Sie spielte Anthony Quinn an die Wand

Mehr als eine Diva: Gina Lollobrigida ist gestorben

Berühmt in Italien und in Hollywood: Gina Lollobrigida in den 50er-Jahren.

Berühmt in Italien und in Hollywood: Gina Lollobrigida in den 50er-Jahren.

Als sie ihren 90. Geburtstag feierte, rollte Rom ihr den roten Teppich aus. Und das war wörtlich zu verstehen: 200 Meter lang war der Ehrenbeweis und führte zur Piazza di Spagna, dem Spanischen Platz, im Herzen der Stadt.

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Dort feierte „La Lollo“ oder „Gina nazionale“, wie Gina Lollobrigida in Italien liebevoll genannt wurde, vor fünf Jahren mit Hunderten ihrer Fans und enthüllte eine ihrer Skulpturen. Denn inzwischen hatte die 1927 im Örtchen Subiaco östlich von Rom geborene Schauspielerin längst schon eine dritte Karriere als Bildhauerin begonnen – nach einer zweiten als Fotografin, in der sie Berühmtheiten wie Salvador Dalì, Ronald Reagan, Pelé und auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft porträtiert hatte.

Nicht nur die Italiener kannten sie jedoch als die „Schönste Frau der Welt“. So lautete der Titel einer ihrer Filme von 1955. Lollobrigida zählte zusammen mit Sophia Loren, Claudia Cardinale und Monica Vitti zu den großen Diven des italienischen Nachkriegskinos.

Gina Lollobrigida 2014.

Gina Lollobrigida 2014.

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Gina Lollobrigida: Spielte Anthony Quinn an die Wand

Dabei tat man ihr mit dieser Bezeichnung genauso unrecht wie ihren Konkurrentinnen um die besten Rollen – auch wenn sich Lollobrigida auch viel später noch gern in ausgefallenen Abendroben und grell geschminkt in Szene setzte. Denn sie war mehr als eine Diva: Was sie als Charakterdarstellerin konnte, bewies sie in ihrem wohl berühmtesten Film – als Esmeralda in „Der Glöckner von Notre Dame“ (1956).

Sie habe Anthony Quinn quasi an die Wand gespielt, hieß es damals. Ein Oscar war ihr auch bei diesem Ausflug nach Hollywood aber nicht vergönnt. Italienische Filmpreise sammelte sie dagegen einige.

In ihrer großen Zeit im männerdominierten Kino der Fünfziger und Sechzigerjahre wurde die temperamentvolle Schauspielerin mit dem sinnlichen Lächeln unweigerlich in die Schublade mit der Aufschrift Sexsymbol eingeordnet. Für Filme wie „Fanfan, der Husar“ (1952), „Die Schönen der Nacht“ (1952), „Liebe, Brot und Fantasie“ (1953) oder „Salomon und die Königin von Saba“ (1959) wurde sie gefeiert. Die Italienerin spielte in knapp 70 Werken. Ihre Partner waren Humphrey Bogart, Sean Connery, Marcello Mastroianni, Alec Guinness oder auch Horst Buchholz.

Ungeschminkt und hässlich

Im Rückblick ärgerte sie sich darüber, immer wieder als Männerschwarm abgestempelt worden zu sein: Ihre Lieblingsrolle sei die in dem in Deutschland kaum bekannten Film „Verrücke Seefahrt“ (1963) gewesen, hat sie mal gesagt. „Ich war ungeschminkt, hässlich hergerichtet, und trotzdem fühlte ich mich in meinem Element.“

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Konsequenterweise zog sie sich Anfang der 70er-Jahre aus der Schauspielerei zurück. „Ich habe es abgelehnt, mich auszuziehen“, begründete sie diesen Schritt. Deshalb hätten Filmproduzenten sie nicht mehr besetzt. Den harten Kampf um sehenswerte Rollen auch im gesetzteren Alter führen Schauspielerinnen bis heute.

Für die Tochter eines verarmten Möbelfabrikanten war die Schauspielerei gar nicht die erste Wahl. Als Teenager in Rom interessierte Lollobrigida sich für Malerei, Bildhauerei und absolvierte eine Opernausbildung. Genauso beteiligte sie sich an Misswahlen und wurde so fürs Kino entdeckt. Und dann ging es ganz schnell mit ihrer Karriere.

Später versuchte sich Lollobrigida noch auf ganz anderen Feldern: Sie scheiterte bei dem Versuch, sich ins Europäische Parlament wählen zu lassen, und engagierte sich für Unicef. Ihre zahlreichen anderen künstlerischen Talente rückten immer mehr in den Vordergrund.

In ihrem Lebensabend war Lollobrigida wenig Glück beschieden. Nach einem erbitterten Streit mit ihrem Sohn aus ihrer einzigen Ehe mit einem jugoslawischen Arzt – Affären wurden ihre später viele nachgesagt, auch mit Fidel Castro und Henry Kissinger – wurde ihr ein Finanzvormund vor die Nase gesetzt. „Ich habe das Recht, in Frieden zu leben, aber auch in Frieden zu sterben“, sagte sie vor zwei Jahren in einer Fernsehsendung.

Am Montag ist Gina Lollobrigida im Alter von 95 Jahren gestorben. Hoffentlich in Frieden.

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