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Warten auf Godot und Geld: Die Kulturszene fühlt sich in der Corona-Krise vergessen

31.08.2011 Schlosspark Theater Berlin Eine Aufführung von Warten auf Godot von Samuel Beckett

31.08.2011 Schlosspark Theater Berlin Eine Aufführung von Warten auf Godot von Samuel Beckett

“Die Kultur kann nicht mehr länger warten.” So schlicht, so bitter fällt das Zwischenfazit von Olaf Zimmermann aus, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Wie Wladimir und Estragon, die Hauptfiguren in Samuel Becketts absurdem Theaterstück “Warten auf Godot”, warte “die gesamte deutsche Kulturwelt” auf das angekündigte Konjunkturprogramm des Bundes für die Kultur. Zwar gebe es einzelne Förderprogramme von Bund, Ländern und freien Stiftungen, die darbenden Künstlern, Musikern, Tontechnikern, Beleuchtern, Musikproduzenten, Autoren, Filmemachern, Artisten und Kabarettisten durch die Krise helfen sollen. Sie seien jedoch nicht ausreichend.

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Die Welt des Guten und Wahren leidet. 5,5 Milliarden Euro gehen allein der Veranstaltungswirtschaft bis Jahresende verloren – durch ausfallende Konzerte in Opernhäusern, Theatern, Kirchen, Clubs und kleinen Bühnen –, schätzt der Bundesverband. Während rasch Milliardensummen für Großkonzerne flossen, erwiesen sich “viele Hilfsprogramme besonders für Kulturschaffende bei näherer Betrachtung als Fata Morgana”, kritisiert Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik von Bündnis 90/Die Grünen und Obmann im Kulturausschuss. Die Kultur- und Kreativwirtschaft weise mit 21 Prozent einen hohen Anteil von Freiberuflern, (Solo-)Selbständigen und Honorarkräften auf. Die Trennung zwischen Betriebs- und Lebenshaltungskosten, wie sie die Soforthilfen bisher vorsehen, entspreche dabei “nicht ihrer Arbeitswirklichkeit: Leben und arbeiten, Atelier oder Probenraum und Wohnzimmer sind dabei oft eins.”

Berlin: Kulturdemo wird zum Wasserrave

Eine Protestaktion gegen das Aussterben der Club- und Ravekultur wurde am Sonntag in Berlin zu einem Wasserrave mit Hunderten Menschen.

Der Flickenteppich hilft der Kreativbranche kaum

Der Bund zahlt im Programm “Neustart” 20 Millionen Euro, um Museen, Bibliotheken und Theater für die Coronaregeln umzurüsten – und bezahlt die Künstlerhonorare für angesagte Kulturevents des Bundes. Niedersachsen hat sechs Millionen Euro für die Kunst bereitgestellt, Sachsen hilft unter anderem mit Darlehen, Sachsen-Anhalt will seinen Künstlern mit Zahlungen von 1000 Euro pro Person und Monat durch die Krise helfen, Mecklenburg-Vorpommern will Künstler, Kulturschaffende, Weiterbildungsträger und Gedenkstätten mit einem 20-Millionen-Euro-Hilfspaket helfen.

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Bei der Deutschen Orchester-Stiftung können Musiker einmalig 500 Euro Nothilfe beantragen. ARD und ZDF übernehmen die Hälfte der Mehrkosten, die TV-Produktionsfirmen etwa durch Dreharbeiten entstanden sind, die wegen der Coronakrise verschoben werden mussten. Doch der Flickenteppich aus Stipendien, Zuschüssen und Projektgeldern hilft der Kreativbranche kaum, die den Kampf um ihre Finanzierung zwar gewohnt ist, von der Krise aber so hart getroffen wurde wie kaum eine andere.

“Kultur und Religion mussten die Erfahrung machen, von einem Tag auf den anderen für irrelevant erklärt zu werden”, klagte Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland, im Magazin “Politik & Kultur” des Deutschen Kulturrats. “Plötzlich galten sie nicht mehr als Quellen des Schönen und Guten, sondern als Gefahrenherde.” Für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ist zwar “klar, dass Kunst und Kultur elementar für unser Zusammenleben sind”. Das Warten auf einen Kulturinfrastrukturfonds des Bundes allerdings, der auch der freien Bühnenbildnerin, dem Sachbuchautor, dem Kabarettveranstalter und dem Filmemacher zumindest etwas Perspektive verschafft, geht weiter.

RND

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