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Woody Allens Autobiografie: “Ein Rachefeldzug wie Käpt’n Ahab”

  • Woody Allens umstrittene Autobiografie “Ganz nebenbei” ist in Deutschland erschienen.
  • In seinen Erinnerungen zieht der New Yorker Regisseur gegen Mia Farrow vom Leder.
  • Was er im Rückblick ändern würde? Auf Wundergemüseschneider verzichten.
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Woody Allen ist 84 Jahre alt. Er hat um die 50 Filme gedreht. Ganz Hollywood hat sich im vergangenen halben Jahrhundert gedrängelt, um für ein besseres Trinkgeld vor seiner Kamera zu stehen. Halb Hollywood stand da auch. Bis er zum Ziel der #MeToo-Debatte und damit zur Persona non grata in der US-Kinoindustrie wurde.

Wenn der New Yorker Regisseur jetzt seine umstrittene Autobiografie “Ganz nebenbei” (Rowohlt Verlag) vorlegt, dann dürften manche das Buch mit dem Finger lesen. Schließlich gab es Proteste von Familienmitgliedern und auch Autoren gegen die Memoiren. Nun endlich kann jeder selbst lesen.

Leser kommen auf ihre Kosten

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Was steht drin über die Schlammschlacht mit seiner Ex-Lebensgefährtin Mia Farrow, die in Filmen wie “The Purple Rose of Cairo” oder “Ehemänner und Ehefrauen” auch seine Lieblingsschauspielerin war? Und was sagt Allen zu den Vorwürfen seiner Adop­tivtochter Dylan, wonach er sie als Siebenjährige missbraucht haben soll?

Auf 443 Seiten kommen Leser voll auf ihre Kosten. Allen zieht vom Leder, vielleicht nur deshalb, weil er als früherer Stand-up-Comedian weiß, dass man sein Publikum füttern muss. Vielleicht auch, weil er zurückschlagen will. Er spricht von einem “Rachefeldzug” Farrows gegen ihn, den sie “wie einst Käpt’n Ahab” unternommen habe.

Die ersten gemeinsamen Jahre mit Farrow seien glücklich gewesen. Die zahlreichen “Warnsignale” in ihrem Verhalten habe er übersehen. Dabei habe Farrows gesamte Familie einen “Schaden” gehabt. Ihre Kinder habe sie seines Wissens nach immer wieder in den Schrank oder einen Schuppen gesperrt.

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In ein “Martyrium” verwandelte sich die längst abgekühlte Beziehung, nachdem Farrow 1992 Polaroidfotos auf dem Kaminsims seines Apartments gefunden hatte. Darauf waren Nacktaufnahmen von Farrows Adoptivtochter Soon-Yi zu sehen, damals 21 und heute Allens Frau. Er habe Farrows Schock nachvollziehen können – aber nicht das, was daraus erwuchs.

Woody Allen: “Ich war unschuldig”

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Die Begebenheit, die zum Missbrauchsvorwurf gegen ihn geführt habe, beschreibt Allen so: “Der Raum war voller Leute. Da auf dem Sofa kein Platz mehr war, setzte ich mich auf den Boden. Möglicherweise habe ich den Kopf kurz zurückgelehnt ans Sofa und dabei auf Dylans Schoß … Mein Kopf auf Dylans Schoß sollte sich mit der Zeit in eine Missbrauchshandlung auf dem Dachboden verwandeln.”

Es hat Ermittlungen gegen Allen gegeben, aus denen er weidlich zitiert. Die Behörden fanden keine Beweise für die sexuellen Übergriffe. Dylans Bruder Ronan Farrow, Journalist und einer der Auslöser der #MeToo-Debatte, hat für seine Schwester Partei ergriffen. Im Rückblick beschreibt Allen die Zeit so: “Ich arbeitete, während ich verfolgt, verleumdet und an den Pranger gestellt wurde. Ich war unschuldig.”

Seine Liebe zu Soon-Yi hat unter dem Konflikt nicht gelitten: Ihr widmete er das Buch: “Für Soon-Yi, die Beste. Sie fraß mir aus der Hand, und plötzlich fehlte mir der Arm.”

Allens eigentliche Leidenschaft gilt Humphrey Bogart und Rita Hayworth

Diese Art von Witz durchzieht das Buch, das man gern als einen nostalgischen Vergangenheitstrip lesen würde und doch nicht kann. Allens eigentliche Leidenschaft gilt Humphrey Bogart und Rita Hayworth – und dem Jazz. George Gershwin und Sidney Bechet sind seine Helden. Und New York ist für ihn immer noch die Stadt seiner Sehnsüchte – so wie es in seinem jüngsten Film “A Rainy Day in New York” zu sehen ist.

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Die humoristische Begabung ist die einzige, die Allen für sich gelten lässt. “Sonst wäre ich vielleicht professioneller Trauergast oder Hühnerdompteur im Zirkusvorprogramm geworden.” Oder Trickbetrüger, Pokerspieler oder Magier – Berufe, die er in Erwägung gezogen hatte, bevor er als gagschreibender Teenager Furore machte.

Ob er etwas anders machen würde, wenn er denn könnte? Allens Antwort: “Ich würde diesen Wundergemüseschneider nicht bestellen, den der Typ im Fernsehen angepriesen hat.” Von ihm wird man vermutlich nie mehr über seine Vergangenheit erfahren, als er in diesem Buch schreibt.

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