihm James Bond in den Mund geschoben hatte. „Wie Kananga starb, war ein Witz!“, schimpfte Kotto später. Danach kamen noch filmische Witze wie „Mörderhaie greifen an“ (1975) und „Die Sklavenhölle der Mandingos“ (1976). Nach „Alien“ aber, den er für eine seiner besten Arbeiten hielt, konnte sich Kotto die Rollen aussuchen.

Kotto lehnte Kultrolle in „Star Wars“ ab

Eine, die er zu schnell ablehnte, war die des Lando Calrissian im „Star Wars“-Film „Das Imperium schlägt zurück“ (1980). Er trug Sorge, seine Figur könne schon wieder sterben – und er in die Schublade für todgeweihte Nebencharaktere rutschen.

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In den letzten 20 Jahren machte Kotto sich in Kino und Fernsehen rar. Sein letzter Part war 2014 dann – der Kreis schloss sich – noch einmal die (Sprech-)Rolle des Parker im Videospiel „Alien: Isolation“. Kotto starb am Sonntag auf den Philippinen, wo er schon seit 2001 die meiste Zeit des Jahres verbrachte und wo der fünffache Vater mit seiner Frau „Tessie“ ein Refugium für Künstler betrieb. Das „Running Man Institute“ (benannt nach dem Science-Fiction-Film, in dem Kotto 1987 neben Arnold Schwarzenegger aufgetreten war) bot Menschen in der Unterhaltungsindustrie die Möglichkeit, an ihrer Kreativität zu arbeiten.

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Ach ja, eine halbwegs erfolgreiche Punkband in der Bay Area von Santa Cruz benannte sich Mitte der Neunzigerjahre nach ihm, was am Ende gar nicht so punkig war. Denn „Yaphet“ bedeutet im Hebräischen „schön“.

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