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Tödlicher Schuss am Set: Was kann Hollywood aus dem Tod von Halyna Hutchins lernen?

  • Vor zehn Tagen stirbt die Kamerafrau Halyna Hutchins am Set des Westerns „Rust“, getötet durch den Schuss einer Waffe von Alec Baldwin, die scharfe Munition enthielt.
  • Die genauen Hintergründe des tragischen Vorfalls sind weiter unklar.
  • Inzwischen stellt sich aber auch die Frage, was Hollywood aus dem Tod Hutchins lernen kann.
Natascha Wittmann
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Los Angeles. Es ist eine Tragödie, die man sonst nur aus Hollywoodstreifen kennt. Vor zehn Tagen schoss Leinwandstar Alec Baldwin bei einer Szenenprobe am Filmset von „Rust“ versehentlich auf Kamerafrau Halyna Hutchins. Die Mutter eines kleinen Sohnes starb wenig später an den Folgen ihrer Schussverletzung im Alter von 42 Jahren.

Seit dem tragischen Unfall, der sich in Santa Fe (US-Bundesstaat New Mexico) auf der „Bonanza Creek Ranch“ zugetragen hat, kommen immer mehr schreckliche Details ans Tageslicht. Baldwin, der den Todesschuss scheinbar unwissentlich mit einer Waffe abfeuerte, sicherte kurz nach dem Vorfall auf seinen Social-Media-Kanälen zu, dass er der Polizei bei den Ermittlungen helfen werde.

Wie konnte es soweit kommen?

Aus zwei Untersuchungsberichten geht bislang hervor, dass ein Regieassistent Baldwin bei der Übergabe der Waffe zurief, dass es sich um eine „kalte Waffe“ ohne scharfe Munition handelte. Das Tragische: Der Assistent will in dem Moment nicht gewusst haben, dass eine geladene Patrone in der Pistole steckte. Diese Patrone traf Halyna Hutchins im Bauchbereich und verletzte auch Joel Souza, den Regisseur des Westerns.

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Wie die „Los Angeles Times“ erfahren haben will, sollen sich Mitarbeiter am Set von „Rust“ bereits vor dem tödlichen Schuss über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen beschwert haben. Angeblich soll der Revolver, den Baldwin schließlich in den Händen hielt, schon dreimal zuvor fehlgezündet haben. Die Zustände sollen so schlimm gewesen sein, dass insgesamt sechs Mitarbeiter aus Protest die Produktion kurz vor dem tragischen Unfall verließen.

Video
Waffe von Alec Baldwin nicht ordnungsgemäß überprüft
1:55 min
Der US-Schauspieler hatte vergangene Woche bei einem Filmset die Kamerafrau Halyna Hutchins getötet und den Regisseur Joel Souza verletzt.  © Reuters
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Besonders über den Regieassistenten Dave Halls, der Baldwin die Waffe übergab, werden immer mehr dunkle Details bekannt. Wie der US-Sender NBC berichtet, soll er bereits bei einer vorherigen Produktion mehrere Sicherheitsstandards verletzt haben und für seinen lockeren Umgang mit Waffen bekannt sein.

Waffenmeisterin weist Vorwürfe der Nachlässigkeit zurück

Ebenfalls in der Kritik steht die 24 Jahre alte Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed, die für die Handhabung aller Requisitenwaffen am Set von „Rust“ zuständig war. Ob ihre Unerfahrenheit zum tragischen Tod von Halyna Hutchins beigetragen haben könnte, dürfte auch eine der Fragen sein, der die Polizei nachgeht. Sie habe „keine Ahnung“, wo die dort gefundene scharfe Munition hergekommen sei, ließ die 24-Jährige am Freitag über ihre Anwälte in einem Schreiben mitteilen, aus dem mehrere US-Medien zitierten. Vorwürfe der Nachlässigkeit am Set ließ Gutierrez-Reed über ihre Anwälte zurückgewiesen – und beklagte ihrerseits unsichere Arbeitsbedingungen am Set.

Klar ist jedoch, dass diverse Platzpatronen neben scharfer Munition aufbewahrt wurden. Möglicherweise kam es so zu der fatalen Verwechslung beim Laden der Waffe.

Die Produktionsfirma „Rust Movie Productions“ ist sich derweil keinerlei Schuld bewusst und weist laut eines Berichtes der „New York Times“ alle Vorwürfe zurück. In einem Statement betonte ein Sprecher: „Obwohl uns keine offiziellen Beschwerden über die Sicherheit von Waffen oder Requisiten am Set bekannt geworden sind, werden wir eine interne Überprüfung unserer Verfahren durchführen, während die Produktion unterbrochen ist.“

Was hat Hollywood aus dem Fall gelernt?

Eigentlich gelten die Regeln für den Gebrauch von Requisitenwaffen als sehr streng. Umso größer ist die Fassungslosigkeit, die sich nach dem Drama in New Mexico breit macht. Hollywood gilt als Mekka der Filmbranche – und nun werden genau dort Rufe nach einem Verbot von Schusswaffen an Filmsets laut. Dave Cortese, der demokratische Abgeordnete im kalifornischen Senat, forderte sogar ein Gesetz, das scharfe Munition an Filmsets gleich ganz verbietet.

Zudem wurde jüngst eine Petition veröffentlicht, die ein Schusswaffenverbot sowie bessere Arbeitsbedingungen für Filmschaffende fordert. Diese wurde bereits von mehreren Zehntausend Menschen unterschrieben. Der Grundtenor der Petition lautet: Es gebe „keine Entschuldigung dafür, dass so etwas im 21. Jahrhundert passiert“.

Und tatsächlich: Der tragische Tod von Halyna Hutchins scheint schon etwas bewirkt zu haben. Wie das Branchenmagazin „The Hollywood Reporter“ schreibt, soll das US-Polizeidrama „The Rookie“, das in Los Angeles gedreht wird, mit sofortiger Wirkung beschlossen haben, scharfe Munition vom Set zu verbannen.

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