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Trauer um Ric Ocasek: Mit den Cars machte er den coolsten New Wave von 1979

  • Ric Ocasek, einer der großen US-Popstars der Achtzigerjahre, wurde am Sonntag tot in seinem New Yorker Domizil aufgefunden.
  • Mit seiner Band The Cars hatte er in den Achtzigerjahren weltweiten Erfolg.
  • Erst spät, ein Jahr vor seinem Tod, wurde die Gruppe in die Rock-’n’-Roll-Hall-of-Fame aufgenommen.
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„Wenn du müde geworden bist, irgendwo reinzupassen, dann wirst du wirklich du selbst.“ Ric Ocasek sagte das, der Sänger der 1976 gegründeten The Cars. Die Band aus Boston zählte 1979 und 1980 zur Speerspitze des New Wave. Zur kühlen Gitarre von Elliot Easton und dem sonoren Bariton von Ocasek gesellten sich die Synthesizer von Greg Hawkes. Elektropop war auf dem Vormarsch, die Cars waren 1979 mit ihrer Gitarren-Keyboard-Melange so hip wie Blondie mit „Eat to the Beat“ oder das Debütalbum von Pat Benatar – sehnsuchtsvolle Gesänge zu Neonsounds ergaben beim Hören ein flirrendes urbanes Gefühl, auch wenn man hinter den sieben Bergen auf dem Dorf wohnte.

Die ersten drei Cars-Singles, „Just What I Needed“, „My Best Friend’s Girl“ und „Good Times Roll“, gehörten zu den coolsten Songs des Jahres. Ocasek, der hager wirkte, irgendwie fremdweltig und der zudem fast alle Songs der Cars schrieb, war jetzt ein Popstar. Ironie des Schicksals, dass sein größter Hit, die später auch von den Scorpions gecoverte Schmuseballade „Drive“, von seinem Freund und Bandmitgründer, dem Bassisten Benjamin Orr, gesungen wurde.

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Vielleicht hat Richard Theodore Otcasek, der am Sonntag von seiner getrennt lebenden dritten Ehefrau, dem Supermodel Paulina Porizkova, tot in seinem New Yorker Haus gefunden wurde, schon aufgehört, „reinpassen“ zu wollen, als die Cars mit ihrem fünften Album „Heartbeat City“ 1984 zu einem Mainstreamphänomen und Megaseller geworden waren; deren Singles von MTV quasi in Kette abgefahren wurden und die nun auch weltweit in den Charts landeten. Nach diesem hochmelodiösen Mix aus Synthpop und Fünfziger-Jahre-Rock-’n’-Roll schienen ihm die Cars nicht mehr so wichtig.

Der 1944 geborene Rocker aus Maryland, dessen erste Band ID Nirvana hieß (möglicherweise ein Grund, warum Kurt Cobains Nirvana bei ihrem letzten Liveauftritt den Cars-Song „My Best Friend’s Girl“ coverten), wandte sich spröderen Soloalben zu, die wohl jedem gefallen durften, aber niemandem gefallen mussten – außer ihm selbst. 1988 lösten sich die Cars auf, was zu einer tiefen Entfremdung zwischen Ocasek und Orr führte. 2005 widmete er dem 2000 an Krebs verstorbenen Weggefährten das Lied „Silver“ auf seinem Album „Nexterday“: „Du warst meine Party, du warst mein Tee, / du warst der, der sein Vertrauen in mich setzte.“

Das hatte schon seine Großmutter getan, die den jungen Richard mit fünf Jahren zum Singen ermutigt hatte und ihm mit zehn Jahren eine Kaufhausgitarre schenkte. Ocasek selbst wiederum baute als Produzent jüngere Bands auf, half Indiegruppen wie Bad Brains, No Doubt, Nada Surf, Guided By Voices und der irischen Folkpunkcombo Black 47 im Studio, aber auch Legenden wie Suicide, Bad Religion und Jonathan Richman. Für Weezer produzierte er deren „blaues Album“ (ihr Debüt von 1994) und sechs Jahre später ihr „grünes“.

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Eine Wiedervereinigung der Cars ging 2011 an den Charts der Welt vorbei

Eine Reunion des verbleibenden Quartetts von The Cars mit dem durchaus hörenswerten Album „Move Like This“ ging 2011 nahezu spurlos an den Charts der Welt vorbei. 2017 ging Ocaseks Ehe mit Porizkova in die Brüche, die er beim Dreh des „Drive“-Videos kennengelernt hatte und mit der der Vater von insgesamt sechs Kindern (aus drei Ehen) zwei Söhne hatte. Die Familie blieb einander dennoch eng verbunden, wie Porizkova sagte. 2018 wurden die Cars endlich in die Rock-’n’-Roll-Hall-of-Fame aufgenommen.

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„Höhepunkte dauern nicht an, sie sind nur hoch und passieren. Es fühlt sich toll an in dem Moment, in dem es passiert, aber du kannst nicht in ihnen leben“, sagte Ocasek einmal in einem Interview. Der Höhepunkt seiner Musikerkarriere und der seiner Band liegen lange zurück. Businesskollegen wie Billy Idol oder Bette Midler drückten nach der Todesnachricht (ein Verbrechen wurde von der Polizei ausgeschlossen) in den sozialen Medien ihre tiefe Trauer aus.

Popfans, die in den Achtzigerjahren oder später geboren wurden, kennen von Ocasek allenfalls noch den Hit „Drive“, den die Oldiesender noch immer oft dudeln. Das heißt nicht, dass sie nicht doch Gefallen am Rest vom Fest finden könnten. Einfach mal das Debüt „The Cars“ bei Spotify aufrufen oder aus Daddys Plattenregal kramen. Und man wird sich wundern. Von da aus kann dann eine große Entdeckungsreise zu jemandem losgehen, der früh und ganz wunderbar aufgehört hat, reinzupassen.