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“Unsere wunderbaren Jahre”-Autor Peter Prange: “Die ganze Menschheit muss sich im Zeichen von Corona bewähren”

  • Im Fernsehen läuft der ARD-Dreiteiler “Unsere wunderbaren Jahre” über die Wirtschaftswunderzeit, während das Coronavirus die Republik und den Rest der Welt in Atem hält.
  • Im RND-Interview spricht Autor Peter Prange über die Verfilmung und die Corona-Krise.
  • “Die ganze Menschheit muss sich im Zeichen von Corona bewähren, die ganze Menschheit zusammen und jeder einzelne Mensch für sich”, sagt der Bestsellerautor.
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Ist es nicht Ironie des Schicksals, dass die Verfilmung Ihres Romans “Unsere wunderbaren Jahre” über die Wirtschaftswunderzeit ausgerechnet dann läuft, wenn Deutschland und die ganze Welt wegen des Coronavirus vor einer neuen, riesigen Herausforderung stehen?

Vielleicht Ironie, vielleicht aber auch ein Wink des Schicksals. Damit wir uns wieder darauf besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das ist ja das Thema meiner Geschichte – und dieses Thema beschäftigt uns heute genauso wie damals. Das bekomme ich von meinen Lesern und Zuschauern in zahllosen Zuschriften bestätigt. Sie alle freuen sich, gerade in diesen Zeiten den Roman zu lesen beziehungsweise den Film zu schauen. Weil sie die Parallelen sehen.

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Glauben Sie, dass in ein paar Jahrzehnten auch mal Schriftsteller über die aktuelle Corona-Krise schreiben werden?

Ich bin sicher, da sind jetzt schon einige am Werk. Und um ehrlich zu sein, ich habe selbst auch schon daran gedacht. Die ganze Menschheit muss sich im Zeichen von Corona bewähren, die ganze Menschheit zusammen und jeder einzelne Mensch für sich. Was für ein Thema!

“Nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft soll unser Leben bestimmen”, sagt einer Ihrer Protagonisten. Würden Sie sich diesem Satz anschließen?

Unbedingt. Die Dringlichkeit der Zukunft haben wir selten stärker erlebt als zurzeit. Was vor zwei Wochen noch undenkbar schien, ist heute schon fast Alltag geworden. Fast stündlich müssen wir uns neu entscheiden, was zu tun ist, nach Maßgabe der Zukunft, was diese von uns erfordert.

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Im Umkehrschluss: Was können die Menschen aus der Vergangenheit lernen?

In meinem Roman, der ja im Gegensatz zum Film den Bogen bis in die Gegenwart spannt, erzähle ich von dem fast unglaublichen Wunder, wie unsere Eltern und Großeltern es in nur zwei Generationen geschafft haben, aus den Trümmern des größten Schurkenstaats aller Zeiten, Nazi-Deutschland, ein so lebenswertes Land wie das heutige Deutschland zu erschaffen. Was für eine großartige Leistung! Die Besinnung darauf sollte uns Mut machen für unsere eigene Zukunft, die Zeit nach Corona.

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Was ist es für ein Gefühl, wenn man die Figuren, die man sich als Autor vor Jahren ausgedacht hat, plötzlich auf dem Bildschirm sieht?

Es ist ein bisschen so, als würde ich durch meine eigenen Träume spazieren gehen. Plötzlich haben sich meine Gedanken materialisiert, haben meine Figuren Fleisch und Blut angenommen. Ein wirklich traumhaftes Erlebnis.

Hätten Sie bei der Verfilmung etwas anders gemacht?

Natürlich – oder haben Sie schon mal einen Autor erlebt, der die Verfilmung besser findet als seinen Roman? (lacht) Aber wer die “wahre” Geschichte kennenlernen möchte, braucht ja nur mein Buch zu lesen. Dabei erfährt er dann auch, wie die Geschichte über den Film hinaus weitergeht.

Beim dritten und letzten Teil der Verfilmung hat man als Zuschauer den Eindruck, dass das sehr viel Handlung und zeitlicher Abriss in eine Folge gequetscht wurde. Wäre ein vierter Teil nicht besser gewesen? Oder ist das am Ende auch eine Frage des Budgets?

Klar, ein vierter Teil hätte sicher nicht geschadet, um die Geschichte in diesem Teil etwas gelassener zu erzählen. Aber wie hat unser aller Vorbild Goethe gesagt? “Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles, ach, wir Armen!”

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Woran schreiben Sie gerade aktuell?

An der Vorgeschichte von “Unsere wunderbaren Jahre” - wie alles begann. Sie spielt im Hungerwinter 1946 und sollte eigentlich nur eine kleine Weihnachtsgeschichte von maximal hundert Seiten werden. Doch da ich kurz nicht kann, wird das jetzt doch ein richtiger Roman. “Winter der Hoffnung”, so der Titel, und wenn Corona will, wird der Roman im kommenden Herbst erscheinen.

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