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  • „Star Wars 9“-Kritik: Bekommt die Skywalker-Saga ein würdiges Ende?

Neuer „Star Wars“-Film: Biblische Motive, Märchenmomente – ein Fest für Fans

  • Der böse Snoke war nur eine Puppe des wahren Führers – in „Star Wars Episode IX“ (Kinostart am 18. Dezember) kehrt der Imperator zurück.
  • Die Rebellen treten zum letzten, aussichtslosen Gefecht an und Heldin Rey muss das Geheimnis ihrer Herkunft verkraften.
  • Regisseur J. J. Abrams lässt indes ein Hintertürchen offen.
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„Wir sind mehr!“, das ist die Botschaft von „Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“. Gemeinschaftlich kann das Gemeine, Niedertracht und Hass Säende, das mit Gewalt Herrschende niedergerungen werden. Angesichts der aus dem Nichts auftauchenden Armada der Republik ist ein imperialer Offizier an Bord eines Sternenzerstörers fassungslos: „Das ist kein Militär“, stammelt er, „das ist das Volk!“

Palpatine lebt und hat eine Planetenkillerflotte

Man hatte den in „Episode VI“ gestorbenen Imperator schon im Trailer gesehen – Palpatine lebt. Ein Rebellenoffizier mutmaßt, er habe sich einst geklont. Er hängt an Kabeln, ist aber voll bösester Energie. Kylo Ren (Adam Driver), der zerrissene Darth-Vader-Enkel, findet mit einem (von nur zwei im Universum existierenden) Sith-Wegweisern zu ihm – reist in eine Art interstellares Darknet, wo das Imperium seine fürchterliche Urständ vorbereitet. Wie in „Iron Sky“ haben die Space-Faschos hinterm Mond überlebt, und eine Flotte ihrer keilförmigen Riesenschiffe hängt im Wartestand, jedes einzelne mit Planetenkillerwaffen bestückt. Todessterne sind nun endlich out.

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Kylo Ren wird vom Imperator verpflichtet, die Rebellin Rey (Daisy Ridley) zu töten, durch deren kraftvolle Ausprägung der Jedi-Kräfte dieser seine bösen Pläne gefährdet sieht. „Töte das Mädchen! Beende die Jedi!“ Rey ihrerseits fahndet nach dem zweiten Sith-Kompass, um Palpatine den Garaus zu machen. Die Spannung ergibt sich aus der Faszination der beiden Antagonisten Kylo und Rey füreinander, die sich auf die jeweils andere Seite der Macht ziehen wollen. Und deren Lichtschwertergefechte zeitgleich an zwei Orten stattfinden können, was die stärksten visuellen Effekte des Films abwirft.

„Episode IX“ bietet noch einmal alles, was Fans lieben

Ansonsten gibt es alles, was „Star Wars“-Fans lieben: Biblische Motive, märchenhafte Momente, Verfolgungsjagden mit und ohne Millennium Falken, viele fremde Lebewesen, all die vertrauten Gesichter (samt Carrie Fisher, von der noch Szenen verwendbar waren), das ganze galaktische Brimborium bis zu einem Über­showdown, das diese seit 1977 aus 1001er Quelle gespeiste Filmreihe zu Hollywoods bedeutendstem Franchise machte.

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Die Effektspezialisten haben hervorragende Arbeit geleistet. Die Geschichtenerzähler dagegen reißen immer wieder Logiklöcher, durch die man Brote werfen könnte. Aber – wie sagte der weise Yoda im Vorgängerfilm „Die letzten Jedi“ zu Rey: „Der größte Lehrer Versagen ist.“ Und die Autoren sind schon besser geworden seit der „Episode VII: Das Erwachen der Macht“, die wirkte, als habe man Teile der ersten Trilogie geklont.

Auch für ikonische Helden halten Happy Ends nicht ewig

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Was den dritten „Star Wars“-Dreiteiler auszeichnet, ist nicht so sehr das Spektakuläre, sondern das Tragische. Selbst die ikonischsten Figuren erfuhren nach dem Happy End von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) Schicksalsschläge, mussten erleben, was auf dem Planeten ihrer Zuschauer jeder kennt: Dass es keine Happy Ends gibt, nach denen alles in bester Balance bleibt bis zum Lebensende. Auch ihre Welt drehte sich weiter: Die Ehe von Leia und Han Solo scheiterte, der einzige Sohn geriet so weit auf die schiefe Bahn, dass er den Elternmord als einzige Möglichkeit der Befreiung sah. Und Luke Skywalker endete als verbitterter Eremit.

Man stellt sich vor, wie viele einsame Jahre für diesen einst strahlenden Sternenspazierer auf seiner Robinsoninsel ins Land gingen. Han und Chewbacca immerhin hielten am Glück ihrer Männerfreundschaft fest.

„Star Wars“ ist ein massentaugliches Antifa-Märchen

„Star Wars IX“ ist erneut mehr Fantasy als Science-Fiction, die Handlung ist wild, wirr und straight zugleich, eine Odyssee mit einem Schuss Mystik – denn tot ist nichts und niemand niemals in dieser wundersamen George-Lucas-Galaxis, weit, weit weg. Aber bei all seinen Schwächen ist „Star Wars“, und war es schon immer, das beste, weil massentauglichste Antifa-Märchen, das für Groß und Klein zu haben ist. Wirksamer denn je ist diese 42 Jahre alte prodemokratische Geschichte in unseren Zeiten, die von Spaltung und Trennung, politischer Dummheit und Verblendung nur so überborden.

Am Ende von „Episode IX“ steht zwar ein versöhnliches „Alles wird gut“, zugleich aber auch das große „aber“: Es wird nicht von allein so und muss immer wieder neu errungen werden. „Wir sind mehr“, das Wort, mit dem die Rebellen sich Mut noch in verfahrensten Lagen machen, ist das Wort, das von den Leinwänden in unsere Galaxis hineinhallt. Man hört es derzeit oft bei Demonstrationen gegen rechts.

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War’s das? J. J. Abrams hält sich ein Hintertürchen offen

Das war’s? Vielleicht. Allem Ende wohnt auch hier ein Anfang inne, Regisseur J. J. Abrams, der nach einmal Aussetzen auf den Regiestuhl zurückgekehrt ist, hält sich ein Hintertürchen offen. Der Himmelfahrt der Skywalkers, die dem letzten Stück der Ennealogie (so heißen Neunteiler) folgt, schließt sich eine Epiphanie und die Auferstehung des skywalkerschen Geists an. Jemand mit Herz und Haltung gibt sich einen neuen Namen – gemäß den Worten, die Master Luke in der Filmmitte zu Rey sagt, als diese sich erschöpft und entsetzt über ihre Herkunft in das Einsiedlerleben zurückziehen will: „Manche Dinge sind stärker als Blut!“

  • Kinostart in Deutschland: 18. Dezember 2019
  • Deutscher Titel: „Star Wars Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“
  • Regie: J. J. Abrams
  • Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Ian McDiarmid
  • Filmlänge: 141 Minuten
  • Altersfreigabe: keine Angabe
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