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Neues Album „The Bridge“: Sting als Brücke über wilde Wasser

  • Rocklegende Sting kann auch noch Pop – auf dem neuen Album „The Bridge“ (ab 19. November im Handel) erinnert er sich vorwiegend an hitreiche Schaffensperioden.
  • In Zeiten des Lockdowns gab die Musik seinen Tagen in Isolation Struktur.
  • Und der Bau von Brücken ist dem britischen Musiker und überzeugten Brexit-Gegner in Zeiten umfassender spalterischer Politbestrebungen ganz einfach wichtig.
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Sting spielte sich neulich selbst in der Komödienserie „Only Murders in the Building“ bei Disney+ – in einer Art Parallel­universumsversion. Er war ein missmutiger Popstar und Bewohner eines New Yorker Apartmentgebäudes, der von drei Hobbydetektiven (Steve Martin, Selena Gomez, Martin Short) des Mordes verdächtigt wird und der vorgibt, Hunde zu hassen. Der echte Sting liebt Hunde, hatte während des Lockdowns auch deutlich mehr Zeit für seinen. Der erzwungene Ruhestand freilich missfiel dem 70-Jährigen zutiefst. Und so nahm er sich auch Zeit für neue Musik, allein, um den Tagen der Isolation Struktur zu geben. Wie so viele von der Pandemie ausgebremste Musiker, die eigentlich eine Tour geplant hatten, machte er stattdessen ein Album.

Es heißt nicht von ungefähr „The Bridge“ – denn Brücken seien in unseren Zeiten, in denen sie zuhauf eingerissen werden, das Wichtigste, so der überzeugte Brexit-Gegner Sting. Sie ermöglichen den Übergang über allerhand „rauschende Wasser“ – so heißt denn auch metaphorisch der Eröffnungssong. In „Rushing Water“ singt Sting mit einigem Humor über den „schäumenden Fluss“ seiner Ängste und einer Runde auf der Couch eines Psychoanalytikers, der ihm gleich mal mit dem Hämmerchen an die Reflexe geht: Autsch! Der Song hat eine Basslinie, die an „Every Breath You Take“ erinnert, den Übersong von The Police.

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Sting pfeift uns eins – am Anfang stehen Songs mit einem Grinsen

Er ist eine komfortable Brücke in diesem Album, das mit dem beschwingten Midtemposong „If It’s Love“ ähnlich munter weitergeht. Wieder braucht Sting den Doktor – diesmal, weil ihm ein Lächeln nicht vom Gesicht verschwinden will. Der Medicus rät: „Wenn’s Liebe ist, gibt’s keine Heilung.“ Darauf pfeift er sich dann vergnügt eins, der Gordon Sumner, wie er es von seinem Vater, der Milchmann war, gelernt hat.

Frohsinn auf Albumlänge wie zuletzt, als Sting sich 2018 auf dem Album „44/876“ zusammen mit Ragamuffin-Star Shaggy mit seiner kreidigen Honigstimme durch ein Dutzend süßer Songs sang, wird diesmal nicht gereicht. Das dunkle „Loving You“ ist vordergründig ein Lied über das Ende der Liebe zwischen zwei Leuten, lässt sich aber auf beliebige Verhältnisse in den Jahren der Trenner und Spalter legen. Auch auf „The Bridge“ aber gibt es den Sting für die Mehrheit der Fans. Nichts Verstiegenes, Komplexes, Elisabethanisches, sondern guten, variantenreichen Pop – mal rockiger als Verweis auf seine frühen Tage, mal folkig-balladesk und mal mit einem Hauch Jazz wie auf seinen ersten beiden Soloalben in den Achtzigerjahren.

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Die Klangpalette reicht von Rock über Irish Folk bis hin zu Dominic Millers Jazzgitarre

In „Harmony Road“ steht Sting Dominic Miller, jahrzehntelanger Weggefährte, mit einer jazzigen Gitarre zur Seite, die später, bei „The Bells of St. Thomas“, noch deutlicher, perlender in Erscheinung treten darf. „For Her Love“, zart perkussiv zur Akustikklampfe, ist ein Schwesterchen zu „Fields of Gold“, der Titelsong ein anderes. Eine märchenhafte Brücke liegt da im Nebel, symbolisch für alle Verbindungen, wartend auf die auf der Straße der Harmonie Wandelnden. In „The Hills of the Border“ wird ein Reisender von dunklen Mächten bedroht – Sting versucht sich am Irish Folk.

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Unbehauste Charaktere in unruhigen Zeiten, Warnungen, Mahnungen, mythische Bezüge. Jonas wird in „Rushing Water“ vom Wal verschluckt. Aber er kommt wieder frei, wie Bibelfeste wissen. Sting sieht „The Bridge“ als optimistisches Album. Am Ende steht Otis Reddings Soulklassiker „Sitting on the Dock of the Bay“. Sting, unsere „Bridge over Troubled Water 2021“, als Gestrandeter im Hafen von San Francisco. Noch einmal pfeift er sich eins. Wir stellen ihn uns im guten, alten, rot-schwarzen, schon etwas ausgefransten Ringelshirt vor mit Winnie, der Bulldogge aus „Only Murders in the Building“, an seiner Seite, mit der er am Pier friedlich einem ausfahrenden Schiff hinterherschaut.

Sting – „The Bridge“ (Interscope)

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