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  • „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ - TV-Tipp am Montag, 27.07.2020

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“: Wie Wut größere Wut gebiert

  • Mit Molotowcocktails zur Gerechtigkeit: Frances McDormand geht in dem furiosen Drama „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ aufs Ganze.
  • Der Film erhielt sieben Oscar-Nominierungen und konnte in zwei Kategorien gewinnen.
  • Die Kritik zum Film.
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Rassistischer Hilfssheriff, prügelnder Ex-Gatte, feixender Klugscheißer: Ziemlich unsympathische Typen bevölkern das Hinterwäldler-Kaff Ebbing in Missouri. Aber man sollte nicht zu schnell urteilen in diesem grandiosen Film. So leicht, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Welt nicht in Gut und Böse aufzuteilen.

Auch Mildred Hayes (Frances McDormand) ist eine schwer auszurechnende Kinoheldin: Ganz sanft dreht sie den Käfer um, der hilflos auf dem Rücken liegt und mit den Beinen strampelt – obwohl sie von Wut und Schmerz gepeinigt wird und man gewettet hätte, dass sie dem Tier den Garaus macht, so wie sie auch später vor Gewalt nicht zurückschrecken wird. Sieben Monate zuvor wurde Mildreds Tochter vergewaltigt und ermordet. Noch immer ist die Polizei dem Täter keinen Zentimeter näher gekommen. Es sieht auch nicht so aus, als würde sie sich noch groß um den Fall scheren.

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Jetzt steht die Polizei mächtig unter Druck

Deshalb ist Mildred in eine Werbeagentur gestapft, hat erst den armen Käfer aus seiner misslichen Lage befreit, dann 5000 Dollar auf den Tisch geworfen und die drei windschiefen Billboards, also die Plakatwände am Ortseingang, gebucht. Seit dem Bau des neuen Highways, also seit einer kleinen Ewigkeit, hat hier niemand mehr etwas annonciert. Aber jetzt hat Mildred sich eine knackige Zeile einfallen lassen, geschickt verteilt auf alle drei Billboards, die sich am Straßenrand reihen: „Raped While Dying ... And Still No Arrest ... How Come Chief Willoughby?“ Das lässt sich bei langsamer Vorbeifahrt – und langsam fährt jeder in Ebbing, Missouri – ganz wunderbar studieren.

Seitdem steht die angeblich so tatenlose Polizei um Bill Willoughby (Woody Harrelson) mächtig unter Druck, die Situation in dem Dorf droht zu eskalieren. Und Mildred, von Beruf Souvenirverkäuferin (welche Besucher kommen bloß in diesem abgeschiedenen Ebbing vorbei?), hat tüchtig Anteil daran. In dieser burschikosen Rolle mag man sich kaum jemand anderen vorstellen als Frances McDormand mit erstaunlich verwitterten Gesichtszügen. Seit sie in dem Coen-Film „Fargo“ (1996) als hochschwangere Polizistin in einem verschneiten Provinznest Dienst tat und dafür den Oscar bekam, hat man sie nicht mehr so furios gesehen. Eine schauspielerische Glanzleistung, die McDormand folgerichtig ihre zweite Oscar-Trophäe als beste Hauptdarstellerin bescherte.

Ihre Mildred schleudert mit ausdrucksloser Miene Wortbomben und manchmal auch Molotowcocktails. Sie wird mit jedem fertig, bedient sich dabei jedoch ihrer ganz eigenen, zweifelhaften Methoden, ob sie nun dem pöbelnden Schuljungen zwischen die Beine tritt und sicherheitshalber auch gleich noch dessen Freundin oder ob sie den Pfarrer zur Rechenschaft zieht, weil in dessen „Gang“ Kinder missbraucht würden. Die „Gang“ ist die katholische Kirche. Der Feldzug gegen eine ignorante Männergemeinschaft drängt Mildred immer stärker in die Rolle einer Extremistin.

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Der lakonische Humor in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ erinnert an die Coens, und es fließt auch viel Blut – ganz abgesehen von den Kaskaden von Schimpfwörtern, die sich über diesen Film ergießen. Doch wechselt die Tonlage immer wieder blitzschnell. Wer eben noch als arroganter Schweinehund durch Ebbing stapft, kann sich plötzlich zum guten Menschen wandeln, ohne deswegen seine grundsätzlichen Überzeugungen aufzugeben.

Schaukelstühle wippen, Polizeistationen gehen in Flammen auf

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Regisseur und Drehbuchautor ist der Ire Martin McDonagh, der schon für seine Tragikomödie „Brügge sehen ... und sterben?“ (2008) gefeiert wurde. Nun zettelt er eine genauso komische wie anrührende Geschichte im Südstaaten-Ambiente an. Hier wippen Schaukelstühle gemächlich auf Veranden, aber genauso fliegen Menschen durch Fenster und gehen Polizeistationen in Flammen auf.

Die Handlung lässt sich in keinem Moment wirklich vorhersagen, und das spricht schon mal sehr für diesen Film, der etwas ganz anderes ist als ein handelsübliches Rachedrama. Es ist nur so, dass die Wut in diesem Land namens Amerika immer größere Wut gebiert. Manches Mal sieht das sehr nach Trumpschen Reaktionsschemen aus – auch wenn hier niemand auf die Idee käme, mit einem Handy in die Welt zu twittern.

Das wirklich Überraschende aber ist: Zu Mitleid ist jeder miese Schuft fähig. Der so heftig attackierte und gerade an Krebs krepierende Polizeichef entpuppt sich als liebender Familienvater, und sogar der brutal-debile Hilfssheriff Dixon (Sam Rockwell erhielt die Oscar-Auszeichnung 2018 als bester Nebendarsteller) entdeckt zu seiner eigenen Überraschung, dass in ihm gute Seiten stecken. Vielleicht geht in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ die ein oder andere wundersame Läuterung zu viel über die Bühne, aber da sieht man gern drüber weg: Die White-Trash-Heldin Mildred Hayes hat unser aller Sympathie bei ihrem schier aussichtslosen Kampf für Gerechtigkeit.

Stefan Stosch/RND

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