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Wenn das Weinglas klirrt, naht der Horror.

Racheengel in der Gourmetküche: die schwarze Komödie „The Menu“

Hier überwacht der Chef selbst das Geschehen: Ralph Fiennes in einer Szene des Films „The Menu“.

Hier überwacht der Chef selbst das Geschehen: Ralph Fiennes in einer Szene des Films „The Menu“.

Nur zwölf Plätze, aber drei Michelin-Sterne hat das Edelrestaurant The Hawthorne, das auf einer einsamen Insel vor der westpazifischen US-Küste liegt. Schlappe 1250 Dollar kostet das Menü, das Chefkoch Slowick (Ralph Fiennes) der gut betuchten Kundschaft serviert. Diesmal hat er persönlich einen handverlesenen Kreis an Gästen eingeladen, denen ein besonderes Festmahl kredenzt werden soll.

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In dem in modernistischem Betongrau gehaltenen Lokal versammeln sich: ein Schauspieler (John Leguizamo) mit unglücklicher Assistentin (Aimee Carrero), die unbarmherzige Restaurant­kritikerin Lillian Bloom (Janet McTeer) mit ihrem Redakteur, ein älteres Ehepaar, das zur Stammkundschaft gehört, drei überbezahlte Hightech­angestellte, deren Boss der Investor des Hawthorne ist, und schließlich der euphorische Foodie Tyler (Nicholas Hoult) mit Begleiterin Margot (Anya Taylor-Joy), die mit Haute Cuisine nichts am Hut hat.

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„Nicht essen, sondern schmecken, kosten und genießen“, heißt die Parole, die Slowick ausgibt. Wenn er zu Beginn jedes Gangs in die Hände klatscht, erstirbt das Gespräch im Raum sofort. Zu jedem minimalistischen Gericht erzählt der Starkoch eine persönliche Geschichte. Schließlich versteht sich das Menü als Konzept­kunstwerk.

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Aber von Gang zu Gang werden Slowicks Exkurse ungemütlicher. Beim „brotlosen Brotgang“ müssen sich die vermeintlichen Gourmets mühen, die erlesenen Dips ohne Brot vom Teller zu bekommen. Als wenig später mit Laser gravierte Tacos serviert werden, auf denen kompromittierende Fotos zu sehen sind, wird auch den letzten Gästen klar, dass das Nobel­restaurant für sie zur Falle geworden ist. Der Koch lebt seine lange unterdrückte feindliche Gesinnung zur elitären Kundschaft aus.

Als kaviarschwarze Komödie hat Regisseur Mark Mylod „The Menu“ angelegt, um diese sukzessive in die Gefilde eines Horror­thrillers zu lenken. Mit einem sich genüsslich steigerndem Sarkasmus nimmt sein Film die Geldelite ins Visier und lässt den Chefkoch zum monströsen Racheengel im Klassenkampf mutieren. Ralph Fiennes ist fantastisch als durchgeknallter Maître de Cuisine und darf hier noch einmal an seine Voldemort-Erfahrungen aus den „Harry Potter“-Filmen anknüpfen. Als Gegenspielerin und bodenständige Außenseiterin bewegt sich „Gambit“-Queen Anya Taylor-Joy auf Augenhöhe zum britischen Meistermimen.

Der satirische Biss von „The Menu“ richtet sich gegen die abgehobene Gourmetkultur, in der das Design eines Menüs wichtiger ist als dessen Genuss­potenzial. Im Einklang mit dem Perfektionismus des Sujets zeigen sich die erlesen minimalistische Ausstattung, die geschmeidige Kameraarbeit und vor allem das Sounddesign, das die Schneid­geräusche eines Küchen­messers oder das Klirren eines Weinglases als Vorboten des heran­nahenden Horrors direkt unter die Haut gehen lässt.

„The Menu“, Regie: Mark Mylod, mit Ralph Fiennes, Anya Taylor-Joy, Nicholas Hoult, 108 Minuten, FSK 16

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