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Der Traum von „Aussiewood“ ist geplatzt: Hollywoodproduktionen verlassen Australien wegen Delta-Variante

  • Anfang des Jahres strömten zahlreiche Hollywood­produktionen und US-amerikanische Filmstars nach Down Under.
  • Zu dem Zeitpunkt war Australien eine der wenigen covidfreien Nationen, während die Pandemie in Los Angeles schlimm wütete.
  • Doch ein Ausbruch der Delta-Variante lässt den Traum von „Aussiewood“ nun platzen.
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Mehrere Hollywood­produktionen haben ihre Dreharbeiten aus Australien abgezogen oder auf Eis gelegt. Damit verblasst der Glanz von „Aussiewood“, wie Australien bereits genannt wurde, wieder ein wenig. Anfang des Jahres stand der fünfte Kontinent noch hoch im Kurs, nachdem Dreharbeiten in Los Angeles aufgrund der Covid-19-Pandemie unmöglich oder sehr schwierig geworden waren. Das damals coronafreie Paradies Australien, das mit guten Drehlocations und erfahrenen Crews aufwarten konnte, schien wie ein „Geschenk des Himmels“.

In den fünf Monaten bis Dezember 2020 hatte die Regierungsbehörde Ausfilm noch Anfragen für 37 Projekte erhalten, 300 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Anfang des Jahres schrieb Ausfilm auf seiner Facebook-Seite, dass Melbourne gerade einen Produktionsboom erlebe und die dortigen Docklands Studios mit mehr Projekten beschäftigt seien denn je.

Große Teile Australiens sind inzwischen seit Wochen im Lockdown

Doch wenige Monate später hat sich das Blatt gewendet: Große Teile Australiens sind inzwischen seit Wochen im Lockdown, Sydney und Melbourne sind quasi von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die Delta-Variante ins Land eingeschleppt wurde und die Fallzahlen in den Millionenstädten steigen. Sydney verzeichnet derzeit täglich mehr als 1000 Fälle am Tag. Andere australische Bundesstaaten wie Queensland oder Westaustralien haben ihre Grenzen deswegen geschlossen und machen es Filmproduktionen schwer, zwischen Locations im Land umherzureisen.

Zwei große Produktionen sind deswegen ins Stocken geraten. Die Netflix-Verfilmung von „Extraction 2“ mit dem australischen Schauspieler Chris Hemsworth wurde komplett von Sydney abgezogen und in die tschechische Hauptstadt Prag verlegt. Laut einem Bericht im Magazin „Variety“ ist die Attraktivität Australiens als Filmstandort „in den letzten Monaten aufgrund einer niedrigen Impfrate, dem Ausbruch der ansteckenderen Covid-19-Delta-Variante und einer Vielzahl lokaler logistischer Komplikationen“ gesunken. Vor allem die Lockdowns in den Zentren Sydney und Melbourne hätten Dreharbeiten verkompliziert. Gleichzeitig Grenzbeschränkungen zu „jonglieren“, Listen über autorisierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu führen und dabei auf sich häufig ändernde lokale Regeln einzugehen werde für große Filmteams „zu mühsam“, hieß es.

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Ausbruch der Delta-Variante in Australien

Der Ausbruch der Delta-Variante zwang auch den von Russell Crowe inszenierten Film „Poker Face“ zu einer ungewollten Pause. Die Dreharbeiten mussten sechs Tage vor Drehschluss pausieren, nachdem zwei Crewmitglieder positiv auf Covid-19 getestet wurden. Laut einem Bericht des „Guardian“ wurde der Film mit Crowe und Liam Hemsworth in und um Sydneys Innenstadt gedreht. „Wir haben strenge Protokolle befolgt“, schrieb Crowe Ende August auf Twitter. Das gesamte Team sei in den vergangenen elf Wochen dreimal pro Woche getestet worden, und die Crew habe während der Dreharbeiten Masken getragen – mit Ausnahme von drei Mitarbeitern, die eine medizinische Begründung gehabt hätten. Doch nach den positiven Diagnosen muss sich nun die gesamte Produktion isolieren.

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Auch andere Produktionen wurden eingestellt oder frühzeitig abgebrochen. So finden die Dreharbeiten zum HBO-Film „Days of Abandonment“ nicht mehr statt, nachdem die Hauptdarstellerin Natalie Portman ihre Rolle aus persönlichen Gründen abgesagt hat. Auch die Netflix-Fernsehserie „God’s Favourite Idiot“ filmte letztendlich nur die Hälfte der geplanten Folgen, wie es in lokalen Medien hieß.

Baz Luhrmanns neues Filmprojekt „Elvis“ vorübergehend pausiert

Selbst Baz Luhrmanns neues Filmprojekt „Elvis“ wurde laut einem Bericht der Zeitung „The New Daily“ vorübergehend pausiert und soll nun sechs Monate später als geplant – im Juni 2022 – herauskommen. Dabei ist der Bundesstaat Queensland, in dem „Elvis“ gedreht wird, bisher kaum von den steigenden Covid-Fällen betroffen.

Eine neue Serie für Disney+, die auf dem Jules-Verne-Roman „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ beruht, soll deswegen nach wie vor an der Gold Coast gefilmt werden, wie Ende August bekannt wurde. Auch die Dreharbeiten für eine zehnteilige Netflix-Serie („Irreverent“) über einen amerikanischen Gauner, der sich in einem kleinen Ort in Queensland vor den Behörden versteckt, sollen noch vor Ende des Jahres beginnen.

Herber Schlag auch für Neuseeland

Lokale Produzenten wollen den Filmstandort Down Under deswegen auch noch nicht völlig aufgeben, vor allem da die australische Regierung großzügige finanzielle Anreize für Filmproduktionen ausgelobt hat. So plant Russell Crowe nach wie vor ein neues Filmstudio in Coffs Harbour nördlich von Sydney, und auch in Fremantle in Westaustralien sowie im Westen von Sydney sollen neue Studios entstehen. Doch der anfängliche Glanz, den große Hollywoodproduktionen Anfang des Jahres noch nach Australien gebracht hatten, ist inzwischen ein wenig verblasst. Auch vom „Aussiewood“, wie viele das Land bereits scherzhaft in Anspielung an „Hollywood“ nannten, ist nicht mehr die Rede.

Neben Australien musste auch das benachbarte Neuseeland einen herben Schlag für seine Filmindustrie hinnehmen. So gab Amazon Mitte August bekannt, dass die Dreharbeiten für die zweite Staffel einer „Herr der Ringe“-Serie nicht mehr in Neuseeland, sondern in Großbritannien stattfinden sollen.

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