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„Sympathisanten“ – Zeitzeugen der RAF-Ära

Engagiert: Volker Schlöndorff zeigte in seinen Filmen, wie der bundesdeutsche Staat im Kampf gegen den Terrorismus das Fundament der jungen Demokratie unterminierte.

Hannover. Margarete von Trotta hat ihre schwarz-roten Tagebücher aus den siebziger Jahren ganz weit unten im Schrank einsortiert. Für ihren Sohn, den Historiker und Dokumentarfilmer Felix Moeller, sind die Aufzeichnungen weit mehr als bloß ein Stück Familiengeschichte. Sie sind das zeithistorische Dokument einer politischen Ära, an dem entlang er in seinem Film „Sympathisanten“ die Ereignisse um den „deutschen Herbst“ neu befragt.

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Keine RAF-Analyse sondern eine Sammlung von Wahrnehmungen

Damals 1977 erreichten die Auseinandersetzung zwischen dem bundesrepublikanischen Staat und der linksradikalen „Rote Armee Fraktion“ ihren Höhepunkt. Aber Moeller geht es in seinem Film nicht um eine weitere Analyse des Phänomens „RAF“, sondern um die Wahrnehmungen und Erinnerungen derer, die damals als „geistige Brandstifter“ bezeichnet wurden und deren „moralische Isolierung und Ernüchterung“ Bundeskanzler Helmut Schmidt forderte.

Das Wort „Sympathisant“ wurde damals gerade durch seine vage und undifferenzierte Ausrichtung zum Kampfbegriff gegen diejenigen, die sich von den linken Idealen der Achtundsechziger-Bewegung, aus der die RAF hervorgegangen war, nicht distanzieren wollten.

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Revolutionäres Fußvolk einer längst gescheiterten Idee

Moeller interviewt die Zeitzeugen, die zum indirekten Umfeld der Terroristen gehörten. Seine Mutter Margarete von Trotta und sein Stiefvater Volker Schlöndorff engagierten sich in der „Roten Hilfe“ für die RAF-Gefangenen und zeigten gleichzeitig in ihren Filmen wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, wie der bundesdeutsche Staat im Kampf gegen den Terrorismus das Fundament der jungen Demokratie unterminierte.

Statt auf eine Auseinandersetzung in der Zivilgesellschaft setzte die Regierung Schmidt auf eine „polizeistaatliche Lösung“. Aber aus vierzigjähriger, historischer Distanz wird auch klar, dass die RAF ihre Sympathisanten, die sich etwa gegen die Isolationshaft in Stammheim einsetzten, oft nur als revolutionäres Fußvolk einer längst gescheiterten Idee instrumentalisierte. Das ehemalige RAF-Mitglied Christoph Wackernagel bezeichnet den Tod von Holger Meins im Hungerstreik als „krass gesagt: eine Propagandaaktion“.

Vielstimmige Erinnerungsarbeit an eine Zeit starker Polarisierung

Margarete von Trotta gibt zu, sie habe damals zu wenig mit dem eigenen Kopf gedacht und sich zu sehr von Ideologien und Utopien leiten lassen. Mit Interviews von Daniel Cohn-Bendit bis hin zu Marius Müller-Westernhagen setzt Moellers Film nicht auf eine letztgültige Wahrheitssuche, sondern auf eine vielstimmige Erinnerungsarbeit an eine Zeit, die von starken Polarisierungen geprägt war.

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Von Martin Schwickert / RND

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