Zum Tod von Volker Lechtenbrink: Erst war die Bühne Spaß, dann sein Leben

  • Mit einem Schlag war der Name Volker Lechtenbrink 1959 allen Deutschen bekannt.
  • Mit der Rolle eines Jugendlichen in dem Antikriegsfilm „Die Brücke“ begann für den damals 14-Jährigen eine Karriere als Schauspieler, Regisseur, Intendant, Synchronsprecher und Popstar.
  • Am Montag ist Volker Lechtenbrink im Alter von 77 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.
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Die Normalität einer Endzeit hatte Regisseur Bernard Wicki in der ersten halben Stunde seines Schwarz-Weiß-Meisterwerks „Die Brücke“ (1959) eingefangen. Das Dritte Reich rollt seine Fahnen ein, nicht ohne noch Defätisten zu exekutieren und ein letztes Aufgebot für die verlorene Sache zu opfern. Eine Riege Jungstars der 50er spielt die Schulbubengruppe, die eine strategisch minderwertige Brücke bewachen soll. Wicki führt seine Helden ausführlich ein, ihr anschließendes Sterben trifft den Zuschauer umso härter.

Sein Auftritt als Kindsoldat in „Die Brücke“ schockte die deutschen Kinogänger

Einer davon war Volker Lechtenbrink, der als 14-Jähriger mit der Rolle des Klaus Hager, der absichtsvoll ins feindliche Feuer lief, das deutsche Kinopublikum schier umhaute. Es war der Anfang einer großen, vielseitigen Karriere, die nun am Montag in Hamburg zu Ende ging. Der in Ostpreußen geborene Lechtenbrink starb im Alter von 77 Jahren nach einer schweren Erkrankung im Kreise seiner Familie.

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„Der hat Talent, der Junge!“ Schon ganz früh hatte die deutsche Theaterlegende Gustaf Gründgens in Lechtenbrink einen Schauspieler gesehen, als der mit zehn Jahren am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg im Weihnachtsmärchen „Lawalu“ auftrat. Für den jungen Volker, der sich sein erstes Geld mit acht als Moderator von Kindersendungen für den NDR verdient und sich dafür Murmeln gekauft hatte, war die Bühne zu Beginn ein Spaß.

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Für Lechtenbrink gab es „nie etwas anderes als die Schauspielerei“

Zugleich gab es für ihn nach eigenem Bekunden, „nie etwas anderes als die Schauspielerei“. 1963 startete Lechtenbrink an der Landesbühne Hannover seine professionelle Bühnenlaufbahn. In Köln und München spielte er alsdann, 14 Jahre – von 1969 bis 1983 – war er am Deutschen Schauspielhaus engagiert , führte dort auch Regie. Er war Intendant der Festspiele Bad Hersfeld und leitete einige der Nullerjahre das Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg.

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Volker Lechtenbrink mit seinen Künstlerkollegen Peter Maffay und Ben Becker © Quelle: imago images / Christian Schroedter

Immer wieder neu anzufangen, sich auszuprobieren und weiterzuziehen brachte die Spannung mit sich, die der Theatermacher und Tausendsassa brauchte. „Ich war immer neugierig. Und ich hatte Glück“, bekannte er vor sieben Jahren in einem Interview mit dem „Münchner Merkur“. Selbstvertrauen und Selbstzweifel seien nötig in den Künsten, so seine Überzeugung, nur so ließe sich etwas bewegen.

Fernsehen machte er zuhauf und wie nebenbei, er zog durch sämtliche große Krimiformate wie „Der Kommissar“, „Derrick“, „Der Alte“, „Ein Fall für zwei“ – und war nur einmal im „Tatort“ zu sehen, als betrügerischer Arzt, der die Ermordung seiner Frau in Kauf nahm. Eine seiner bedeutendsten Rollen war 1979 die des Kriegsgewinnlers Erich Hackendahl in der Hans-Fallada-Verfilmung „Der eiserne Gustav“. TV brachte Präsenz, jeder in der Bundesrepublik kannte Lechtenbrinks Gesicht, jungenhaft und sympathisch erschien er stets – aber er war keiner für die Prinz-Charming-Rollen. Man mochte das. Man mochte ihn.

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Und dann auch noch ein Popstar: „Leben, so wie ich es mag“

Auch als Sänger und Liedermacher machte Lechtenbrink von sich reden. 1976 wurde – Jahrzehnte vor #MeToo – „Der Macher“ ein Erfolg, seine kongeniale Coverversion von Kris Kristoffersons Missbrauchssong „The Taker“ (mit seiner sonoren Stimme war er auch Kristoffersons Synchronsprecher). Fünf Jahre später gab es keinen Radiosender, der das Liebeslied „Ich mag (und ganz doll dich)“ nicht gefühlt zehnmal pro Tag spielte. 13 Alben nahm Lechtenbrink bis 1989 auf. Und seine Eindeutschung des Don-Williams-Songs „Tulsa Time“ schien 1980 quasi des Barden Freiheitscredo zu sein: „Leben, so wie ich es mag / Leben spüren Tag für Tag / Das heißt immer wieder fragen / Das heißt wagen, nicht nur klagen.“

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So hieß 34 Jahre später auch ein Theaterstück, das seine Tochter Saskia – „sie hat denselben Humor wie ich“ – zu seinem 70. Geburtstag geschrieben hatte. Familienmensch war er seinen drei Kindern gern. In seinem Büro im Ernst-Deutsch-Theater hingen Mallorca-Bilder von Adoptivsohn Robert, einen Brief seiner damals 12-jäh­rigen Tochter Sophie hatte er bei sich: „Lieber Papa, du bist ein toller Papa“, stand darauf zu lesen. Mensch war der Mann auch noch, der im August – ein Kreis schloss sich – den Gustaf-Gründgens-Preis verliehen bekam. „Sein Schaffen für die Welt des Theaters“, hieß es in der Begründung, „ist immer mit seinem unbeugsamen Eintreten für Menschlichkeit verbunden.“

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