Tony Allen ist tot – der Architekt des Afrobeat

  • Zusammen mit Fela Kuti ersann der nigerianische Schlagzeuger Tony Allen in den Sechzigerjahren den Afrobeat, mit Damon Albarn spielte er bei The Good, the Bad & the Queen.
  • Jetzt starb der afrikanische Musiker in einem Pariser Krankenhaus an einem Aneurysma der Bauchaorta.
  • Zuletzt erschien im März mit “Rejoice” ein Album mit dem 2018 verstorbenen Trompeter Hugh Masekela.
Anzeige
Anzeige

Der sogenannte Afrobeat war sein Beat. “Ohne Tony Allen kein Afrobeat”, bestätigte der 1997 verstorbene nigerianische Popstar Fela Kuti einmal. Jetzt trauert die Welt um den Autodidakten, den traditionelle nigerianische Musik ebenso inspirierte wie der US-Jazz und die afrikanisch-europäische Klangschmelze namens Highlife. Der Schlagzeuger Allen starb im Alter von 79 Jahren in Paris, wie die Nachrichtenagentur AFP nach Auskunft seines Managers Eric Trosset mitteilte. Der Tod kam plötzlich, er sei nicht durch eine Infektion mit dem Coronavirus bedingt gewesen. Vielmehr sei für Allens Tod angeblich ein Aneurysma der Bauchaorta ursächlich gewesen.

Allens Tod kam völlig überraschend

“Er war völlig gesund, der Tod kam völlig überraschend”, teilte Trosset mit. Am Mittag habe er noch mit Allen gesprochen, zwei Stunden später habe der Musiker sich nicht gut gefühlt. Er sei von Courbevoie nahe Paris ins Krankenhaus Pompidou gebracht worden, wo er gestorben sei.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Allen war in den 60er- und 70er-Jahren der Drummer und musikalische Direktor von Fela Kuti gewesen. Er strebte nach Einzigartigkeit, Unverwechselbarkeit. Und damit hatte er den Passierschein in Kutis Band. “Wie kann es sein, dass du der einzige Kerl in Nigeria bist, der so spielen kann – Jazz und Highlife in einem?”, soll Kuti gesagt haben.

Mit The Good, the Bad and the Queen lernten ihn Jüngere kennen

1984 wanderte Allen nach London aus, zog nach Paris um, spielte mit Stars wie Manu Dibango und King Sunny Adé. Experimente mit Dub und Hip-Hop führten zu einem neuen Sound, dem Afrofunk, der auch elektronische Elemente enthielt. Für den Avantgardisten Brian Eno war Allen “der vielleicht größte Schlagzeuger, der je gelebt hat”. Einer jüngeren Generation von Musikfans wurde er 2006 bekannt, als er mit Damon Albarn (Blur, Gorillaz) das Debütalbum der Band The Good, the Bad & the Queen einspielte.

Anzeige

Gerade erschien mit “Rejoice” ein neues Album

Im März erst erschien Allens groovendes Album „Rejoice“, eine Zusammenarbeit mit dem 2018 verstorbenen Trompeter Hugh Masekela. Dieses wurde weitgehend 2010 eingespielt, 2019 kamen noch einige Overdubs dazu. Das Ergebnis ist eine magische Einheit aus Trompete und Schlagzeug, auf der Masekelas Trompete durch Allens Beats tänzelt, ein betörendes Werk, das mit früheren Großtaten Allens mithalten kann. Bis zuletzt hat der Architekt des Afrobeat seine Einzigartigkeit bewahrt.

RND/big

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen